"Admiral Gorshkov" auf Ostkurs im Fehmarn Belt. auf Ostkurs im Fehmarnbelt. Auf älteren Aufnahmen trägt sie die Hullnummer 417. Das "Z" als Symbol für den Krieg gegen die Ukraine ist am Schornstein erkennbar. Foto: Michael Nitz, Naval Press Service

"Admiral Gorshkov" auf Ostkurs im Fehmarn Belt. auf Ostkurs im Fehmarnbelt. Auf älteren Aufnahmen trägt sie die Hullnummer 417. Das "Z" als Symbol für den Krieg gegen die Ukraine ist am Schornstein erkennbar. Foto: Michael Nitz, Naval Press Service

Vorboten des russischen Flottengeburtstages

Am Morgen des 7. Juli 2022 passierte die russische Fregatte „Admiral Gorshkov“ (Hull-Nummer 454) den Fehmarnbelt. Das zur Nordflotte der Russischen Föderation gehörende Schiff wird voraussichtlich an der Flottenparade der russischen Marine in Kronstadt/St. Petersburg teilnehmen. Bemerkenswerterweise rotierte das 3D- Überwachungsradar FURKE. Dies erscheint insofern außergewöhnlich, da russische Einheiten in der Vergangenheit bei derartigen Passagen nur ihre Navigationsradaranlagen nutzten. Die "Admiral Gorshkov" trägt das Symbol des russischen Krieges gegen die Ukraine, den Buchstaben Z am Schornstein.

Bauprogramm Projekt 22350

Die 135 Meter lange, 5.400 Tonnen verdrängende Einheit ist eine neue russische Klasse von Mehrzweckfregatten, die als Nachfolger der Krivak-Klasse gilt. Bisher befinden sich zwei Einheiten im Dienst, sechs andere in unterschiedlichen Bauzuständen, wovon „Admiral Golovko“ am weitesten fortgeschritten ist. Im August 2020 wurden zwei zusätzliche Fregatten in Auftrag gegeben. Nach Expertenmeinung benötigt die russische Marine dreißig Einheiten, um ihre verbleibenden Vorgänger zu ersetzen. Der Bau der  „Admiral Gorshkov" begann 2006, ihre Indienststellung erfolgte 2018. Baunummer 2, „Admiral Kasatonov“ wurde 2009 aufgelegt und 2020 in die Marine übernommen. Gemäß einer Bekanntmachung der Bauwerft Severnaya vom August 2021 können Mitte 2022 die Seeversuche von  Baunummer 3, „Admiral Golovko“, deren Baubeginn 2012 war, aufgenommen werden. Russischen Quellen erwarten ihre Übergabe an die Marine noch im Jahr 2022. Sie gehen von der Fertigstellung der sieben weiteren Fregatten bis 2027 aus.

Bewaffnung Projekt 22350

Ihre Hauptbewaffnung bringt die Admiral-Gorshkov-Klasse (russisch: Projekt 22350) aus einem 16-zelligen Senkrechtstartersystem (VLS-Vertical Launch System) zum Einsatz. Aus ihnen lassen sich Marschflugkörper vom Typ Kalibr (Reichweite 2 500 km), Schiff-Schiff-Flugkörper vom Typ Oniks (Reichweite 300-500 km), der hyperschallschnelle Zirkon und U-Boot-Abwehrflugkörper verschießen. Ein weiteres 32-Zellen Senkrechtstartersystem (VLS) ist Flugabwehrflugkörpern mittlerer Reichweite vorbehalten. Die Bewaffnung wird mit einem 130-mm-Turm, zwei 30-mm Nahbereichsabwehrkanonen und Torpedowerfern vervollständigt. Es besteht Aufnahmemöglichkeit (einschließlich Hangar) für einen Hubschrauber vom Typ KA-27 (NATO-Bezeichnung Helix).

Herausforderung: Zirkon-Flugkörper

„Admiral Gorshkov“ führte am 28. Mai in der Barentssee ein Testschießen einer Hyperschallrakete vom Typ Zirkon durch. Er gilt als der erste erfolgreiche Test dieses Waffensystems über seine volle Reichweite. Zirkon (russische Bezeichnung: 3M22 Tsirkon (Циркон), NATO-Bezeichnung: SS-N-33) soll neunfache Schallgeschwindigkeit (Mach 9) erreichen. Die Nutzlast beträgt 300 Kilogramm. Der Sprengkopf kann konventionell oder nuklear bestückt sein. Das Waffensystem ist sowohl für See- als auch für Landziele konzipiert und kann von Überwassereinheiten wie von U-Booten eingesetzt werden. Eine landgestützte Version soll sich in der Entwicklung befinden.

Als schnellste nicht-ballistische Rakete der Welt und mit ihrer Fähigkeit, während des Fluges zu manövrieren, stellt Zirkon die westliche Raketenabwehr vor Herausforderungen. Insofern bedeutet vor dem Hintergrund der aktuellen Lage die Anwesenheit der „Admiral Gorshkov“ in unserem Vorgarten mehr als nur die Entsendung einer Marineeinheit zum Flottengeburtstag. Die Situation, die aufgrund der in der russischen Enklave Kaliningrad stationierten Iskander-Flugkörpersystemen ohnehin der Aufmerksamkeit verdient, erhält eine weitere Zuspitzung.

