Seit fast eineinhalb Jahren bekämpft Israel massiv seine Feinde in der Region. Welche Folgen haben die Kämpfe für Bundeswehr und Marine?
Der Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich zu einem Krieg ausgeweitet, der die Region erschüttert hat. Israel hat nicht nur im Gazastreifen gekämpft, sondern auch im Libanon. Hinzu kommen vereinzelte Schläge gegen den Iran und den Jemen. Aus dem Jemen greifen die Huthi-Rebellen seit mehr als einem Jahr Schiffe im Roten Meer an. Nachdem im Libanon und in Gaza Waffenstillstände gelten, kann nun eine erste Analyse vorgenommen werden.
Nach dem 7. Oktober musste die israelische Armee zunächst die Kämpfer der Hamas aus dem Grenzgebiet zum Gazastreifen vertreiben, erst danach begann die israelische Gegenoffensive. Durch Luftangriffe und Artillerie wurden etliche Gebäude zerstört, und auch die Kämpfe am Boden forderten unter der Zivilbevölkerung viele Opfer. Militärisch gesehen waren die Kämpfe allerdings erfolgreich. Ende Oktober 2024 konnte man davon ausgehen, dass die Hamas etwa 30 000 Kämpfer durch Tod, Verwundung oder Gefangennahme verloren hat. Von den etwa 35 000 Kämpfern zu Beginn des Kriegs waren also nur noch 5000 verblieben. Zugleich mehrten sich zu diesem Zeitpunkt Meldungen, wonach der Nachschub an Waffen und Munition zur Neige ging. Trotz dieser Verluste ist die Ideologie der Hamas nicht verschwunden.
Die libanesische Hisbollah wurde von dem Überfall der Hamas auf Israel ebenfalls überrascht. Sie reagierte zunächst mit einem rein symbolischen Angriff auf die abgelegenen Shebaa-Farmen, aber im Lauf der folgenden Wochen intensivierte sie den Beschuss Israels. Die Lage eskalierte, und etwa 70 000 Israelis wurden aus dem Norden evakuiert. Angehörige der Deutschen Marine im Unifil-Hauptquartier in Naqura fanden sich plötzlich mitten in einem Landkrieg wieder. Bis September 2024 war die Lage geprägt von Schusswechseln mit Artillerie und Raketen, unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs)sowie israelischen Luftangriffen. Ab dem Sommer 2024 griff Israel Ziele im ganzen Land an. Am 17. September 2024 detonierten im Libanon Tausende Pager, die von Angehörigen der Hisbollah und ihren Verbündeten genutzt wurden. Mittlerweile bekannte sich Israel zu diesem Angriff. Am Folgetag detonierten dann Funkgeräte der Hisbollah. Insgesamt wurden an diesen beiden Tagen etwa 40 Personen getötet und knapp 4000 verwundet. Mit diesem Schlag traf Israel die gesamte Führung sowie das „leitungsnah“ eingesetzte Personal der Hisbollah. Zugleich intensivierte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe im ganzen Land und flog allein am 23. September etwa 1600 Angriffe. Nur vier Tage später zerstörte Israel das unterirdische Hauptquartier der Hisbollah im südlichen Beirut, wobei der Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, getötet wurde.
Am 1. Oktober begann die Offensive israelischer Bodentruppen, hierbei kam es mehrfach zum Beschuss von Unifil-Stellungen durch beide Seiten. Der Vormarsch der Israelis ging – wie schon im Gazastreifen – eher langsam und systematisch voran, wobei die Hisbollah hinhaltenden Widerstand leistete. Etwa drei Wochen nach dem Beginn der Bodenoffensive galt die Hisbollah als schwer getroffen, wenn nicht sogar geschlagen. Ende Oktober war die unmittelbare Grenzregion in einer Tiefe von fünf bis sechs Kilometern von Hisbollah-Kämpfern gesäubert. Anfang November wurde die Zahl der getöteten Kämpfer der Hisbollah mit etwa 3000 angegeben. Von diesen seien etwa 2000 seit Beginn der Bodenoffensive getötet worden, während etwa 1000 in den zwölf Monaten zuvor ums Leben gekommen sein sollen. Bei der Bodenoffensive beschränkte sich die israelische Armee bewusst auf einen schmalen Streifen entlang der Grenze. Ursächlich hierfür waren einerseits politische Gründe wie der Widerstand auf internationaler Ebene. Andererseits erschien für ein intensiveres Vorgehen gegen die hartnäckig verteidigende Hisbollah der notwendige Kräfteansatz auf israelischer Seite eventuell zu groß, denn die Armee stand bereits seit einem Jahr im Kampf.
