Naval Vessels Lürssen (NVL) gehört als nun als "Division Naval Systems" zu Rheinmetall. Warum der innovative Player im Marineschiffbau so attraktiv für den Rüstungsriesen ist, führte man heute im Hamburger Hafen in den traditionsreichen Anlagen von Blohm & Voss vor.

Zusammen mit dem als Rennboot-Spezialisten bekannt gewordenen Unternehmen Kraken wurden die Überwasser-Drohnen „Scout“ (USV Scout) und Missions-Craft AMC 12 vorgestellt, die wegweisend für die Zukunft maritimer Sicherheit sein könnten. In Gegenwart des maritimen Koordinators der Bundesregierung, Christoph Ploss, stellte Tim Wagner, bisher CEO von NVL, die nun Division Naval Systems heißen wird, die neue Technologie vor.
Wenige Tage nach dem offiziellen Vollzug der Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) durch Rheinmetall am 1. März 2026 - hat das neu geformte Marine-Powerhouse seine technologische Ambition im Kompetenzfeld autonomer Überwassersysteme vorgestellt. Man plant die Serienfertigung autonomer Überwasserdrohnen. Der Rüstungskonzern Rheinmetall wird die Produktion in Hamburg in großem Maßstab realisieren. Tim Wagner beschrieb die Technik und die konzeptionelle Idee hinter der Überwasserdrohne: „es beginnt mit 15 Booten, um das ganze Thema in Fahrt zu bringen», so Wagner. «Wir wollen auf 200 Boote pro Jahr hochskalieren.» Im Dreischichtbetrieb könnten künftig 1.000 Boote im Jahr auf der Hamburger Werft Blohm+Voss produziert werden.
Die Drohnen wären eine lückenlose Überwachung deutscher Küsten und angrenzender Gewässer, bis in die Deutsche Wirtschaftszone in der Nordsee. Die Technologie, die Tim Wagner vorstellte, deckt in der Vorstellung der Entwickler das ganze Spektrum maritimer Dimensionen ab: ob auf-, unter- oder über Wasser: die Möglichkeit der Sensoren ist gegeben. Sogar eine Bewaffnung sei möglich und das wurde auch durch die Kriegsschiff-typische Lackierung in RAL 7000 des K 3 angedeutet. Und allen, die da meinen, man könne dieses Objekt durch "Einsammeln" neutralisieren: so viel wurde verraten, das wird nicht klappen. Nicht überraschend ist auch die Fernlenkung: der Spezialist von Kraken nutzte eine handelsübliche Fernbedienung einer Spielkonsole. Erstens ist das klug - weil man das nicht neu entwickeln muss, zweitens ist das für zukünftige Bediener der Generation Playstation (sorry: XBOX) ein attraktives Einstellungskriterium. Das Gewicht der Drohnen von rund 2,5 Tonnen und die Größe erlaubt zudem eine unkomplizierte seemännische Handhabung. Der Versuchsträger wurde von zwei

Personen gesteuert. Im Zentrum der Vorführung im Hamburger Hafen stand der Kraken K3 Scout Medium. Das System ist ein Paradebeispiel für die Strategie, maritime Lücken durch Masse, Wirkung und Geschwindigkeit zu schließen. Als ‚verlängerter Arm‘ bemannter Einheiten konzipiert, ermöglicht das System bei einem Grundpreis von rund 347.000 Euro einen „Low-Cost“-Ansatz und damit die Umsetzung eines Konzepts der Attritability – den Einsatz von Einheiten, deren Verlust im hochintensiven Gefecht taktisch und finanziell kalkulierbar bleibt. Es erreicht Geschwindigkeiten von über 50 Knoten und ist primär für die schnelle Aufklärung (ISR) und Identifizierung von Bedrohungen an kritischen Infrastrukturen konzipiert.
Die technologische Souveränität dieser Drohnen-Generation ist das Ergebnis eines eng verzahnten Kompetenz-Clusters. In einem synergetischen Ökosystem bündelt die Division Naval Systems marktführende Expertisen, die von der hochpräzisen Sensorik bis zur KI-gestützten Entscheidungsfindung reichen, zu der Anschütz und MacArtney beitragen. Die Bremer Firma 'besecke' bündelt alle technischen Schiffssysteme und ermöglicht den autonomen Betrieb sowie das Health-Monitoring auch in gestörten Umgebungen. Das mit Diesel-Jet - Antrieb ausgestattete Boot „K3 Scout“ ist nicht „autonom“, so etwas gibt es noch nicht, sagte Tim Wagner, sondern es wird ferngesteuert. Das sowohl militärisch als auch zivil genutzte „Vehikel“ ist ein Joint Venture mit dem englischen Hersteller Kraken Technology Group. Diese Surface Vehicle basieren auf der High-Speed Technologie Erfahrung von Kraken. Aber der K 3 Scout wird nicht durchgehend in Bewegung sein, sondern meist nur wachen. Es kann nach dem Willen der Entwickler bis zu einem Jahr in einem Seegebiet verbleiben und still abwarten, ob es Abnormalitäten gibt. Der Motor kann gestoppt bleiben, die Batterie kann auch durch Solarzellen erhalten werden. Das ist keine Vision mehr, bereits mehrere Aufträge für die Boote liegen vor. Wer? Sagte man nicht. Es sind aber bereits 150 Aufträge - auch im Marinebereich - erteilt.

Technische Daten K 3 Scout:
Länge/Breite: 8,4 m / 1,93 m; Verdrängung: 2.500 Kilogramm; Antrieb: Innenbord-Dieselmotor; Geschwindigkeit: Bis zu 55 Knoten; Reichweite: 650 Seemeilen bei 25 Knoten; Einsatzdauer: 30 Tage; Nutzlast: 600 Kilogramm; Material: glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK); Modularität: Möglichkeit der Aufnahme von austauschbaren Funktionsmodulen (z.B. für Aufklärung, zur Bekämpfung oder elektronischen Kampfführung). Führung: Ferngelenkt.
Technische Daten AMC 12 (Versuchsträger), soweit bekannt:
Länge/Breite: 12 m / 3,5 m; Geschwindigkeit: bis zu 35 Knoten; Material: Aluminium; Antrieb: Wasserstrahlantrieb; Führung: Der Demonstrator ist noch bemannt, soll aber – und das ist das Kernanliegen – autonom einsetzbar werden.


2 Antworten
Da ist mit den Bootsdaten was schief gegangen. Oder sind die Boote identisch?
Guten Tag Herr Strasser,
und DANKE für Ihren Hinweis. Die technischen Daten „AMC 12“ wurden aktualisiert.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Redaktion