Im vergangenen Jahr ließ der russische Staatschef Wladimir Putin ein Trio von Atom-U-Booten in der Ostsee auffahren – damals ein Novum. Darunter der modernste Atomwaffenträger der russischen Marine, das U-Boot „Fürst Wladimir“ mit 16 möglichen Interkontinentalraketen und 96 nuklearen Sprengköpfen.

Grafik: Zirkon-Reichweite bei einer Stationierung der „Admiral Gorshkov“ vor Kaliningrad. Bei westlicherer Positionierung liegen die (west-)europäischen Zentren in der Reichweite des Flugkörpers. Karte: hum, Bing Maps

Grafik: Zirkon-Reichweite bei einer Stationierung der „Admiral Gorshkov“ vor Kaliningrad. Bei westlicherer Positionierung liegen die (west-)europäischen Zentren in der Reichweite des Flugkörpers. Karte: hum, Bing Maps

31. Juli 2022 - Tag der russischen Marine

Der Tag der Marine ist ein nationaler Feiertag in der Russischen Föderation, der traditionell am letzten Sonntag im Juli begangen wird und an dem die Seeleute der russischen Marine und ihrer Spezialeinheiten geehrt werden. 2022 wird er am 31. Juli begangen. Nach dem Tag des Sieges (9. Mai) gilt der Tag der russischen Marine (День Военно-Морского Флота) als zweitgrößter militärischer Feiertag in Russland. Die zentralen Feierlichkeiten finden seit 2017 in St. Petersburg als eine Flottenparade von Schiffen und fliegenden Einheiten der Ostsee-, Schwarzmeer-, Nord- und Pazifikflotte sowie der Kaspischen Flottille statt. Auch in anderen Flottenstützpunkten werden Veranstaltungen abgehalten. Der Tag der Marine wurde ursprünglich 1696 eingeführt, 1980 von der Sowjetunion abgeschafft. Präsident Putin ließ ihn wieder aufleben.

Unter Berufung auf Verteidigungsminister Sergej Schoigu meldete TASS Anfang Juni, dass in diesem Jahr 47 schwimmende Einheiten teilnehmen werden.

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5 Kommentare

  1. Der Tag der russischen Seekriegsflotte wurde im Jahre 1980 von der Sowjetunion nicht abgeschafft; vielmehr wurde er von einem festen Tag (den 24.Juli) auf den letzten Sonntag im Juli verlegt und jährlich begangen.

    Präsident Putin führte 2017 die Tradition der „Hauptmarineparade“ in Sankt-Petersburg und Kronstadt ein, an der alle Flotten und auch die Kaspische Flottille vor Ort beteiligt sind.

    In diesem Jahr wird noch das Atomunterseeboot „Severodvinsk“ („Северодвинск“ [Projekt 885]) und
    das große Landungsschiff „Ivan Gren“ („Иван Грен“, Projekt 11711), sowie das (zivile) Segelschulschiff „Sedov“ („Ceдов“) an der Hauptmarineparade teilnehmen, wie die wöchentlich erscheinende Zeitung der Baltischen Flotte „Strazh Baltiki“ in der Ausgabe vom 24.Juni 2022 meldete.

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    • Vielen Dank, Herr Engel.
      Ich habe Ihnen bereits per Email geantwortet.
      Leider werde ich Severodvinsk und Ivan Gren nicht persönlich in Empfang nehmen können …
      Obwohl ich bei IG unsicher bin, ob sie tatsächlich teilnimmt. Denn IMO ist sie im Schwarzen Meer.
      Herzlichen Gruß
      hum

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      • Sehr geehrter Herr Mergener,

        im Schwarzen Meer befindet sich das Schwesterschiff, die „Petr Morgunov“ („Пётр Моргунов“).
        Die „Ivan Gren“ („Иван Грен“) hat gerade eine dreimonatige Werftliegezeit in der Bauwerft „Yantar“ in Kaliningrad abgeschlossen und bereitet sich auf die Verlegung nach Sankt-Petersburg vor. (hier nachzulesen: https://tass.ru/armiya-i-opk/15221557)

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    • Der Tag wurde zu Ehren des Sieges in der Schlacht bei Gangut 1714 durch Peter den Großen eingeführt, und danach jährlich als Tag des Sieges in dieser Schlacht mit Gottesdiensten, Feuerwerken und Marineparaden begangen. Im Laufe der Zeit gab es einige Änderungen am Datum der Durchführung des Tages. 1980 wurde er nicht abgeschafft, sondern auf den letzten Sonntag im Juli festgelegt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit genau soviel Enthusiasmus wird im übrigen der Tag des Vaterlandsverteidiger am 23. Februar, der Tag der Luftlandetruppen am 2. August und die Ehrentage anderer Waffengattungen begangen.
      Die Zirkon ist noch nicht in die Bewaffnung übernommen worden. Träger der Kalibr Raketen in verschiedenen Modifikationen befinden sich im übrigen schon seit einigen Jahren im Bestand der baltischen Flotte. Und soweit mir bekannt ist, ist die IG auf dem Weg.

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  2. Bei der Anzahl der VLS Kammern erscheint die deutsche F125, aber auch die geplante F126 als lächerlich unterbewaffnet.

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