Schließlich trat am Morgen des 26. November 2024 eine Waffenruhe in Kraft. Diese sieht im Wesentlichen eine Umsetzung der UN-Resolution 1701 vor, die vereinfacht gesagt „keine Hisbollah südlich des Litani-Flusses“ gestattet. Die israelischen Bodentruppen hatten sich bis zum 25. Januar 2025 aus dem Libanon zurückzuziehen. Beide Seiten hielten die Waffenruhe ein, wenngleich es einzelne Zwischenfälle gab.
Unerwartet und binnen kürzester Zeit fiel Anfang Dezember das Regime des syrischen Präsidenten Assad. Es war für die Zukunft der Hisbollah durch die Einrichtung einer Landbrücke und von Rückzugsräumen von großer Bedeutung. Zudem hingen die Stellung Irans in der Region und Russlands Präsenz am Mittelmeer vom Assad-Regime ab. Israel hat diese Entwicklung durch die Bindung der Kämpfer und die Schwächung der Hisbollah indirekt herbeigeführt.
Aus „Solidarität mit den Palästinensern“ attackierten die Huthi-Rebellen ab November 2023 die internationale Schifffahrt in der Region. Seitdem verübten sie etwa 250 Angriffe und setzten etwa 600 Seeziellenkflugkörper, ballistische Raketen, Drohnen und unbemannte Sprengboote ein. Es wurden mehr als 40 Schiffe getroffen, meistens entstand allerdings nur geringer Schaden. Drei Schiffe erlitten schwere Beschädigungen, zwei von ihnen sind gesunken. Im Lauf der Zeit wurden die Angriffe komplexer. Beispielsweise griffen die Huthi-Rebellen am 11. November des vergangenen Jahres die amerikanischen Zerstörer Spruance und Stockdale mit insgesamt acht UAVs, fünf ballistischen Raketen und drei Seeziel-FKs an. Sämtliche Waffen wurden abgewehrt, auf US-Seite kam niemand zu Schaden.
Um den Angriffen der Huthi-Rebellen zu begegnen, wurde von den USA die Operation Prosperity Guardian ins Leben gerufen. Analog startete die EU die Mission Aspides gestartet, an der sich die Deutsche Marine mit der Fregatte Hessen beteiligte. Die Hessen wurde – wie nahezu alle Kriegsschiffe in der Region – mehrfach in Gefechte verwickelt. Hierbei gab es Schwierigkeiten bei der Abwehr von Luftzielen, der Flugkörper SM-2 traf nicht, was auf einen technischen Defekt im Feuerleitsystem zurückgeführt wurde. Nach Angaben der Marine wurde der Fehler behoben. Anderen Marinen erging es übrigens ähnlich. Es zeigt sich, dass verschiedene Flugabwehrsysteme an Bord von Kriegsschiffen Schwierigkeiten hatten, unter den realen Bedingungen im Einsatz ihre Ziele zu treffen.
Eine technische Besonderheit des Konflikts im Roten Meer ist der Einsatz von ballistischen Raketen, die zumindest eingeschränkt lenkbar zu sein scheinen, gegen Schiffe in See.
