Die Marineschiffahrtleitung der Deutschen Marine in Hamburg hat eine Lagebeurteilung und Warnhinweise herausgegeben
Die Lage im Persischen Golf ist nach wie vor angespannt. Israel und die USA bekämpfen Ziele im Iran mittels Abstandswaffen. Mit Stand vom 12. März 2026 haben sich die Anrainerstaaten lediglich selbst verteidigt, nachdem sie zuvor mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen wurden. Zudem wurde auch ein britischer Militärstützpunkt auf Zypern von einer Drohne getroffen. Zwei Einschläge wurden auch in Aserbaidschan registriert und NATO-Abwehrsysteme haben über der Türkei mehrere Geschosse abgefangen. Hier wurden zum jetzigen Zeitpunkt nur Defensive Mittel genutzt.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben die Sperrung der Straße von Hormus (SoH) verkündet. Sie greifen zivile Schiffe sowohl in der Meerenge als auch in den Zufahrtswegen an, sofern diese eine Passage durchführen oder beabsichtigen. Angriffe auf die zivile Schifffahrt außerhalb dieses Seegebiets sowie der Einsatz von Seeminen in den Schifffahrtsstraßen wurden bisher nicht gemeldet. Seit 3. März haben täglich nur ein bis sechs Schiffe die SoH passiert (vorher um 130 täglich).
AIS und GPS werden vor allem um die Straße von Hormus stark gestört. Innerhalb von 24 Stunden wurden bis zu 600 Störungen beobachtet. Zusätzlich wurden Navigations- und Kommunikations-Geräte elektronisch gestört. Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 18 Handelsschiffe getroffen und haben teils schwere Schäden erlitten (Liste unten).
Der Angriff auf die ATHE NOVA (IMO 9188116) hat sich als Falschmeldung herausgestellt. Auch weitere „Angriffe“ auf Schiffe (z.B. PRIMA), zu denen sich die IRGC bekannt hat, stellen sich als Falschmeldungen heraus. Diese sollen wohl zu Verwirrungen führen und Panik auslösen. Zurzeit wird die Möglichkeit, Schiffe durch militärisches Geleit aus dem Gebiet zu eskortieren, als noch nicht machbar bewertet. Nach Angaben anderer Nationen arbeiten mehrere Länder – teils gemeinsam – an Optionen, eine militärische Eskortierung zu organisieren, sobald die Lage sich stabilisiert hat. Das braucht Zeit und ist nicht innerhalb weniger Tage zu realisieren.
Lage in den Häfen ist angespannt

Es gab Drohnenangriffe am 2. und 4. März auf LNG-Flüssiggasanlagen in Katar, u.a. in Ras Laffan. Die Produktion wurde ausgesetzt, der Betreiber erklärt Höhere Gewalt. Am 2. und 4. März wurde die Ras Tanura-Raffinerie nahe Dammam/Saudi-Arabien getroffen und die Ölförderung gestoppt. Zwischen dem 7. und 10. März erfolgten mehrere Angriffe auf die etwas nördlicher gelegenen Offshore-Energieanlagen vor Al Jubail/Saudi-Arabien, dabei wurde das Öl-Bohrschiff ARABIA III getroffen. Am 09. März gab es einen Angriff auf eine Ölraffinerie in Bahrain – das Feuer ist unter Kontrolle, aber die Öllieferungen sind ausgesetzt. Am 11. März wurden mehrere Betriebsstofftanks im Hafen von Salalah/Oman getroffen und haben ein großes Feuer entfacht.
Im Irak haben alle Ölhäfen nach dem Beschuss von Basra den Betrieb ausgesetzt. Im Oman werden Häfen teilweise nur eingeschränkt betrieben. In Katar sind die Häfen weitgehend in Betrieb. In Kuwait und Saudi-Arabien sollen alle Häfen in Betrieb sein.
Es befinden sich rund 130 Schiffe mit deutschem Bezug im Persischen Golf. Die Passagiere der "Mein Schiff 4" sind fast vollständig von Bord, und die restlichen Passagiere der "Mein Schiff 5" sollen bis Ende der Woche nach Hause fliegen können. Ein Containerschiff mit Bezug zu Deutschland soll am Morgen des 12. März getroffen und deutlich beschädigt worden sein – die Besatzung sei unversehrt.
