Die unbemannte Überwasserdrohne Seagull. Foto: Elbit

Die unbemannte Überwasserdrohne Seagull. Foto: Elbit

Elbit entwickelt USV Seagull weiter

Die unbemannte Überwasserdrohne (USV) Seagull soll in Zukunft deutlich erweiterte Fähigkeiten erhalten. Dies kündigte Elbit Systems auf einer Pressereise mit deutschen Journalisten in Israel an.

Zwei Seagull können im Team zusammen operieren, z.B. bei der Minenräumung.
Foto: Elbit

Die Seagull ist ein zwölf Meter langes, hochmobiles und luftverladbares System, das entweder eigenständig oder von einem Mutterschiff eingesetzt werden kann. Sie erreicht den Einsatzort vollautonom und verhält sich dabei wie ein herkömmliches Wasserfahrzeug. Ausgestattet mit zwei Dieselmotoren, kann das USV mehr als vier Tage Überwachungs- und Aufklärungsaufgaben durchführen. Darüber hinaus ist der Einsatz verschiedener Wirkmittel möglich, darunter eine ferngesteuerte Waffenstation, ein Torpedo-Startsystem, Mittel zur Taucherbekämpfung sowie nicht-letale Waffen.

Die Seagull kann mit unterschiedlichen Sonarsystemen – etwa Hüllen-, Schlepp- oder Tauchsonar – ausgerüstet werden, um fremde Objekte unter Wasser aufzuspüren. Die anschließende Räumung dieser Objekte kann durch ein zweites System mittels Detonator erfolgen. Für die Kommunikation steht ein Datenlink mit einer Reichweite von bis zu 20 Seemeilen zur Verfügung; auf größeren Distanzen erfolgt die Übertragung via Satcom. Zwei USVs lassen sich dabei von einem einzigen Missionskontrollsystem steuern. Im Jahr 2022 konnte der vollumfängliche und unbemannte Einsatz des Systems bei einer Übung in der Nordsee unter schwierigen Bedingungen erfolgreich demonstriert werden.

Weiterentwicklung

Die neue Version, die Seagull MK3, soll künftig 20 Meter lang sein und eine Verdrängung von bis zu 35 Tonnen aufweisen. Für Treibstoff und Nutzlast sind bis zu 25 Tonnen vorgesehen; an Deck findet ein standardisierter Iso 20 Fuß-Container Platz. Die operationelle Ausdauer wird sich auf etwa sieben bis zehn Tage erhöhen, und das System kann bis zu Seegang Stärke fünf (Seastate 5 – Wellenhöhe 2,5 bis 4 Meter, entsprechend Windstärken von Beaufort 5 bis 6 „Frische Brise“ bis „Starker Wind“) eingesetzt werden.

Unbemannte Systeme

Der Leitsatz „Every unit a drone carrier“ spiegelt die zukünftige Ausrichtung der Deutschen Marine wider. Ein zentrales Ziel ist es, die unbemannten Fähigkeiten systematisch und konsequent auszubauen. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen Projekte wie die Future Combat Surface Systems (FCSS), Large Remote Multi-purpose Vessels (LRMV), Large Uncrewed Underwater Vehicles (LUUV) sowie VTOL-UAVs (Vertical Take-Off and Landing Unmanned Aerial Vehicles). Durch den Einsatz solch unbemannter Systeme sollen die Wirkungsmöglichkeiten der Marine signifikant gesteigert werden – eine Erkenntnis, die insbesondere aus den Lehren des Ukrainekriegs gezogen wurde. In den kommenden Jahren ist davon auszugehen, dass die Marine nicht in erster Linie durch die Beschaffung neuer bemannter Kampfschiffe wachsen wird. Vielmehr liegt der Fokus auf der Integration flexibler und zum Teil autonom agierender unbemannter Systeme in den Flottenverbund. Die Marine hat zu diesem Zweck bereits mehrere sogenannte OPEX durchgeführt – sowohl mit Überwasser- als auch mit Unterwasserdrohnen. Auch in diesem Jahr sind derartige Erprobungen vorgesehen.

In einem Video-Interview erläutert die Projektleiterin von Elbit Systems die Weiterentwicklung des Systems. Sie verfügt über zwei Jahrzehnte Erfahrung als Offizier in der israelischen Marine. Wir bitten um Verständnis, dass aus Sicherheitsgründen ihr Name nicht genannt und auch ihr Gesicht nicht gezeigt werden darf.

Reportage von Burghard Lindhorst

 

Hintergrund Elbit

Elbit Systems Ltd. hat mehr als 22.000 Mitarbeiter in Dutzenden von Ländern auf fünf Kontinenten, davon sind rund 7.000 Ingenieure. Die Firma ist ein wichtiger Akteur in der globalen Verteidigungsindustrie.

Elbit Systems Deutschland ist von vier Standorten aus tätig. Schwerpunkte sind Funkkommunikation, Sensorik, Führungssysteme, Elektronische Kampfführung, Unbemannte Systeme und Cyber-Sicherheit, einschließlich des HF-Kompetenzzentrums für die weltweiten Aktivitäten des Konzerns.

Anzeigen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.

de_DEGerman