Im August 2024 erschienen glaubhafte Berichte, nach denen Russland den Huthi Seeziellenkflugkörper vom Typ Yakhont mit einer Reichweite von 300 Kilometern und einer Geschwindigkeit von 2500 Stundenkilometern liefern wollte. Auf Bitten von Saudi-Arabien soll dies jedoch unterblieben sein. Ende Oktober 2024 wurde dann berichtet, Russland habe die Huthi mit „Satellitendaten“ (im englischen Original des Wall Street Journal heißt es: satellite data) unterstützt. Dies wurde in deutschen Medien oft mit „Satellitenbildern“ übersetzt. Da sich Schiffe bewegen, ist eine Aufklärung von Schiffen in See mit Satellitenbildern häufig nicht erfolgreich. Ganz anders ist es, wenn man Satelliten nutzt, um die Ausstrahlungen von Schiffen aufzuklären. Radar, Funk und Satellitenkommunikation sind dann aufklärbar. Damit kann man Schiffe identifizieren und ein großräumiges Lagebild erstellen. Darüber hinaus wäre es möglich, dass sie auch Kommunikationsinhalte erfassen und weitergeben. Ob E-Mails von Hafenbehörden und Schiffsagenten oder schlecht gesicherte Kommunikation militärischer Stellen, Russland kann den Huthi einiges mitteilen, was diese sonst nicht erfahren würden. Im Gegenzug kann Russland von den Angriffen etwas über Stärken und Schwächen der westlichen Flugabwehr lernen. Auch China soll den Huthis Waffen und Teile für den Bau von Lenkflugkörpern und UAVs geliefert haben. Im Oktober 2024 wurden mehrere chinesische Firmen deswegen von den USA benannt und mit Sanktionen belegt.
Angeblich haben die Huthi-Rebellen einen Weg gefunden, Gebühren von Reedereien zu erheben, denen im Gegenzug freie Passage gewährt wird. Demnach belaufen sich die Einnahmen aus dieser Quelle auf 180 Millionen Dollar pro Monat. Damit lägen die Zahlungen bei der Hälfte der monatlichen Einnahmen des Sueskanals – was allerdings von Experten bezweifelt wird. Dennoch gilt: Falls die Huthi-Rebellen eine Art Schutzgeld kassieren, wäre das eine bemerkenswerte Entwicklung.
Eine Besonderheit des aktuellen Konflikts besteht darin, dass Israel und der Iran sich erstmals gegenseitig direkt angegriffen haben. Als Vergeltung für einen israelischen Angriff auf ein Gebäude der iranischen Botschaft in Damaskus attackierte der Iran am 17. April Israel mit 170 UAVs, 30 Marschflugkörpern und 120 ballistischen Raketen den jüdischen Staat. Nach dem Angriff auf das Hauptquartier der Hisbollah am 27. September griff der Iran am 1. Oktober Israel erneut mit etwa 200 ballistischen Raketen an. Israel konnte beide Angriffe mit Unterstützung seiner Partner gut abwehren. Als Reaktion auf diese Angriffe flog Israel erstmals zwei Angriffe gegen Ziele im Iran. Beim zweiten israelischen Angriff wurden am 26. Oktober die modernen Radaranlagen des Typs S-300 der iranischen Flugabwehr im Westen des Landes sowie Produktionsstätten für UAVs und für ballistische Raketen sowie eine Einrichtung des Atomprogramms zerstört.
Erfolgreicher als erwartet
Was mit einem hauptsächlich zu Fuß erfolgten Handstreich begann, ist inzwischen zu einem Regionalkrieg geworden, der epochale Veränderungen bewirkt hat. Die Operationen der israelischen Streitkräfte im Gazastreifen waren erfolgreich, denn die Hamas scheint als organisierte militärische Kraft zerschlagen. Hierbei wurden nicht nur viele Gebäude zerstört, sondern es gab zudem zahlreiche zivile Opfer, wenngleich deren Zahl vermutlich geringer war, als Hamas-nahe Medien Glauben machen wollten. Als Konsequenz der israelischen Vorgehensweise kamen die verbliebenden Geiseln erst schrittweise nach Inkrafttreten einer Waffenstillstandsvereinbarung frei. Wenngleich Israel für sein Vorgehen international heftig kritisiert wurde, ging das Kalkül der Hamas nicht auf. Der Iran und die Hisbollah waren nicht bereit, eine vollumfängliche Eskalation mit Israel zu wagen.
