Geborgene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, Foto: BMUKN/Peter-Paul Weiler

Geborgene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, Foto: BMUKN/Peter-Paul Weiler

Altmunition im Meer: Es tut sich was

Bundesumweltministerium erteilt Auftrag zur Entwicklung einer mobilen Entsorgungsplattform für Munition im Meer

Das Bundesumweltministerium hat den Auftrag zur Entwicklung einer weltweit bislang einzigartigen schwimmenden Entsorgungsanlage vergeben. Sie soll nach den Weltkriegen in Nord- und Ostsee versenkte Munition bergen und direkt auf See unschädlich machen.

Laut Bundesumweltminister Carsten Schneider sei die Vergabe in wichtiger Schritt, „unsere Meere systematisch von alter Munition zu befreien“. Den Zuschlag erhielt die Bietergemeinschaft DSTAR. Ihr gehören Dynasafe Demil Systems AB aus Schweden, der Kampfmittelräumer SeaTerra GmbH aus Brandenburg und die Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft SE aus Lemwerder in Niedersachsen an. Nun folgen Entwicklung, Konstruktion und Bau der Plattform. Erkenntnisse aus Erkundungs- und Bergungseinsätzen 2024 und 2025 vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern fließen in das Projekt ein. Nach aktueller Planung soll die Anlage Ende 2028 fertig sein. Die Bergung soll zunächst in einer erweiterten Pilotphase in der Ostsee beginnen, später auch in der Nordsee.

Die Anlage ist ein Kernstück des 2023 gestarteten Sofortprogramms Munitionsaltlasten, für das rund 100 Millionen Euro bereitstehen. Für den Betrieb der Plattform will der Bund in den ersten sechs Jahren jeweils 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Anschließend sollen Bund und Länder die Finanzierung gemeinsam sichern

Munitionsaltlasten an den deutschen Küsten, Grafik: BMUKN
Munitionsaltlasten
an den deutschen Küsten, Grafik: BMUKN

Das Munitionsproblem in der Ostsee reicht bis vor den Ersten Weltkrieg zurück, nahm seine heutige Dimension aber vor allem nach 1945 an. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen die Alliierten große Mengen deutscher Beutemunition im Meer versenken. Ungenaue Verklappungen durch Fischer und Reedereien verteilten Bomben, Granaten, Minen und chemische Kampfstoffe weit über die vorgesehenen Gebiete hinaus. Auch die DDR-Volksmarine entsorgte bis Mitte der 1960er Jahre heimlich Kampfstoffgranaten. In deutschen Ostseegewässern allein lagern heute schätzungsweise 300.000 Tonnen Munition. Zusammen mit der Nordsee und weiteren Ostsee-Gebieten werden insgesamt 1,6 Millionen Tonnen geschätzt. Jahrzehntelang wurde die Gefahr kaum beachtet; inzwischen setzen korrodierende Hüllen zunehmend Schadstoffe frei. Sie gefährden Meerestiere und können in die Nahrungskette gelangen. Durch Phosphor-haltige Munition wurden auch Reste der Chemikalie an den Stränden gefunden. Es gab bereits Verletzte.

Diese seit Jahrzehnten tickende ökologische Zeitbombe führte in den letzten Jahren auch wiederholt zu einem Interessenkonflikt zwischen den Einsätzen von Minentauchern der Deutschen Marine sowie zivilen Kampfmittelräumern und dem Schutz der stark gefährdeten Schweinswale.

 

Quelle: PM BMUKN / hsc

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