Der „Kriegsberichter“

"Boot" Ausstellung. Foto: Autor

Der „Kriegsberichter“

Lange wurde der Roman „Das Boot“ als Friedensbuch gefeiert. Eine neue Dauerausstellung legt die Realität von U 96 und Autor Lothar-Günther Buchheim schonungslos offen.

Mit Ende der Kampfhandlungen im Mai 1945 kehrte Lothar-Günther Buchheim seiner Rolle als einer der vielseitigsten, erfolgreichsten und einflussreichsten Maler und Kriegsberichterstatter der Marine den Rücken zu. In den folgenden Jahren erfand er die Legende vom unbescholtenen Künstler. Den Blick auf seine NS-Zeit verstellte er mit emsig erarbeiteter Neuidentität als Sammler expressionistischer Kunst, Kunstbuch-Verleger und Kunstautor. So bewarb er im Dezember 1955 seinen jungen Feldafinger Verlag mit Anzeige und Porträtbild auch in der Wildente, einer Zeitschrift ehemaliger Angehöriger der Propagandakompanie (PK) der Wehrmacht. Um hier nicht als vormals namhafter PK-Kamerad wiedererkannt zu werden, drehte Buchheim dem Leser mit einem „porträtähnlichen“ Bild kurzerhand den Rücken zu. An der Hand hielt er Sohn Yves, der zum 100. Geburtstag seines Vaters 2018 in seinem Buch „Buchheim. Künstler, Sammler, Despot: Das Leben meines Vaters“ die durchaus vorhandene Vorderansicht des „porträtähnlichen“ Bildes veröffentlichte.

23. Nov 2021

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