Der Staat rüstet auf – und investiert so viel wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.
Neue Korvetten, Fregatten, Versorger und Flottendienstboote: 2025 stiegen die staatlichen Bruttoinvestitionen auf 147,5 Milliarden Euro. Das waren 12,3 Prozent oder 16,2 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Es ist der stärkste Zuwachs seit 2000. Nur 1999 fiel der Anstieg noch größer aus – damals allerdings wegen statistischer Sondereffekte nach der Bahnreform und der Ausgründung von Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn.
Der kräftigste Schub kam aus der Rüstung. Die Ausrüstungsinvestitionen des Staates schnellten um 47,7 Prozent nach oben – fast eine Halbierung mehr binnen eines Jahres. Dahinter stehen nach Angaben der Statistiker auch zusätzliche Ausgaben für Waffensysteme und weitere Beschaffungen der Bundeswehr. 2025 entfiel knapp ein Sechstel aller Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland auf die öffentliche Hand: 16,3 Prozent von insgesamt 907,8 Milliarden Euro.
Doch selbst Hunderte Milliarden Euro für Panzer, Kampfjets und Kriegsschiffe könnten nicht reichen.

In Finanzwirtschaft und Bundeswehr wächst die Überzeugung, dass Deutschlands Verteidigung künftig auch privates Kapital braucht. „Wir haben ein Problem mit der dauerhaften Finanzierung der Verteidigung“, sagte Wirtschaftsprofessor Stefan Bayer von der Bundeswehr-Denkfabrik GIDS bei einer Podiumsdiskussion in der Hamburger Handelskammer. Der Veranstaltungsort war mehr als Kulisse. Vor über 360 Jahren finanzierten Hamburger Kaufleute Konvoischiffe aus eigener Tasche, um ihre Waren vor Piraten zu schützen. Heute lautet die Frage wieder: Wer bezahlt Sicherheit – nur der Staat oder auch private Geldgeber? Auch Flottillenadmiral Christian Bock, Leiter des Innovationszentrums der Bundeswehr in Erding, will Berührungsängste abbauen. „Mit Rüstung darf man Geld verdienen“, sagte Bock. Er wolle mit dem „Mythos“ aufräumen, „dass das etwas Böses“ sei. Für die Bundeswehr seien vor allem Kooperationen mit kapitalmarktfinanzierten, hochinnovativen Unternehmen interessant, wenn deren Produkte den Streitkräften konkret nützten.
Text/Quelle: shz, GIDS, dpa

