Foto: Syria-Express 2026. Boerstling

Foto: Syria-Express 2026. Boerstling

Tartus – Russland prüft Rückkehr zum Mittelmeerstützpunkt

Es sieht so aus, als wolle Russland seinen ehemaligen Mittelmeer-Auslandsstützpunkt Tartus in Syrien wieder aufleben lassen: Ein logistischer Konvoi aus sanktionierten Schiffen der sogenannten russischen Schattenflotte, begleitet durch die Fregatte „Admiral Kasatonov“ (Gorshkov-Klasse Projekt 22350, 135 Meter, 5 400 Tonnen), hatte sich im Zeitraum Mitte April bis Ende Mai in bemerkenswerter Verhaltensweise aus Sankt Petersburg, Kaliningrad bzw. Murmansk bis nach Tartus und zurück bewegt.

Manche Medien bezeichnen dies bereits als „Syria-Express 2.0“. Die unter dem Pseudonym „Syria-Express“ zur Versorgung der russischen Truppen in Syrien bekannte Schiffsroute Sewastopol-Tartus musste in 2022 wegen der Sperrung des Bosporus auf die lange Strecke um Gibraltar durch Nord- und Ostsee verlegt werden und kam nach dem Fall des syrischen Machthabers Assad Ende 2024 und dem russischen Auszug aus Tartus fast zum Erliegen.

Eine akribische Fallstudie dreier Autoren (RUSI, NATO Defence College) hat nun über AIS-Signale und Satellitenbilder den jüngsten Konvoi aus Produkten-Tanker „General Skobelev“, Frachter „Sparta“ und Treibstoff-Versorger „Akademik Pashin“ verfolgt und das Verhalten analysiert: Der Verband bewegte sich über weite Strecken ohne automatische Positionsdaten (AIS ausgeschaltet), in engen Gewässern (Kanal, Gibraltar) sendete abwechselnd nur jeweils eine der Einheiten im Konvoi, gelegentlich wurden einzelne AIS-Daten in den Heimathafen verlegt (Spoofing), das Ganze unter Angabe des falschen Zielhafens Post Said/Suez-Kanal. Der Hafen Tartus wurde am 11. Mai erreicht, zwei Tage später waren zwei weitere russische Schiffe vor dem Hafen auszumachen.

Nach elf Tagen begab sich der Konvoi wieder auf den Rückweg – begleitet zusätzlich durch die Fregatte „Stoikiy“ (Stereguschchiy-Klasse Projekt 20380, 105 Meter, 2 200 Tonnen). AIS-darkness und AIS-spoofing sowie falsche Zielangaben sind in der Schattenflotte zur Verschleierung eigener Absichten zwar bekannt, sind aber in dieser Zusammenstellung und in einem offensichtlich militärischen Konvoi erstmals durchgehend dokumentiert worden.

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