Fregatte Bayern Foto: fgs Bayern

Fregatte Bayern Foto: fgs Bayern

Inspekteur Marine: Regelmäßiger deutsche Präsenz im Indo-Pazifik

Bei einem Vortrag vor internationalem Publikum in Singapur kündigte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, an, dass die Marine auch künftig im Indo-Pazifik präsent sein wird. Schon ab 2023 will er einen regelmäßigen Einsatz dort ermöglichen. Er denkt noch weiter und verwies auf die Fregatten der Klasse F 125, die Einsätze bis zu zwei Jahren erlauben. Mit Partnern in der Region und in Singapur sei man in Gesprächen über die Einrichtung eines temporären logistischen Zentrums (‚logistic support hub‘) im Gespräch, mit dessen Hilfe die logistische Betreuung vereinfacht werden würde.

Ginge es nach Vizeadmiral Schönbach, so könne die künftige Entsendung deutscher Marineeinheiten als nationales Unternehmen oder in einem internationalen Format gemeinsam mit europäischen und transatlantischen Partnermarinen erfolgen. Allerdings plädiere er gegenüber der politischen Leitung für eine nationale Vorgehensweise. Sie verbessere Akzeptanz und Respekt in der Region. Eine Einschätzung, die sich später (Frage-Antwort-Runde) bestätigte.

Fregatte "Bayern": Sicherheitspolitischer Eisbrecher

Den Einsatz der Fregatte „Bayern“, die Weihnachten und den Jahreswechsel in Singapur verbringen wird, resümierte er positiv. Sie ist der „sprichwörtliche sicherheitspolitische Eisbrecher“ der Bundesregierung, die die Indo-Pazifik-Leitlinien 2020 auf den Weg brachte. „Der Einsatz der Fregatte „Bayern“ soll den Sicherheitsaspekt unseres Engagements im Indopazifik untermauern.“ Dabei musste nach fast 20 Jahren Abwesenheit vieles „von Grund auf“ neu gelernt werden, „nicht nur in Bezug auf Geografie und Hydrographie, sondern vor allem, was die Länder, ihre Menschen und ihre unterschiedlichen Perspektiven betrifft.“, so der deutsche Marinechef.

Die Situation vor Ort zeige sich komplexer als es in Deutschland wahrgenommen wird. Er führte die große Besorgnis über den militärischen Aufstieg Chinas an, dessen Militärhaushalt sich in den letzten 20 Jahren mehr als verzehnfacht hat. Die Volksrepublik erweitert ihre militärischen und maritimen Kapazitäten kontinuierlich. Nach einer Einschätzung der USA wird die chinesische Flotte von derzeit 355 Einheiten bis 2030 auf 460 Einheiten anwachsen.

Deutschland als Partner auf Augenhöhe mit Augenmaß

Der Inspekteur der Marine zeigte sich im Nachhinein davon überzeugt, die „Bayern“ als Einzelfahrer auf die Reise zu schicken. Dies gab die Möglichkeit, den Dialog mit den Partnern zum gegenseitigen Nutzen zu intensivieren. Was auch zum politischen Erfolg der bisherigen Reise beitrug. Denn so konnte sich Deutschland als das präsentieren, was es ist: eine europäische Mittelmacht, die ohne versteckte Agenda daherkomme. Denn die Länder des indopazifischen Raums seien gefragt, wenn es darum geht, eine gemeinsame Basis für eine stabile und friedliche regionale Ordnung zu finden. Deutschland böte seine Unterstützung an, wenn es darum geht, Lösungen zu finden. Jedoch sei es nicht deutsche Absicht, um eine eigene Sichtweise auf die Region durchzusetzen.

In der Fragen- und Antwort-Runde, die einer der Teilnehmer als die beste seit Ewigkeiten (‚best in ages‘) bewertete, wurde die Besorgnis der Anrainerstaaten vor einer Eskalation artikuliert. Bei erhöhter Präsenz anderer besteht das Risiko zu Zwischenfällen, die in einer ohnehin volatilen Region leicht zu unerwünschten Entwicklungen führen könnten. Einer der anwesenden politischen Vertreter komplimentierte Deutschland für das Vorgehen mit Augenmaß, das mit der Reise der "Bayern" unter Beweis gestellt wurde. Frau Ambassador-at-Large Chan Heng Chee,  derzeit Beraterin in Singapurs Außenministerium, bekräftigte, dass mit dem jetzigen Vorgehen Deutschland unter Beweis gestellt hätte, das Goldie Locks-Prinzip einzuhalten. Aus den Reaktionen des Auditoriums entstand dem online zugeschalteten Beobachter der Eindruck: "Wir trauen Euch, Ihr habt Fingerspitzengefühl, wir wollen und brauchen Euch deswegen in der Region - aber bitte lasst die anderen zu Hause und kommt allein!"

Empfehlung für eine Passage der Taiwanstraße

Auf die Frage nach der Durchfahrt der Taiwanstraße verwies der deutsche Marinechef darauf, dass es sich um einen freien Seeweg handele. Dennoch bleibe die Passage immer eine politische Entscheidung, für die er für ein nächstes Mal eine Empfehlung aussprechen würde. Diesmal sei das ausgeblieben, weil der zweite Schritt nicht vor dem ersten erfolgen sollte.

'Goldi Locks'-Prinzip

Das Goldi Locks-Prinzip beschreibt den Vorteil sich eher innerhalb bestimmter Grenzen zu bewegen anstatt Extreme zu erreichen. Das Prinzip geht auf die Kindergeschichte "Die drei Bären" zurück, in der ein kleines Mädchen namens Goldi Locks (Goldlöckchen) ein Haus von drei Bären findet. Jeder Bär hat seine eigene Vorlieben. Gerade beim Futter, ihrem Lieblingsbrei - der eine mag ihn heiß, der andere kalt. So stellt Goldi Locks fest, was ihr selbst entspricht - beim Dritten ist die Temperatur richtig. Das Prinzip wird insbesondere in der Entwicklungspsychologie, der Biologie, den Wirtschaftswissenschaften und den Ingenieurwissenschaften angewendet. In der Politik beschreibt es eine Vorgehensweise, in wichtigen Angelegenheiten den richtigen weg zu finden.

Vizeadmiral Schönbach trat am 21. Dezember 2021 bei der Fullerton-Lecture des IISS (International Institute for Strategic Studies) auf. Die Reihe umfasst sechs Vorträge pro Jahr, bei denen bedeutende Persönlichkeiten aus dem Raum Asien-Pazifik und von internationalen Organisation in Singapur zu Wort kommen.

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