3D-Bathymetrieansicht des Marianengrabens. Grafik: GEBCO (General Bathymetric Chart of the Oceans)

3D-Bathymetrieansicht des Marianengrabens. Grafik: GEBCO (General Bathymetric Chart of the Oceans)

Meeresboden – Kartierung wird zum strategischen Faktor

Angesichts zahlreicher Krisen werden einige Staaten zurückhaltender, Daten über die Gewässer vor ihren Küsten offenzulegen. Darauf weist Mathias Jonas, bis August 2026 Generalsekretär der Internationalen Hydrographischen Organisation (IHO) in Monaco, im Gespräch mit dem NDR hin. Die Entwicklung erschwert nach seiner Einschätzung die weltweit erforderliche Kartierung des Meeresbodens.

Die IHO koordiniert als internationale Organisation die Zusammenarbeit bei Seevermessung und Seekarten. Nach aktuellen Angaben sind weltweit weniger als 30 Prozent des Meeresbodens kartiert. Ziel des Projekts Seabed 2030 ist eine vollständige Erfassung der Weltmeere bis 2030. Jonas hält dieses Ziel inzwischen für kaum noch erreichbar.

Besonders deutlich zeigt sich das Problem im Nordpolarmeer, das infolge des Klimawandels für die Schifffahrt an Bedeutung gewinnt. Die Wassertiefen sind dort jedoch nicht flächendeckend bekannt. Nach Angaben von Jonas beteiligen sich Island, Kanada, Norwegen und die USA an der Vermessung, während die Russische Föderation nicht mitwirke. Die entsprechenden Kooperationswege seien derzeit blockiert. Auch die Zusammenarbeit mit China sei mitunter schwierig. Beide Staaten sind Mitglieder der IHO. In Deutschland ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für die Seevermessung zuständig.

Für die militärische Nutzung gewinnt die Kenntnis des Meeresbodens ebenfalls an Bedeutung. Nach Recherchen von WDR und NDR plant Russland im Geheimprojekt „Skythen“ offenbar die Stationierung von Atomraketen am Meeresgrund. Auch Daten über die Gewässer rund um Indien seien laut Jonas nur schwer erhältlich. Angesichts der Sicherheitslage in einzelnen Regionen betrachten Militärs Wassertiefen zunehmend als strategisch relevantes Wissen.

kdk, NDR

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