Attrappe: In der Seitenansicht kann die SHAHID BAGHERI ihre frühere Verwendung als Containerschiff kaum verstecken, Foto: iranische Staatsmedien

Attrappe: In der Seitenansicht kann die SHAHID BAGHERI ihre frühere Verwendung als Containerschiff kaum verstecken, Foto: iranische Staatsmedien

Iranische Marine – Update zur Straße von Hormus

Der Angriff auf den Iran hat einige maritime Aspekte, um die sich das Team des marineforum bemüht. Und nur darum, denn wir sind lediglich Experten für Schifffahrt, Marine und maritime Sicherheit. Also: Was kann die iranische Marine?

Oder besser: was konnte die iranische Marine? Nach amerikanischen Angaben wurden acht Einheiten in den Stützpunkten versenkt. Das sagt erstmal wenig. Insgesamnt zählen wir an die hundert Überwassr-Einheiten, aber können diese Einheiten auslaufen und gegen die US-Marine etwas ausrichten? Eher nicht. Das wäre wie Tontaubenschießen, so zitiert ein Fachmann auf "X". Schauen Sie hier, wovon wir schreiben: ungewöhnliche Einheiten, Attrappen, kleine Einheiten, diverse Flotte, aber keine warships. Als hätten wir’s geahnt, lesen Sie über die iranische Marine von Marine-Autor und Kriegsschiff-Experte Stefan Ulsamer hier:  https://marineforum.online/iran-drohnentraeger-schein-sein-propaganda/. Ein Artikel, den wir vor wenigen Tagen veröffentlichet haben. Ohnehin sind nur die 20 Unterwasser-Drohnen bzw. die Mini‑U‑Boote der Ghadir‑Klasse im Persischen Golf und die Spezialeinheiten der Revolutionsgarden als unberechenbar einzustufen.

Was ist heute los in der Straße von Hormuz?

Ein Blick auf maritime traffic genügt: Nichts! Die Schiffe – insbesondere Tanker - sammeln sich westlich vor Dubai und östlich im Golf von Oman. In der Meerenge selbst, iranische „proxy-Einheiten“ und ein paar versprengte Fischerboote. Wer mit Öl nicht auslaufen kann, weil die Passage durch die Straße von Hormuz zu gefährlich ist, muss warten. Das stockt die Versorgung der großen Ölhäfen der Welt. Nicht heute, sondern vielleicht nächste Woche. Diese Schiffe sind nicht der Grund, warum Diesel an den Tankstellen heute teurer wurde. Und die leeren Tanker auf der östlichen Seite der Straße von Hormuz wollen das Rohöl abholen – und müssen warten. Das wird ein Problem, denn die Übernahme-Plätze sind nicht so reichlich, dass alle schnell bedient werden können. Das Warten wird lange dauern, das wird allemal ein Grund für vorübergehend steigende Preise. Aber: die OPEC hat eine Erhöhung der Fördermenge anderenorts angekündigt. Mittelfristig werden wir – wir wiederholen uns – keine Ölkrise erleben.

Sperrung? Durch wen?

Strait of Hormuz am 03. März 2026 00.00 Uhr

Die iranischen Offiziellen haben die Sperrung der Straße von Hormuz proklamiert, aber können diese mit eigenen Marineeinheiten gar nicht durchsetzen. Zwar ist ein Tanker von einer Kamikaze – Shahed Drohne getroffen worden, aber das ist bisher der einzige Angriff auf ein Handelsschiff, welches zudem ein sanktioniertes pro-iranisches Schiff ist. Die Besatzung des unter Palau – Flagge fahrenden Öltankers „Skylight“ konnte rechtzeitig evakuiert werden. Der eigentliche Grund, warum kein Schiff mehr fährt, sind die Versicherungen. Hier geht es um abzusichernde Risiken und viel Geld.  Weniger die iranische Marine, sondern Profit mit Prämien legt den Seeweg lahm.

Woher kommt unser Öl? Das Gas ist ein Problem.

Die Alternativen zur Strait of Hormus, über die wenigstens 33% des weltweiten Liquid Natural Gas (LNG) und mindestens 20% bis 40% des Rohöl transportiert werden, sind gering. Das sind 20 Millionen Barrel pro Tag, eine Alternative wären noch zu errichtende Pipelines. Aber ist das machbar, wenn die Hauptabnehmer China und Indien sind? Unser europäisches Problem ist nicht das Öl, welches über die Straße von Hormuz geht, denn Deutschland bezieht nach dem Bann russischen Öls seine Energie aus Norwegen, Kasachstan (Druschba Pipeline) und die USA. Nur wenig kommt über Rotterdam aus Saudi-Arabien und Nigeria. Problematischer als die Ölversorgung wird die Gasversorgung! Der Ausfall russischen Gases hat den Ersatz dringend gemacht: leider sind unsere Speicher mit aktuell 21% niedrig befüllt, wie selbst die Bundesnetzagentur zugibt. Weil die Betreiber im Herbst keine hohen Preise zahlen wollten, werden sie jetzt jeden Preis zahlen müssen. Mal wieder die alte lehrreiche Weisheit: industrielle Energie und warme Behausungen sind von freien Seewegen abhängig.  

Fazit:

Die Redaktion marineforum ist personell und fachlich nicht so aufgestellt, dass wir alle Nutzer hochaktuell mit den letzten News über Raketen-Einschläge versorgen können. Wollen wir auch nicht, denn das macht zur Meinungsbildung keinen Sinn. Nächsten Monat interessiert es – sorry - nämlich niemanden mehr, ob ein Influencer in Dubai kreischend am Mikrofon oder Hotelgäste in der Tiefgarage saßen. Und über Kreuzfahrt-Verantwortliche, die das Dramatische hätten vorhersehen können, schweigen wir besser. Mag es für die Betroffenen noch so bedauerlich sein, die Lehren die zu ziehen sind, sind sicherheitspolitischer Natur. Seewege sind für jeden von uns in Deutschland relevant, Energieversorgung geht nicht ohne Sicherheit der Meere. Nicht falsch verstehen: auch wir wünschen uns einen friedlichen Ausgang und Freiheit für das iranische Volk, aber unser Fokus ist die See. Und es gäbe noch mehr, über das zu berichten wäre: Auswirkungen auf den Schiffsverkehr im Roten Meer und im Mittelmeer, wohlmögliche Aufstockung der EU-Operation Aspides und welche Rolle die NATO noch spielen könnte. Wir spekulieren nicht, abwarten bitte.

Text: hsc / ajs

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