Kanadas neues Joint Support Ship
Grafik des Joint Support Ships

Grafik des Joint Support Ships

Kanadas neues Joint Support Ship

Das Joint Support Ship (JSS) ist eine von drei Schiffsklassen, die gegenwärtig von Kanadas Marine unter der nationalen Schiffbaustrategie beschafft werden. Es handelt sich um eine modifizierte Version der deutschen Berlin-Klasse. Mit den im Bau befindlichen Schiffen werden die bereits außer Dienst gestellten Versorger Protecteur und Preserver ersetzt. Die deutschen Einsatzgruppenversorger wurden in den 1990ern konstruiert, das erste Schiff, die Berlin, lief der Flotte im Jahr 2001 zu. Ein Jahr später folgte die Frankfurt am Main. Mit der Bonn wurde das Trio dann im Jahr 2013 vollendet. Die Royal Canadian Navy (RCN) sieht die Dienstzeit der drei Schiffe als Vorteil. „Wir können aus den vielen Erfahrungen der Deutschen lernen, die sie beim wiederholten Überarbeiten des Designs gemacht haben, und diese bei unserer kanadischen Version einfließen lassen, dem JSS“, sagte der Generaldirektor für die Leistungsfähigkeit zukünftiger Schiffe der RCN, Rear-Admiral Casper Donovan.
Das bewährte Design wurde für den speziellen Anforderungen und Standards der kanadischen Marine angepasst. Gewünscht wurde ein Schiff, mit dem Kanadas Verteidigungspolitik uneingeschränkt handlungsfähig ist. Dazu gehört die weltweite Einsetzbarkeit, sowohl allein als auch in einem nationalen oder internationalen Verband. Der Versorger soll im kompletten Spektrum der militärischen Szenarien zur Verfügung stehen, also auch in Kampfeinsätze mit hoher Intensität und modern ausgestatteten Gegnern. Entsprechend ist eine hohe Überlebensfähigkeit notwendig, aber auch die Möglichkeit zum gemeinsamen Einsatz mit zukünftigen Schiffen und Flugzeugen von RCN und Partnermarinen. Hinzu kommen mögliche spontane Einsätze bei humanitären Katastrophen und diplomatische Missionen.
Die weltweite Einsatzfähigkeit bringt es mit sich, dass auch den klimatischen Anforderungen Rechnung getragen werden musste. Ob in der Hitze des Persischen Golfs oder der Kälte der kanadischen Arktis, überall müssen das Schiff und die an Bord befindlichen Systeme verlässlich zur Verfügung stehen.

Bugsektionen auf der Werft

Weitere Modifikationen waren notwendig, um die heutigen regulatorischen Anforderungen zu erfüllen. Dies trifft beispielsweise im Bereich der Antriebsmaschine zu, deren Emissionen den heutigen Vorschriften genügen. Ein neuer Motor wird daher sparsamer seine Arbeit verrichten als auf den deutschen Schiffen und durch die Verwendung schwefelarmer Treibstoffe sowie die Integration von Scrubbern umweltfreundlicher arbeiten.
Das JSS wird mehrere Hubschrauber aufnehmen können, vorgesehen ist der Einsatz des CH-148 Cyclone. Detail: Aufgrund der Größe dieses multirollenfähigen Helikopters musste der Flaggenstock versetzt werden.
Neben den Anforderungen moderner Technik soll das JSS auch bei der Unterbringung der Besatzung neue Maßstäbe setzen. Waren bei den deutschen Schiffen noch Gemeinschaftsduschen und Toiletten Standard, so setzt die kanadische Marine heute ein geschlechtsneutrales Unterbringungskonzept um. Männer und Frauen erhalten identische Sanitäranlagen und es gibt individuelle Duschen und Toiletten mit abschließbaren Türen.
Neben diesen dem Zeitgeist entsprechenden Modifikationen flossen in das neue Design auch Verbesserungen ein, die die Kanadier aus den Lehren zurückliegender Unfälle gezogen haben. Beim Brandschutz etwa konnten die Erfahrungen mit dem Brand auf der Protecteur einbezogen werden.

Arbeiten am Rumpf 2019

Die knapp 174 Meter langen und 24 Meter breiten Schiffe sind die größten, die jemals in Kanada gebaut wurden. Bestellt sind zwei Einheiten, die die Namen ihrer Vorgänger, Protecteur (JSS 1) und Preserver (JSS 2) tragen werden. Mit der Protecteur befindet sich die erste Einheit im Bau und soll 2023 an die Marine abgeliefert werden. Die Royal Canadian Navy erhält in den kommenden Jahren mit den beiden Joint Support Ships robuste und zuverlässige Schiffe , mit denen sie weltweit Versorgungseinsätze und andere Aufgaben flexibel durchführen kann.

Text: mb; Abbildungen: Seaspan Shipyards

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