Britischer Flottenversorger Fort Austin vor dem Verkauf nach Ägypten. Foto: Deutsche Marine

Britischer Flottenversorger Fort Austin vor dem Verkauf nach Ägypten. Foto: Deutsche Marine

Glasgow – Klimaschutz und Schiffbau

Wenn man schon einmal zusammensitzt, kann man auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen! Dem eingefleischten und lupenreinen Klimaschützer dürfte diese Meldung am Rande der Konferenz in Glasgow (2021 United Nations Climate Change Conference (COP26)) Anfang November sauer aufgestoßen sein: Nach einem bilateralen Gespräch mit Großbritanniens Premierminister Boris Johnson gab der Außenminister von Bangladesch, Abdul Momen, auf einer virtuellen Pressekonferenz bekannt, dass der Staat am Ganges-Delta in den nächsten Jahren fünf Schiffe britischer Produktion aufkaufen wird, um seinen eigenen Flottenbestand zu verjüngen (Forces Goal 2030). Drei davon sollen in UK, die restlichen zwei in Bangladesch gebaut werden. Diese Nachricht ist allein schon deshalb bemerkenswert, weil Bangladesch sich in den letzten Jahren in Sachen Schiffbau sehr deutlich an China angelehnt hatte. Näheres zu diesem wichtigen „Erfolg auf der Klimakonferenz“ war vorerst jedoch nicht zu erfahren. Wenigstens die Pressekonferenz und das „dual-use“-Treffen waren einigermaßen „klimaschonend“ angelegt – und förderlich für das industriepolitische Klima auf Johnson's Insel.

Ressourcenschonende Verwertung alter Schiffe

Darüber hinaus wurden erstmals seit drei Jahrzehnten wieder ausgemusterte Schiffe der Royal Navy an Ägypten verkauft: FORT AUSTIN und FORT ROSALIE, beides Royal Fleet Auxiliaries der FORT GRANGE-Klasse, gehen nach ihrer bereits Ende des ersten Quartals 2021 erfolgten Außerdienststellung nun nach Alexandria. Da für beide Schiffe im Register ein Kiellegungsdatum vor fast 50 Jahren eingetragen ist, werden sie vorerst noch eine Instandsetzungsperiode durchlaufen. Auch dieses Übereinkommen ist für Johnson wirtschafts- und innenpolitisch förderlich, denn auch die Nachfolgeplanung für die Versorgungsplattformen der Royal Navy will finanziert werden.

Ersatz durch Neubau

Beide Schiffe sollen nämlich durch die neuen Fleet Solid Support (FSS) Ships ersetzt werden. Für deren Bauvorbereitung wurden erst vor wenigen Monaten vier Konsortien aufgefordert, in eine „wettbewerbsgesteuerte Beschaffungsphase“ einzutreten, also zu einem Entwicklungswettstreit aufgerufen. Team UK und Team Resolute bestehen vorwiegend aus britischen Firmen, zwei weitere Teams sind zwar indisch und niederländisch dominiert, beteiligen aber auch britische Unternehmen (Larsen&Tubro/Leidos, Damen/Serco).

Stütze für die britische Schiffbauindustrie

Weil der Verkauf des Altmaterials und das Neubauvorhaben in ein fast 30 Mrd. Euro schweres Finanzpaket zur Stützung britischer Schiffbauindustrie geschnürt sind, dürfte der November-Deal für Ägypten als ein Black-Friday-Schnäppchen zu bezeichnen sein. Bisschen alt, aber schwimmt noch!

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