Weiterhin wird davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend über Raketen und Drohnen verfügt, um vor allem Angriffe im Persischen Golf durchführen zu können. Die Vielzahl der Angriffe in den letzten zwei Tagen bestätigt dies. Zwar ist die reguläre Marine kaum noch vorhanden, aber die Revolutionsgarde scheint noch weiterhin Kleinkampfmittel, Drohnen und Flugkörper in der Fläche verfügbar zu haben. Iranische Angriffe richten sich aktuell auch gegen die maritime Infrastruktur der Anrainerstaaten des Persischen Golfs bis zur omanischen Küste im Arabischen Meer. Bei den Angriffen besteht die Gefahr, dass zivile Schiffe vor Ort unbeabsichtigt beschädigt werden können – sowohl durch Angriffe aus dem Iran, als auch durch Abwehrmaßnahmen der Anrainerstaaten (z.B. herabregnende Trümmerteile mit restlichen Explosivstoffen). Auch von diesen Gefahren muss auf Schiffsrouten und Ankerplätzen/Reeden ausgegangen werden.
Die Huthi-Rebellen im Jemen haben die Wiederaufnahme der Angriffe gegen die Schifffahrt angekündigt, aber noch nicht umgesetzt.
Alle Schiffe und Besatzungen stehen in direkter Gefährdung – sie können die Region nicht verlassen und sind festgesetzt. Der Versuch, zum jetzigen Zeitpunkt die SoH zu passieren, ist als hoch gefährlich anzusehen. Die Marineschiffahrtleitung empfiehlt, keinen Versuch zu unternehmen. Das Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf und die Anschlussregionen wird mit RISK LEVEL - CRITICAL angegeben.
LISTE der beschädigten Schiffe
SKYLIGHT (IMO 9330020): Chemikalientanker (Palau). Treffer am 28. 02. nördlich Khasab (OMN). 4 Besatzungsmitglieder verletzt; Evakuierung erfolgt, gesunken.
• MKD VYOM (IMO 9284386): Rohöltanker (Marshallinseln). Treffer am 01. 03. im Golf von Oman. Das Schiff treibt und ist stark beeinträchtigt; 1 Todesfall bestätigt, Einheit evakuiert. Schwere Schäden am Schiffskörper oberhalb der Wasserlinie sowie Feuer im Maschinenraum.
• HERCULES STAR (IMO 9916135): Produktentanker (Gibraltar). Treffer am 01. 03., 20 Seemeilen nordwestlich von Dubai. Feuer wurde gelöscht.
• STENA IMPERATIVE (IMO 9666077): Öl-/Chemikalientanker (USA). Treffer im Hafen von Muharraq (Bahrain). Feuer gelöscht; Besatzung evakuiert.
• GOLD OAK (9806342): Massengutfrachter (Panama). Seitlicher Treffer am 03. 03. vor Anker in Fudschaira (VAE).
• SAFEEN PRESTIGE (9593517): Containerschiff (Malta). Treffer am 04. 03. Projektil ging durch das Schiff, Feuer ist ausgebrochen. Besatzung hat das Schiff verlassen.
• SONANGOL NAMIBE (9325049): Rohöltanker (Bahamas). Treffer am 04. 03. vor Anker in irakischen Gewässern, Wassereinbruch und Auslaufen von Ballastwasser.
• MUSSAFAH 2 (9522051): Schlepper (VAE). Treffer am 06. 03. auf dem Weg zur Bergung der SAFEEN PRESTIGE, dabei von zwei Flugkörper getroffen. 4 Tote, 3 Verletzte.
• ARABIA III (8771332): Bohrschiff (Liberia). Treffer am 07. 03., Feuer unter Kontrolle, ein Verletzter, Besatzung auf Minimum reduziert.
• MAYUREE NAREE (9323649): Massengutfrachter (Thailand): Treffer am 11. 03., Feuer unter Kontrolle, Minimalbesatzung (4) verbleibt an Bord.
• STAR GWYNETH (9301031): Massengutfrachter (Marschallinseln): Treffer am 11. 03., Löcher im Laderaum und Ballasttank, Schiff krängt.
• ZEFYROS (9515917): Öl- und Chemikalientanker (Malta): Treffer am 11. 03. während ship-to-ship-Transfer (STS) mit SAFESA VISHNU, Feuer, ein Toter.
• SAFESA VISHNU (9327009): Rohöltanker (Marschallinseln): Treffer am 11.03. während STS mit ZEFYROS, Feuer.
• SOURCE BLESSING (9243198): Containerschiff (Liberia): Treffer am 12. 03., Feuer gelöscht (Deutscher Bezug).
