Greyshark, Seitenansicht. Foto: hum

Greyshark, Seitenansicht. Foto: hum

Greyshark – eine deutsche Unterwasserdrohne

Euroatlas und EvoLogics präsentieren auf der am 25. März in Oslo begonnenen UDT (Undersea Defense Technology) ihre neueste Entwicklung: Die Unterwasserdrohne GREYSHARK™.

Dabei handelt es sich um ein autonomes Unterwasserfahrzeug, das in punkto Ausdauer, Geschwindigkeit und Vielseitigkeit neue Maßstäbe setzt. Nach den Herstellerangaben könnte Greyshark zu den vielseitigsten und ausdauerndsten AUV seiner Klasse zählen. Nach seiner Vorstellung auf der Euronaval im November 2024 und auf der Xponential Europe in Düsseldorf im Februar 2025 wird das Gemeinschaftsprodukt von Euroatlas und EvoLogics in Oslo zu einem Publikumsmagnet.

Greyshark – auf die Nase kommt es an. Foto: hum

Greyshark – auf die Nase kommt es an. Foto: hum

Fuel-Cell ermöglicht lange Einsatzzeiten

Mit einer Betriebsdauer von bis zu 16 Wochen bei niedriger Geschwindigkeit und Reichweiten von 1.100+ Seemeilen (bei 10 Knoten) bzw. 8.000+ Seemeilen (bei 4 Knoten) ermöglicht sie langanhaltende und weitreichende Einsätze. Die Drohne erreicht über 10 Knoten im operativen Einsatz. Ihre geringe Wendekreisgeometrie und die Fähigkeit zu vertikalen Tauchgängen verleihen ihr Flexibilität. Angetrieben wird das System durch ein Fuel-Cell-System in Kombination mit einem nicht-permanent magnetischen Elektro-Ringmotor und einem segmentierten Ringrotor-Propeller. In zwei Tauchstufen können Tiefen von 650 Metern und 4.000 Metern erreicht werden. Die Navigation erfolgt über eine Kombination unterschiedlicher Technologien, bei der Trägheitsnavigation, eine Doppler-Log Geschwindigkeitsmessung, Hinderniserkennung, satellitengestützte (GPS) und akustische Positionsbestimmung zusammenspielen. Ihre biologisch inspirierte, hydrodynamisch optimierte Rumpfform, kombiniert mit Maßnahmen zur Geräusch- und Infrarotreduzierung, verleihen der Drohne Stealth-Eigenschaften.

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten

Das umfassende Sensorsystem ermöglicht weitgehende Aufklärung. Neben den Standardkomponenten wie dem elektromagnetischen Sensorarray (EMSA), Forward Looking Sonar (FLS), Sound Velocity Sensor (SVS), Imaging and Laser System (ILS), Multibeam Echosounder (MBES) und Synthetic Aperture Sonar (SAS) stehen LiDAR (Light Detection and Ranging) und Front-Facing Multibeam (MBES) sowie ein Imaging System (IS) zum Einsatz. Dabei ermöglichen LiDAR und MBES die 3D-Kartierung der Unterwasserumgebung. Ein hochauflösendes, multispektrales Kamerasystem mit LED-Beleuchtung liefert detaillierte visuelle Aufnahmen zur Zielidentifikation und Inspektion.

Integrierte Künstliche Intelligenz (KI) soll in Echtzeit automatische Zielerkennung, Kollisions- und Hindernisvermeidung sowie dynamische Anpassungen der Mission basierend auf den erfassten Sensordaten ermöglichen.

Die mit ihrer hydrodynamischen Formgebung herausstechende Drohne von fast 8 Metern Länge, 1,8 Metern Durchmesser und 4,5 Tonnen Gewicht lässt sich dank einer im 40-Fuß Standardcontainer integrierten Winch transportieren, womit sich alle Verlegungsszenarien abdecken lassen. Ein zweiter 40-Fuß Container wird für die Nachversorgung benötigt.

Zum Zubehör gehört neben dem Wartungspaket alles, was man zum Einsatz braucht: Die Kontrollstation, eine Fernmeldeanlage, eine Unterwasser-Kommunikations- und Trackingstation und ein Fernbedienungs-Handgerät.

Die Drohne lässt sich einzeln oder im Schwarm einsetzen. Damit eröffnen sich unterschiedliche Einsatzoptionen – von einfachen Überwachungsmissionen bis hin zur Aufklärung einschließlich Minensuche und weiter zur Abschreckung gegenüber U-Booten. Mögliche Einsatzszenarien umfassen Fernaufklärung, den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS), Reaktionsmöglichkeiten bei Bedrohungen vor der eigenen Küste sowie die Minensuche.

Greyshark - im Einsatz.Screenshot Euroatlas

Greyshark - im Einsatz.
Screenshot Euroatlas

Der "Pinguin" soll im April flügge werden

Ein Prototyp wird derzeit bei Fassmer in Berne gefertigt – seine Fertigstellung ist für den 13. April geplant, gefolgt vom ersten Freiwasser-Test am 14. April. Das System ist bereits in das NATO-Programm DAT-POW Manta (Defence Against Terrorism – Program of Work) aufgenommen und soll im September 2025 in Portugal an REPMUS teilnehmen (Robotic Experimentation and Prototyping using Maritime Uncrewed Systems). Zudem gilt es als Anwärter für den OPEX-Bereich der Deutschen Marine (Operational Experimentation).

Auf Nachfrage von marineforum wurde der Preis im einstelligen Millionenbereich beziffert. Durch die massenproduktionstaugliche Anlage der Drohne – vergleichbar mit Standards im Automotive-Sektor – könnten bei Bedarf sofort 150 Einheiten bereitgestellt werden. Die Produktion könnte sogar auf 500 Einheiten ausgeweitet werden.

Ohne der operativen Eignung vorgreifen zu wollen, bleibt festzustellen, dass sich mit dem Greyshark eine Unterwasserdrohne deutscher Fertigung präsentiert, die mit ihren Einsatzparametern, fortschrittlicher Technologie und modularer Bauweise überzeugen kann. Mit ihrer ungewöhnlichen Form, die an im Tauchgang jagende Pinguine erinnert, hebt sie sich zudem vom üblichen Angebot in diesem Segment ab. Es wäre zu wünschen, dass sie auch operativ zu überzeugen weiß. Dann könnte sie noch vor dem Zeitpunkt zur Verfügung stehen, zu dem die von Experten und Politikern angenommenen Eskalationsszenarien zu erwarten wären.

26. März 2025 | 0 Kommentare

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