Foto: Start eines Arrow-3-Flugkörpers. Boeing/IAI

Foto: Start eines Arrow-3-Flugkörpers. Boeing/IAI

Arrow 3 Weapon System für Deutschland – ein strategischer Blick nach oben

Dieser Beitrag behandelt eigentlich ein Luftwaffenthema, aber es ist sicherheitspolitisch derart national- und bündnisrelevant, dass es auch hier auf dieser eher maritimen Plattform einen Platz haben soll: Die Raketenabwehr mit dem Arrow Weapon System for Germany (AWS-G).

Anfang Dezember 2025 erklärte der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, auf dem Luftwaffenstützpunkt Schönewalde/Holzdorf das Erreichen der Erstbefähigung des Raketenabwehrsystems Arrow 3. Er tat dies in der Annaburger Heide, 50 km südlich Berlin, auf halbem Weg zwischen Leipzig und der Hauptstadt, nahe dem Dreiländereck Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. 

Übergabe des ersten Arrow-3-Systems an die Bundeswehr. Foto: Bw/F.Hildemann
Übergabe des ersten Arrow-3-Systems an die Bundeswehr. Foto: Bw/F.Hildemann

Damit gilt das erste von drei Abwehrsystemen der Bundeswehr als direkte strategische Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch russische ballistische Mittel- und Langstreckenraketen in Betrieb genommen. Zwei weitere strategisch in Deutschland verteilte Systeme, bestehend aus den mobilen Komponenten Radareinheit, Startrampe und Kontrollzentrum, sollen in Schleswig-Holstein (Jagel/Hohn) und – wie gerade politisch bestätigt wurde – im bayrischen Lagerlechfeld und Kaufbeuren (Radar) stationiert werden. Damit soll der Luftraum über ganz Deutschland und Nachbarländern wie Polen, Dänemark, Österreich oder der Tschechischen Republik abgesichert werden. Die drei Systeme wurden bereits im September 2023 geordert, die Kosten belaufen sich auf eine Summe von über 3 Milliarden Euro.

Das ursprünglich von Israel Aerospace Industries (IAI) gemeinsam mit Boeing für den Schutz Israels entwickelte Raketenabwehrsystem Arrow ist in der Lage, hochfliegende, ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre abzufangen. „Arrow“ bietet einen 24-Stunden-Schutz gegen ballistische Waffensysteme großer Reichweite wie der „Oreschnik“ (NATO-Code: SS-X-34), einer mobilen, nuklear bestückbaren Hyperschall-Mittelstreckenrakete aus russischer Raketenproduktion. Ihre Reichweite wird auf 3 000 bis 5 500 Kilometer geschätzt, wodurch sie ganz Europa bedrohen kann. Die Waffe erreicht Geschwindigkeiten von mehr als 12 000 km/h und soll sich wegen ihrer Mehrfachsprengköpfe nur schwer abwehren lassen. Sie wird im Bereich zwischen ballistischen Mittelstreckenraketen und Interkontinentalraketen eingeordnet. Dieser strategischen Bedrohung stand nicht nur die Bundesrepublik Deutschland bisher schutzlos gegenüber.

Systemschaubild AWS-G. Grafik: Bw/C3
Systemschaubild AWS-G. Grafik: Bw/C3

AWS-G ergänzt vorhandene Abwehrsysteme wie Patriot und IRIS-T SLM (Hersteller Diehl) und ist darauf optimiert, anfliegende ballistische Raketen in einer Höhe von über 100 Kilometern abzufangen (exo-atmosphärische Bekämpfung). Für Deutschland als zentrale logistische Drehscheibe in Europa und die verbündeten Staaten der Nato wird damit eine Fähigkeitslücke in der europäischen Luftverteidigung geschlossen. Das System soll in den NATO-Schutzschirm über Europa integriert werden. Es könne auch Teil der sogenannten European Sky Shield Initiative (ESSI) werden, die in den kommenden Jahren die Luftverteidigung von inzwischen 18 europäischen Partnerländen modernisieren und vereinheitlichen soll.

Mit „Arrow“ gewinnt die Luftwaffe eine völlg neue Fähigkeit von strategischer Bedeutung, über die bisher nur wenige Nationen verfügen, und erweitert ihre Luftverteidigungsarchitektur fundamental. Sie übernimmt mit dem Betrieb des AWS-G eine Dauereinsatzaufgabe der Territorialen Flugkörperabwehr – strategisch verteilt über das eigene Territorium – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. „Arrow“ dient ausschließlich dem Schutz menschlichen Lebens.

Quellen: Bundeswehr, ARD, BR

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