Foto: Brennstart FD Boot, Rheinmetall

Foto: Brennstart FD Boot, Rheinmetall

Flottendienstboot Klasse 424 - drittes Schiff geht vorzeitig in den Bau

Flottendienstboot Klasse 424: Rheinmetall Naval Systems startet vor dem Zeitplan

Auf der Wolgaster Peene-Werft wurde am 16. April gemeinsam mit Vertretern des BAAINBw und der Deutschen Marine der erste Stahl des dritten und letzten Flottendienstbootes der Klasse 424 geschnitten. Der Brennbeginn erfolgt damit früher als geplant. „Der vorgezogene Brennstart, mit dem sich nun alle Schiffe dieser Klasse im Bau befinden, ist weit mehr als ein technischer Meilenstein – er ist ein strategisches Signal. In der aktuellen sicherheitspolitischen Lage, die sich schneller verändert als je zuvor, leisten wir als Industriepartner unseren Beitrag für eine beschleunigte Aufrüstung. Geschwindigkeit ist heute ein sicherheitsrelevanter Faktor – und genau hier setzen wir an“, sagte Tim Wagner, CEO der Rheinmetall-Division Naval Systems. Sicher ist das der Anspruch, den die vormalige NVL hat, gleichwohl sind die Verzögerungen beim Bau der Fregatte 126 im letzten Jahr diesem Vorhaben etwas entgegengekommen. Das hat auch etwas mit Auslastung zu tun. Inzwischen allerdings ist der Terminplan wieder voll und man kann sich für die Wolgaster freuen.

Brennstart FD BootFoto: Rheinmetall
Brennstart FD Boot Foto: Rheinmetall

Die Flottendienstboote – oder FloDiBo’s wie die Belegschaft sie nennt - werden nach Zulauf von Deutscher Marine und dem Cyber- und Informationsraum (CIR) gleichermaßen genutzt. Die rund 130 Meter langen Flottendienstboote werden zukünftig der Bundeswehr als Aufklärungsplattformen zur seegestützten Informationsgewinnung dienen. Das Vorschiff wird voraussichtlich 2027 verlegt werden, um mit dem Hinterschiff bei der Lürssen – Werft mit der hinteren Sektion verbunden zu werden. Die Endausrüstung erfolgt dann voraussichtlich in Hamburg. Der Zulauf aller Schiffe wird rund 2030 plus erfolgen.

Bereits im Juni 2021 wurde der Vertrag über die Beschaffung von drei Flottendienstbooten der Klasse 424 mit einer Ausbildungs- und Referenzanlage Aufklärung zwischen dem BAAINBw und der damaligen NVL B.V. & Co. KG, vordem Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG, geschlossen. Mit der parlamentarischen Billigung vom 6. Juli 2023 ging das Vorhaben von der Entwurfs- in die Realisierungsphase über. Der Gesamtauftrag hat ein Volumen von bis zu 3,26 Milliarden Euro.

Flottendienstboote hat die Marine nahezu seit ihrer Gründung. Die ersten Einheiten klärten hauptsächlich in der Ostsee die Flotten des Warschauer Paktes auf. Die aktuelle ist die dritte Generation von Flottendienstbooten der Marine und die zweite, die die Namen Alster (A 50), Oker (A 53) und Oste (A 52) trägt. Es ist davon auszugehen, dass auch die neuen Einheiten diese Namen tragen werden. Ihre Einsätze werden nicht öffentlich kommuniziert, sie operieren eher verdeckt, und was genau sie tun, davon wissen nur sicherheitsüberprüfte Personenkreise. Nicht nur beim Betrieb, auch beim Bau dieser Schiffe herrschen strenge Sicherheitsauflagen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Sicherheitslage und der Spekulationen um Sabotage an Marineeinheiten hat dies noch einmal besondere Aufmerksamkeit erhalten.

Flottendienstboote der Deutschen Marine sind spezialisierte Einheiten zum Überwachen von See- und Küstengebieten mit elektronischen, hydro-akustischen und elektro-optischen Sensoren (Aufklärung). Die neuen Boote mit einer Länge von etwa 132 Metern und einer Verdrängung zwischen 3.500 und 4.000 Tonnen sollen die bisherigen Flottendienstboote der Klasse 423 ablösen. Die Fahrbesatzung der Boote soll bei 50 Personen liegen, die einzuschiffende Aufklärungsmannschaft ebenfalls bei ca. 50 Personen. Die Ablieferung der Klasse 424 soll im Zeitraum 2029 bis 2031 erfolgen – bereits 2027 wird der Marine die Ausbildungsanlage zur Verfügung stehen. Die Boote mit ihren spezialisierten Sensoren sind für die strategische Informationsgewinnung von zentraler Bedeutung. Dazu gehören Abhören von Funkverkehr, Erfassen elektromagnetischer Signaturen und Identifikation von Schiff und Gerät. Daher wurden diese Boote hin und wieder früher auch „Messboote“ genannt. Ihr Einsatzgebiet hat sich seit Jahren aus der Ostsee heraus auch ins Mittelmeer verlagert.

Sie stehen unter der operativem Führung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum und werden stets national geführt, man gibt diese wertvollen Fähigkeiten nie aus der Hand, noch nicht einmal NATO-Partnern. Die Ergebnisse sind aber für alle Verbündeten von großer Bedeutung. Im Kalten Krieg zum Beispiel waren die Fotos, die die „Messboote“ von Einheiten des Warschauer Paktes sogar in 3-D geschossen hatten, eine beliebte „Handelsware“ unter den Alliierten. Diese Schiffe bieten mehr als ein militärisches Lagebild zum Beispiel in der Ostsee, sie liefern eventuell auch eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für Gremien der Bundesregierung.

Text: RM/hsc

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