Explosive Ordnance Disposal (EOD) Divers (Kampfmittelbeseitiger) entschärfen Ankertaumine. Foto: U.S. Navy

Explosive Ordnance Disposal (EOD) Divers (Kampfmittelbeseitiger) entschärfen Ankertaumine. Foto: U.S. Navy

Und immer wieder Minen

Straße von Hormus: Irans No-Go-Zone und die Minengefahr

Wie wir am Wochenende erfahren mussten, soll der Iran Minen in der Strasse von Hormuz gelegt haben. Mutmaßlich. dafür gibt es keine Beweise und die Wahrscheinlichkeit ist auch gering. Mit dieser Behauptung kann man aber sehr viel Unsicherheit auslösen und Unruhe stiften. Das ist der Sinn und Zweck. Hat der Iran etwas davon, eigene Gewässer zu verminen? Nein.

Chief (Avenger), Foto: Michael Nitz
Die USS Chief (MCM 14), einer der wenigen zum Minensuchen geeigenten Einheiten der US Navy.

Am Morgen des 9. April 2026 veröffentlichten die Revolutionsgarden eine Navigationskarte, das die international etablierten Schifffahrtswege des Traffic Separation Scheme (TSS) offiziell zur „Danger Zone“ deklariert. Damit ist ein Zustand erreicht, bei dem ein Transit zunehmend von iranischer Genehmigung, Vorabprüfung, Gebührenforderungen abhängt. Statt internationalem Seerecht freier Passage gilt die Drohung militärischer Gewalt gegen nicht autorisierte Schiffe. Dabei reicht es dem Teheraner Regime aus, den Verkehr selektiv zu kontrollieren, Unsicherheit zu erzeugen und das Risiko für Reeder, Charterer und Versicherer so weit zu erhöhen, dass wirtschaftlicher Zwang dieselbe Wirkung entfaltet wie eine physische Blockade.

Asymmetrische Kriegführung und Verkehrskontrolle

Ein Mittel, Unsicherheit zu erzeugen ist die Drohkulisse einer Minengefahr. Nach Fachquellen und Risikoanalysen verfügt Iran seit Jahren über einen Bestand von etwa 5.000 bis 6.000 Seeminen unterschiedlicher Typen. Entscheidend ist jedoch nicht die Gesamtzahl im Depot, sondern die Menge, die im bezeichneten Seegebiet ausgebracht wurden und/oder verbracht werden können.

Hierzu bleibt das öffentliche Lagebild unscharf: Im März 2026 reichten die Berichte von weniger als zehn über rund ein Dutzend bis hin zu einigen Dutzend bereits verlegten oder vorbereiteten Minen. Eine offen bestätigte, belastbare Gesamtzahl liegt bisher nicht vor. Militärisch ist diese Unschärfe kein Mangel, sondern Teil der Wirkung. In einem Nadelöhr wie Hormus genügen bereits wenige glaubhaft platzierte Minen, um den Verkehr zu verlangsamen, Umleitungen zu erzwingen, die Kriegsrisikoprämien steigen zu lassen und Minenabwehrkräfte zu binden.

Iranische Minen

Beim Typenspektrum ist von einem gemischten Arsenal aus einfachen und komplexeren Systemen auszugehen. Genannt werden klassische Ankertauminen und Kontaktminen. Dazu Grundminen mit magnetischen und akustischen Sensoren. Diese Minen haben einen sogenannten "shipcount", der die Mine erst nach einer bestimmten Anzahl von Passagen detonieren lässt. Außerdem listet er EM-52 und EM-56 auf, Grundminen, die über einen Antrieb verfügen. Der militärische Wert dieses Arsenals liegt nicht in technischer Vielfalt, sondern in der Kombination seiner Wirkprinzipien: einfache Minen schaffen rasch ein Risiko auf der Fläche. Komplexere Systeme verlängern Räumzeiten und erhöhen die Unsicherheit.

Neben dem vorhandenen Arsenal ist die Verbringungsfähigkeit ein wichtiges Kriterium. Sutton wie Arab News verweisen darauf, dass kleine Boote des IRGC pro Ausfahrt zwei bis drei Minen transportieren können. Wegen der Nähe zur eigenen Küste und einer Vielzahl kleiner Plattformen kann der Iran ein glaubwürdiges Minenrisiko erzeugen. In iranischen Propagandavideos wird die Verbringung von Minen aus Hubschraubern demonstriert. Den Kleinst-U-Booten vom Typ Ghadir-U-Boote wird eine Minen-Aussetzfähigkeit zugeschrieben. Letztendlich ist die Verbringung auch von zivilen Fahrzeugen möglich – Dhows oder Fischerbooten.

Zur Bedrohung

Ein Minentaucher untersucht eine "aufgetauchte" Ankertaumine. Im Ernstfall müssen die Taucher nah heran. Foto: Bundeswehr/ Björn Wilke
Ein Minentaucher der Deutschen Marine untersucht eine Ankertaumine in der Ostsee. Foto: Bundeswehr/Björn Wilke

Die eigentliche Bedrohung erwächst deshalb aus zwei Faktoren: aus vorhandenen Möglichkeiten und aus dem politischen Willen zu ihrem Einsatz.

Der politische Wille zeigt sich in der aktuellen Transitkontrolle, in der Forderung nach Gebühren und Freigaben sowie in der Bereitschaft, Handelsschifffahrt offen als Druckmittel zu instrumentalisieren.

Für die maritime Lagebewertung ist nicht allein entscheidend, ob bereits ein großes Minenfeld nachgewiesen wurde. Allein die Teheraner Ansage genügt, das Risiko auszuweiten. Im Zusammenhang mit dem Kontrollregime werden Seeminen zum zentralen Instrument eines „maritimen Zwangs“.

Die Marineschifffahrtleitung, eine Dienststelle der Deutschen Marine, hält, nicht nur wegen der Minengefahr, in ihrem Lagebericht vom 09. April fest: „Der Versuch, zum jetzigen Zeitpunkt die SoH zu passieren, ist als hoch gefährlich anzusehen. Eine Empfehlung dieses nicht zu versuchen, wird weiterhin durch die MSchLtg an die DEU Reeder herausgegeben.“

Text: hum / hsc

 

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