Militärisch gesehen waren auch die Operationen Israels im Libanon sehr viel erfolgreicher als erwartet. Ende Oktober 2024 war die Hisbollah schwer angeschlagen. Der Angriff mit Pagern und Funkgeräten wird vermutlich als herausragende Operation in die Geschichte der Kriegsführung eingehen. Die von Israel eingesetzte Menge an Sprengstoff entspricht lediglich in etwa der Sprengstoffmenge, die in zwei Granaten vom Kaliber 155 Millimeter verbaut ist. Mit diesem geringen Einsatz wurde die Führung der Hisbollah zumindest vorübergehend gelähmt. Die ursprüngliche Doktrin der Hisbollah („Auge um Auge, Zahn um Zahn“) wurde von Israel überwunden. Das Land verfügte über die Mittel, der Hisbollah signifikant höhere Verluste zuzufügen als umgekehrt.
Die israelische Armee hat mit der Etablierung der Pufferzone ihre taktischen Ziele erreicht. Ob sie aber gleichzeitig ihre politischen Ziele erreicht hat, ist fraglich. Die Kämpfer der Hisbollah leben im südlichen Libanon und werden zurückkehren. Sie verfügen weiterhin über Abstandswaffen, selbst wenn etwa 80 Prozent davon zerstört sind. Unverändert kann die Hisbollah Opfer politisch und gesellschaftlich besser ertragen als Israel.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Hisbollah in den letzten Jahren an Rückhalt verloren hatte. Durch ihre Beteiligung am Krieg in Syrien hat die Hisbollah viele gute Männer, viel Geld und vor allem viel Sympathie in der Region verloren. In der Folge hatte die Hisbollah Schwierigkeiten, Personal zu rekrutieren. Sie wurde zudem anfälliger für Infiltration durch israelische Aufklärung. Vereinfacht gesagt, der Kampfwert der Hisbollah scheint heute geringer zu sein als bei den Gefechten im Jahr 2006.
Der Fall Assads ist die weitreichendste Folge des Kriegs. Hierdurch fiel die schiitische Landbrücke in sich zusammen, seitdem ist die Versorgung der Hisbollah empfindlich gestört. Zudem scheint die permanente Präsenz der russischen Marine in Tartus beendet zu sein. Zunächst verweigerten die neuen Machthaber die Evakuierung des russischen Materials aus Tartus. Am 21. Januar 2025 durften die russischen Frachtschiffe Sparta und Sparta II einlaufen, damit begann der Abtransport des russischen Materials. Zugleich gaben die neuen Machthaber bekannt, dass sie die Vereinbarung über die Nutzung des Hafens durch Russland kündigen würden.
Eine Bewertung der Lage im Jemen fällt gemischt aus. Die Huthi-Rebellen haben im Oktober 2016 erstmals Kriegsschiffe angegriffen und ihre Fähigkeiten seitdem stark weiterentwickelt. Dies vollzog sich vor den Augen der Welt und wurde auch vom Autor in Ausgabe 5-2019 des marineforums analysiert. Heute sind die Huthi in der Lage, den wichtigsten Seestreitkräften der Erde zu widerstehen.
Gegenwärtig wird der Schaden für die Handelsschifffahrt durch ein Umfahren der Region geringgehalten. Bislang wurden nur wenige Schiffe getroffen und eine noch geringere Anzahl beschädigt. Aus diesem Blickwinkel könnte das Problem also als gering erachtet werden. Jedoch geht es auch um die Bewertung des militärischen Erfolgs der westlichen Operationen. Die Abwehr der von den Huthi-Rebellen eingesetzten Wirkmittel erwies sich zum Teil als schwierig und insgesamt als kostspielig. Sollte es darüber hinaus gelingen, die Trefferquote der ballistischen Raketen zu steigern, würde das die Überwasserseekriegführung stark beeinflussen. Zudem ist kein Ende der Bedrohung in Sicht. Den Huthi-Rebellen gehen die Wirkmittel offenbar nicht aus, auch ihr Kampfwillen scheint unverändert.
Anzahl der von den USA eingesetzten Waffen und ihre Kosten
In der Folge hat die Bedeutung der Huthi-Rebellen erkennbar zugenommen. Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge haben sich diese mit Hilfe des Irans und seiner Verbündeten von einer regional wirkenden Rebellengruppe zu einem machtvollen militärischen Akteur entwickelt.
