Straße von Hormus: Irans No-Go-Zone und die Minengefahr
Wie wir am Wochenende erfahren mussten, soll der Iran Minen in der Strasse von Hormuz gelegt haben. Mutmaßlich. dafür gibt es keine Beweise und die Wahrscheinlichkeit ist auch gering. Mit dieser Behauptung kann man aber sehr viel Unsicherheit auslösen und Unruhe stiften. Das ist der Sinn und Zweck. Hat der Iran etwas davon, eigene Gewässer zu verminen? Nein.

Am Morgen des 9. April 2026 veröffentlichten die Revolutionsgarden eine Navigationskarte, das die international etablierten Schifffahrtswege des Traffic Separation Scheme (TSS) offiziell zur „Danger Zone“ deklariert. Damit ist ein Zustand erreicht, bei dem ein Transit zunehmend von iranischer Genehmigung, Vorabprüfung, Gebührenforderungen abhängt. Statt internationalem Seerecht freier Passage gilt die Drohung militärischer Gewalt gegen nicht autorisierte Schiffe. Dabei reicht es dem Teheraner Regime aus, den Verkehr selektiv zu kontrollieren, Unsicherheit zu erzeugen und das Risiko für Reeder, Charterer und Versicherer so weit zu erhöhen, dass wirtschaftlicher Zwang dieselbe Wirkung entfaltet wie eine physische Blockade.
Asymmetrische Kriegführung und Verkehrskontrolle
Ein Mittel, Unsicherheit zu erzeugen ist die Drohkulisse einer Minengefahr. Nach Fachquellen und Risikoanalysen verfügt Iran seit Jahren über einen Bestand von etwa 5.000 bis 6.000 Seeminen unterschiedlicher Typen. Entscheidend ist jedoch nicht die Gesamtzahl im Depot, sondern die Menge, die im bezeichneten Seegebiet ausgebracht wurden und/oder verbracht werden können.
Hierzu bleibt das öffentliche Lagebild unscharf: Im März 2026 reichten die Berichte von weniger als zehn über rund ein Dutzend bis hin zu einigen Dutzend bereits verlegten oder vorbereiteten Minen. Eine offen bestätigte, belastbare Gesamtzahl liegt bisher nicht vor. Militärisch ist diese Unschärfe kein Mangel, sondern Teil der Wirkung. In einem Nadelöhr wie Hormus genügen bereits wenige glaubhaft platzierte Minen, um den Verkehr zu verlangsamen, Umleitungen zu erzwingen, die Kriegsrisikoprämien steigen zu lassen und Minenabwehrkräfte zu binden.
Iranische Minen
Beim Typenspektrum ist von einem gemischten Arsenal aus einfachen und komplexeren Systemen auszugehen. Genannt werden klassische Ankertauminen und Kontaktminen. Dazu Grundminen mit magnetischen und akustischen Sensoren. Diese Minen haben einen sogenannten "shipcount", der die Mine erst nach einer bestimmten Anzahl von Passagen detonieren lässt. Außerdem listet er EM-52 und EM-56 auf, Grundminen, die über einen Antrieb verfügen. Der militärische Wert dieses Arsenals liegt nicht in technischer Vielfalt, sondern in der Kombination seiner Wirkprinzipien: Einfache Minen schaffen rasch ein Risiko auf der Fläche – komplexere Systeme verlängern Räumzeiten und erhöhen die Unsicherheit.
Neben dem vorhandenen Arsenal ist die Verbringungsfähigkeit ein wichtiges Kriterium. Sutton wie Arab News verweisen darauf, dass kleine Boote des IRGC pro Ausfahrt zwei bis drei Minen transportieren können. Wegen der Nähe zur eigenen Küste und der Vielzahl kleiner Plattformen kann der Iran damit ein glaubwürdiges Minenrisiko erzeugen. In iranischen Propagandavideos wird die Verbringung von Minen aus Hubschraubern demonstriert. Den Kleinst-U-Booten vom Typ Ghadir wird die Fähigkeit zum Aussetzen von Minen zugeschrieben. Letztendlich ist das Verbringen auch von zivilen Fahrzeugen möglich – wie Dhows, oder Fischerbooten.
Zur Bedrohung

Die eigentliche Bedrohung erwächst deshalb aus zwei Faktoren: Aus vorhandenen Möglichkeiten – und aus dem politischen Willen zu ihrem Einsatz.
Der politische Wille zeigt sich in der aktuellen Transitkontrolle, in der Forderung nach Gebühren und Freigaben sowie in der Bereitschaft, die Handelsschifffahrt offen als Druckmittel zu instrumentalisieren.
Für die maritime Lagebewertung ist nicht allein entscheidend, ob bereits ein großes Minenfeld nachgewiesen wurde. Allein die Teheraner Ansage genügt, das Risiko auszuweiten. Im Zusammenhang mit dem Kontrollregime werden Seeminen zum zentralen Instrument eines „maritimen Zwangs“.
Die Marineschifffahrtleitung, eine Dienststelle der Deutschen Marine, hält nicht nur wegen der Minengefahr in ihrem Lagebericht vom 09. April fest: „Der Versuch, zum jetzigen Zeitpunkt die SoH zu passieren, ist als hoch gefährlich anzusehen. Eine Empfehlung, dieses nicht zu versuchen, wird weiterhin durch die MSchLtg an die deutschen Reeder herausgegeben.“
Text: hum / hsc

Eine Antwort
– Die EM-52 liegen am Grund, und wenn sie ausgelöst werden, schießen sie senkrecht zur Oberfläche.
– Die EM-56 verfügen über einen Antrieb, der es ihnen ermöglicht, in vermeintlich geräumten Gebieten zu fahren und ihre Position ständig zu ändern.
Auch wenn ich mich hier wiederhole: Neue Bedrohungen warten nicht!
Bei der Modernisierung unserer Minenabwehrfähigkeiten ist Eile geboten, denn die Bedrohung wandelt sich rasant. Wir müssen uns von dem einfachen Bild verabschieden, dass die Technik der Zukunft das Alte vollständig verdrängt. Vielmehr werden wir es künftig mit einer gefährlichen Mischung zu tun haben: Die klassischen Seeminen wie Ankertauminen oder Grundminen bleiben als günstige Sperrwaffen präsent. Diese werden aber zunehmend durch autonome Minen ergänzt. Diese neuen intelligenten Systeme treiben oder patrouillieren selbstständig in zugewiesenen Gebieten oder legen sich kaum entdeckbar auf die Lauer. Der Krieg in der Ukraine hat mit Systemen wie der MAGURA-Serie oder dem Sea Baby gezeigt, wie effektiv Überwasserdrohnen sind. Doch auch unter Wasser werden Drohnen künftig autonom jagen.
Die EM-52 und EM-56 sind nur der Anfang einer Entwicklung, die sich, wie im Drohnenkrieg in der Ukraine, unaufhaltsam fortsetzen wird. Es wird Zeit, schnell voranzugehen, bevor wir gänzlich von der Entwicklung abgehängt werden und, wie in anderen Bereichen bereits geschehen, zurückbleiben! -10 Zeilen