Dampfschiff Albatros – ein Mahnmal und seine Geschichte

Dampfschiff Albatros – ein Mahnmal und seine Geschichte

Im Lauf ihres langen Lebens hatte sie viele Funktionen: Ausflugsdampfer und Viehtransporter, Marinetender und Flüchtlingsschiff – die Albatros. Heute eine der wenigen Attraktionen des in die Jahre gekommenen Ostseebads Damp, war sie 1912 von der Meyer Werft in Papenburg für die „Vereinigte Flensburg-Ekensunder & Sonderburger Dampfschiffs-Gesellschaft“ vom Stapel gelaufen und noch bis 1969 als Passagierdampfer in der Flensburger Förde unterwegs. Nach Ausmusterung und Überführung nach Damp musste eine neue Aufgabe für die alte Dame gefunden werden. Es gab Pläne, sie als Diskothek herzurichten, eine würdige Umwidmung erfolgte jedoch erst 1980 durch den Deutschen Marinebund und seinen damaligen Präsidenten Friedrich Rohlfing (1910-1992).
Durch die Gründung des Kuratoriums „Erinnerungsstätte Albatros“ und Herrichtung des Veteranen als Museum und Mahnmal sorgte er dafür, dass die Rolle des Dampfers im Rahmen der Operation „Rettung über See“ und das Schicksal der Bewohner der ehemaligen deutschen Ostgebiete 1945 nicht in Vergessenheit gerieten. Die Nutzung als Flüchtlingsschiff war wie gesagt nicht die erste Kriegsverwendung der Albatros. Im Ersten Weltkrieg diente sie zunächst in der Vorposten-Halbflottille und Hafenschutz-Flottille / 3. Halbflottille Kiel, ab 1916 als Tender in der Danziger Bucht. Im Zweiten Weltkrieg war sie als Verkehrsdampfer zwischen Gotenhafen und dem Torpedobootwaffenplatz Hexengrund unterwegs. Anfang 1945 kam sie schließlich als Flüchtlingstransporter zum Einsatz. Dabei gelang es dem Kommandanten, 500 weibliche Marineangehörige von Pillau nach Stralsund zu bringen und in den letzten Kriegstagen mit 200 Flüchtlingen an Bord unversehrt Kiel zu erreichen.
Das Museum des Marinebundes auf der Albatros dokumentierte die damaligen Ereignisse anhand von Exponaten und Zeitzeugeninterviews, musste aber wegen geringer Besucherzahlen und zu hoher Unterhaltungskosten 2000 seine Tore schließen. Es gab Pläne des Fördervereins des Flensburger Schifffahrtsmuseums, den betagten Fördedampfer nach Flensburg zu überführen, doch kamen diese nicht zur Ausführung. Heute, nach einer zwischenzeitlichen Nutzung als geologisches Naturkundemuseum, fungiert die Albatros als Aussichtsplattform der DLRG und Bühne für ein Live Escape Game von Key Zone.
Der Zahn der Zeit nagt sichtlich an ihr. Vielleicht gibt es doch einmal eine Gelegenheit, an frühere Nutzungen anzuknüpfen und das historische Schiff wieder für museale Zwecke herzurichten. Es feiert 2022 seinen 110. Geburtstag, ein guter Anlass, noch einmal über seine Zukunft nachzudenken.

Text & Foto: Andreas von Klewitz

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