Die Unterstützung Russlands für die Huthi-Rebellen ist ebenfalls bedeutsam. Kurzfristig wurde die Lieferung der Yakhont-Flugkörper zwar verhindert, stattdessen übermittelt Russland jedoch vermutlich Ergebnisse seiner hochentwickelten Aufklärung, was zudem unauffälliger ist. Gleichzeitig dürfte Russland etwas über die Möglichkeiten der westlichen FK-Abwehr lernen. Daher muss inzwischen überall auf der Welt damit gerechnet werden, das volle Spektrum russischer Fähigkeiten vorzufinden. Anders gesagt: Früher konnten Piraten und Taliban geheime Mails nicht lesen, heute können Huthis und Hisbollah das möglicherweise mit russischer Hilfe.
Im direkten Kampf Iran gegen Israel ist die Bewertung eindeutig. Während der erste israelische Luftangriff gegen den Iran eher eine Demonstration eigener Fähigkeiten war, hatte der Angriff vom 27. Oktober weitreichende Folgen und ist als großer Erfolg zu bewerten. Israel zerstörte einen wichtigen Teil der iranischen Luftverteidigung und wies nach, dass es diese überwinden kann. Zudem wurde die Fertigung von Treibstoff für Feststofftriebwerke für ballistische Raketen und Seeziellenkflugkörper nachhaltig gestört. Die Wirksamkeit der beiden iranischen Angriffe auf Israel war im Vergleich dazu gering. Die israelische Abwehr und die seiner Partner waren gemeinsam in der Lage, die Masse der Raketen abzufangen.
Einsatzbereitschaft nötig
Deutschlands nach dem Überfall auf die Ukraine postulierte Schwerpunkt Landes- und Bündnisverteidigung kam anderthalb Jahre nach seiner Formulierung unter Druck. Die Ära der Auslandseinsätze ist also trotz einer Schwerpunktsetzung auf die Ostflanke nicht vorbei. Die Bundeswehr bereitete sich auf eine Evakuierungsoperation aus dem Libanon vor, die Marine ging in den Einsatz Aspides. Zudem erklärte Außenministerin Annalena Baerbock, sie könne sich einen Einsatz der Bundeswehr als Friedenstruppe im Gazastreifen vorstellen. Und ein Abzug von Unifil ist aktuell sehr unwahrscheinlich. Unverändert gilt, dass diese Einsätze gefährlich sein können. Unverhofft können Soldaten bei einem Friedenseinsatz in eine Gefechtssituation kommen, die einem Szenario der Landesverteidigung ähnelt. Dies zeigt sich bei Unifil ebenso wie bei Aspides. Körperliche Fitness, mentale Härte und Einsatzbereitschaft sind also weiterhin gefordert. Am 15. Februar 2025 griffen Anhänger der Hisbollah einen Unifil-Konvoi an. Der stellvertretende Kommandeur wurde verletzt, ein Fahrzeug in Brand gesteckt. Hintergrund war eine Drohung Israels, Verkehrsflugzeuge aus dem Iran abzuschießen, falls diese nach Beirut fliegen. Dieser Angriff zeigt, vor welchen Herausforderungen die Mission Unifil steht, wenn sie ihr Mandat wirklich durchsetzen will.
Nach Naqura sollte nur gehen, wer einsatzbereit ist, weil er dort gegebenenfalls auch unter Beschuss aushalten muss. Und zu Aspides sollten nur Schiffe fahren, die voll einsatzbereit sind, weil sie jederzeit mit einem intensiven Gefecht rechnen müssen. Zumal Russland die Gegner Deutschlands inzwischen gern mit hochwertigen Fähigkeiten unterstützt. Deutsche Streitkräfte müssen also weltweit mit dem Einsatz russischer Systeme rechnen.
Die Einsätze der Marine werden bald aus Rostock geführt, nicht mehr aus Potsdam. Damit hat das hier beschriebene Lagebild demnächst auch unmittelbare Folgen für die Arbeit im Marinekommando. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Lage in der Region kaum ruhiger. Die Waffenstillstände in Gaza und im Libanon halten zwar aktuell noch, die neue US-Regierung besteht aber aus Personen, die für ihre harte Haltung gegenüber dem Iran bekannt sind. Kaum verwunderlich, dass vermutlich weiterhin Analysen über den Nahen Osten im marineforum zu lesen sein werden.
Kapitän zur See Sebastian Hamann ist Angehöriger des Kommandos Cyber- und Informationsraum.



