Foto: Vor der langen Küstenlinie des afrikanischen Kontinents gestaltet sich die Bekämpfung von Piraten schwierig. Bw/Toni Bors

Foto: Vor der langen Küstenlinie des afrikanischen Kontinents gestaltet sich die Bekämpfung von Piraten schwierig. Bw/Toni Bors

Seepiraterie – niedrigster Stand seit 1992, Somalia bleibt Risiko

Wachsamkeit bleibt dennoch geboten. ICC Germany veröffentlicht Bericht zur Seepiraterie

Die Zahl der weltweit gemeldeten Fälle von Piraterie und bewaffneten Überfällen auf Schiffe ist im ersten Halbjahr 2026 auf den niedrigsten Stand seit 1992 gesunken. Das geht aus dem heute veröffentlichten Halbjahresbericht des International Maritime Bureau (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) hervor. Trotz dieser positiven Entwicklung warnt das IMB davor, die Bedrohung zu unterschätzen: Die Sicherheit der Besatzungen bleibt gefährdet, und insbesondere vor der Küste Somalias haben die Aktivitäten von Piraten wieder zugenommen.

US-Soldaten beim Einsatz gegen Piraten, Foto: US Navy
US-Soldaten beim Einsatz gegen Piraten, Foto: US Navy

Von Januar bis Juni 2026 wurden weltweit 38 Vorfälle registriert. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es noch 90, im Jahr 2024 insgesamt 60. Erfasst wurden 27 Enterungen, fünf Schiffsentführungen, drei Angriffe mit Schusswaffen sowie drei versuchte Überfälle. Dabei wurden 67 Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen, zwei bedroht und eine Person verletzt. „Der historische Rückgang der Piraterievorfälle ist ein Erfolg der engen Zusammenarbeit von Staaten, Strafverfolgungsbehörden und der maritimen Wirtschaft“, erklärt Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Germany. „Er darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bedrohung weiterhin besteht. Die jüngsten Vorfälle vor Somalia zeigen, dass internationale Präsenz, konsequente Sicherheitsmaßnahmen und anhaltende Wachsamkeit weiterhin unverzichtbar sind.“

Somalische Piraterie bleibt eine Bedrohung

Besondere Sorge bereitet dem IMB die Entwicklung vor Somalia. Zwischen April und Mai wurden dort vier Schiffe entführt, weitere Angriffe und Annäherungsversuche folgten im Juni. Nach Angaben des IMB gingen 94 Prozent aller Geiselnahmen im ersten Halbjahr auf das Konto somalischer Piraten. Dies verdeutlicht, dass sie weiterhin in der Lage sind, unterschiedlichste Schiffstypen anzugreifen. Das IMB und die ICC appellieren daher an die internationalen Marineeinsätze, ihre Präsenz in der Region aufrechtzuerhalten, um eine erneute Eskalation zu verhindern.

Positive Entwicklungen im Golf von Guinea und in der Straße von Singapur

Die von Piraten geenterte „Hellas Aphrodite“ vor der Küste Somalias. Bild: EUNAVFOR Atalanta
Die 2025 von Piraten geenterte „Hellas Aphrodite“ vor der Küste Somalias. Bild: EUNAVFOR Atalanta

Im Golf von Guinea wurden im ersten Halbjahr lediglich zwei Vorfälle gemeldet. Das IMB würdigt die Fortschritte der Küstenstaaten und ihrer regionalen Partner bei der Verbesserung der maritimen Sicherheit, betont jedoch die Notwendigkeit weiterer gemeinsamer Maßnahmen und Patrouillen. Auch in der Straße von Singapur ging die Zahl der Vorfälle zurück. Zwischen Januar und Juni wurden dort vier Schiffe geentert. Angesichts der Bedeutung dieser Schifffahrtsroute für den Welthandel fordert das IMB weiterhin eine enge Zusammenarbeit der Anrainerstaaten, um die Sicherheit auf einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt dauerhaft zu gewährleisten.

Mehr Vorfälle vor Manila

Anders stellt sich die Lage vor dem Ankerplatz von Manila dar. Dort wurden im ersten Halbjahr acht Vorfälle registriert – nach keinem einzigen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein im Juli 2026 | Seepiraterie auf niedrigstem Stand seit 1992 Juni wurden drei Schiffe von bewaffneten Tätern geentert. Das IMB ruft Schiffsführer daher zu besonderer Vorsicht in diesem Gebiet auf.

Über das IMB Piracy Reporting Centre

Das Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist seit 1991 die weltweit zentrale, rund um die Uhr erreichbare Meldestelle für Piraterievorfälle. Es unterstützt bedrohte Schiffe, koordiniert mit Behörden und informiert die Schifffahrt per Warnmeldung und E-Mail. Die PRC-Daten liefern wichtige Erkenntnisse zur Entwicklung moderner Piraterie. Das IMB ruft Kapitäne und Reedereien auf, tatsächliche, versuchte oder vermutete Fälle von Piraterie und bewaffneten Überfällen zu melden, damit Behörden gezielt Ressourcen bereitstellen können.

Über die Internationale Handelskammer (ICC)

Die Internationale Handelskammer (ICC) vertritt mehr als 45 Millionen Unternehmen in über 170 Ländern. Sie setzt sich weltweit für verantwortungsvolles, nachhaltiges Wirtschaften ein und fördert globalen Handel, unternehmerische Verantwortung und abgestimmte Regulierung durch Interessenvertretung, praktische Lösungen und internationale Standards. Zudem zählt die ICC zu den führenden Anbietern von Streitbeilegungsdiensten. Mitglieder sind multinationale Unternehmen, KMU, Wirtschaftsverbände sowie Industrie- und Handelskammern.

Text: Marija Josimovic ICC Germany e. V.

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