Warnung der Marineschifffahrtleitung
Die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges und der Wiedereröffnung der Straße von Hormus sind ins Stocken gekommen. Am 19.05.2026 meldeten mehrere Medien, dass der US-Amerikanische Präsident auf Grund von ernsthaften Verhandlungen die für den Tag geplanten Angriffe abgesagt hat. Der IRGC droht wiederum am 20.05.2026 mit weitreichenderen Angriffen, falls die USA erneut den Iran beschießen. Dennoch bleibt die durch die USA einseitig verkündete und durch den Iran nicht bestätigte Waffenruhe bislang aktiv.
Im letzten Berichtszeitraum gab es wieder vereinzelt Drohnenangriffe auf die VAE. Dabei wurde am 17.05.2026 das Atomkraftwerk Barakah getroffen; es kam zu einem Feuer, aber keinem Strahlungsleck. Die Seeblockade iranischer Häfen und Küstengewässer der USA ist weiter aktiv. Am 19.05.2026 haben die amerikanischen Streitkräfte den Tanker SKYWAVE zwischen Indonesien und Sri Lanka beschlagnahmt. Zuvor hatte auch der Iran am 14.05.2026 das „Forschungsschiff“ HUI CHUAN vom Ankerplatz vor Fudschaira geboardet und in iranische Gewässer verbracht. Am 18.05.2026 verlängert das US-Finanzministerium ein drittes Mal die Ausnahme für sanktioniertes russisches Öl, das sich bereits auf Tanker befindet, für 30 Tage. Weiterhin ist auch die am 17.04.2026 geschlossene Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel mehrfach durch gegenseitige Angriffe gebrochen wurden.
Eine Gefahr durch Minen imaginär oder faktisch im Bereich der Straße von Hormus kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Störungen von AIS und GPS sind immer noch vorhanden, jedoch gegenüber März deutlich reduziert. Die Störungen treten unregelmäßig und lokalisiert auf.
Lage
Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 34 Handelsschiffe angegriffen und haben teils schwere Schäden erlitten. Seit der letzten Lage vom 13.05.2026 gab es keinen bestätigten Angriff gegen Handelsschiffe mehr.
Die USA haben mit der SKYWAVE das insgesamt dritte Schiffe, neben MAJESTIC X und TIFANI, im indischen Ozean als Teil der Seeblockade des Irans beschlagnahmt. Zusätzlich wurden bereits vier Schiffe (TOUSKA, HASNA, SEASTAR III und SEVDA) von den USA angeschossen, um die Seeblockade durchzusetzen. Der Iran hat neben der HUI CHUAN auch die JIN LI, EPAMINONDAS und die MSC FRANCESCA weiterhin beschlagnahmt. Wie im letzten Berichtszeitraum sind die Schiffe EUREKA, HONOUR 25 und SWARD weiterhin in der Hand somalischer Piraten. Die Marineschifffahrtleitung (German Navy Shipping Centre) in Hamburg warnt ausdrücklich vor Piratenangriffen. Seit März gab es keine Angriffe auf Häfen oder maritime Infrastruktur.
Deutsche Schiffe
Gemäß Angaben der Marineschifffahrtleitung, die sich auf AIS-Daten und Reedereien als Quelle bezieht, sind derzeit 158 mit deutschem Bezug im Gebiet, davon 46 Schiffe im Persischen Golf. Es wurden bis jetzt 3 Schiffe mit deutschem Bezug angegriffen.
Die aktuelle Lage für die Schifffahrt im Persischen Golf und den angrenzenden Gewässern ist weiterhin von einer massiven Bedrohung geprägt. Die durch die USA einseitig verkündete und vom Iran nicht bestätigte Waffenruhe hält derzeitig. Dennoch scheinen beide Länder Pläne für erneute Angriffe parat zu haben. Die Seeblockade der US-Navy hält weiter aktiv iranische Schiffe davon ab, diese zu durchbrechen. Weiterhin bleibt das operative Risiko durch technische Störungen hoch. Auch wenn die massiven GPS-Manipulationen im gesamten Sektor zurückgegangen sind, bleibt ein Risiko.
Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen, vor allem für Angriffe im Persischen Golf besitzt. Zudem hat die IRGC in der letzten Woche ihre Möglichkeiten und ihren Willen für Angriffe deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Gefahr für Schiffe bleibt bestehen.
Fazit
Die Gefährdungslage für Schiffe und Besatzungen ist weiterhin komplex. Operativ bleibt die Lage durch die verfestigten Blockaden und die Möglichkeit weiterer Angriffe in der Straße von Hormus kritisch. Das Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf und Anschlussregionen ist weiterhin sehr ernst zu nehmen.
Text/Illustration: Marinekommando vom 22.05.2026

