Flottillenadmiral Abry ist Kommandeur der MSM

Flottillenadmiral Abry ist Kommandeur der MSM

Praxisnähe ist der Schlüssel zum Erfolg

„Ausbilden – Erziehen – Prägen“ und „Dienen und Führen in der Demokratie“ sind bewährte Ausbildungsgrundsätze der Marineschule Mürwik. Die Ausbildung und Erziehung an der Marineschule zielt seit jeher darauf ab, den Führungsnachwuchs der Marine gut auf die fordernden Aufgaben als militärische Vorgesetzte vorzubereiten. Dabei kommt es im Sinne der genannten Grundsätze darauf an, unseren Offiziernachwuchs des Truppendienstes und des militärfachlichen Dienstes maritim zu prägen, an unsere Marine zu binden und schlicht für den Beruf des Marineoffiziers zu begeistern. Wir müssen ihre Herzen tief blau einfärben. Die Marineschule Mürwik fühlt sich der geradezu zeitlosen Forderung verpflichtet, dass das Denken jedes Marineoffiziers durch die See geformt sein muss. Dieser Ansatz ist zwingend durch einen weiteren Aspekt zu ergänzen: den Anspruch des Inspekteurs, die Befähigung der Marine zum Kampf in den Mittelpunkt unseres Denkens zu stellen. Die gesamte Offizierausbildung muss sich in allen Ausbildungsphasen daran messen lassen, wie ein umfassendes taktisches Verständnis maritimer Operationsführung konsequent aufgebaut werden kann.

„Ausbilden – Erziehen – Prägen“ gelingt dann, wenn der Offiziernachwuchs das Berufsbild des Marineoffiziers in der Praxis erlebt. Das gilt gerade für die Generation Z, die in Mürwik gut angekommen ist. Eine Generation, die entgegen mancher Vorurteile die Herausforderung als Offizier sucht. Maritim zu prägen, heißt Seefahrt an Bord von Einheiten der Flotte erfahren! Der Schlüssel zum Erfolg der Offizierausbildung lag aus guten Gründen schon immer in der Ausbildung in See – in der praktischen Bordausbildung. Nichts hat sich in den letzten Jahrzehnten an dieser Erkenntnis geändert. In Zeiten der „kleinsten Flotte“ stellt es eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten dar, die erforderlichen Ausbildungstage in See für unseren Offiziernachwuchs zu realisieren. Diesem negativen Trend gilt es, sich mit innovativen Ideen, Tatendrang und Entschlusskraft entgegenzustellen. In diesem Kontext ist auch die beharrliche Forderung der MSM zu verorten, analog zu unseren internationalen Partnerakademien Schulungsboote zu beschaffen. Schulungsboote sollen neben ihrer besonderen Eignung für die militärische Vorgesetztenausbildung die praktische Seemannschaft – das seemännische Können – unserer angehenden Wachoffiziere entwickeln. Und der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Die Gorch Fock ist und bleibt unser verlässliches, unser unverzichtbares Ausbildungsmittel. Die Gorch Fock ist Segelschulschiff und Schulschiff der Deutschen Marine zugleich. Die einzigartige Synergie aus einer fundierten seemännischen und einer maritim-militärischen Basisausbildung kann nur auf unserem Segelschulschiff realisiert werden. Viele Partnermarinen in NATO und EU beneiden uns um diese einzigartige Fähigkeit. Davon unabhängig bleibt die Flotte der beste Ort, die Identität eines jungen Marineoffiziers auszuprägen. In der Flotte sollen unsere Offizieranwärter und Offizieranwärterinnen den Truppenalltag kennenlernen und ihre unmittelbaren Bindungen an die Flottillen und die Marineflieger aufbauen.

Die Ausbildung zum Marineoffizier muss neben allen militärfachlichen Handlungsfeldern auch die ethische Dimension des Soldatenberufs einbeziehen. Es geht um das soldatische Selbstverständnis des Marineoffiziers im 21. Jahrhundert. „Ausbilden – Erziehen – Prägen“ ist daher nur in einem inneren Zusammenhang mit dem Ausbildungsgrundsatz des „Dienens und Führens in der Demokratie“ denkbar. Daher fügen sich die Vermittlung des Traditionsverständnisses der Bundeswehr, die Vermittlung der wehrrechtlichen Grundlagen und das sich daraus ableitende Selbstverständnis von Militär in der Demokratie in diesen Auftrag ein. Damit ist die Innere Führung ein strategisches Bildungsziel der Marineschule Mürwik.

Flottillenadmiral Wilhelm Tobias Abry ist Kommandeur der Marineschule Mürwik.

Foto: Bw/Björn Wilke

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