Berichten des amerikanischen Fernsehsenders CNN zufolge soll die russische Marine die Einführung des „doomsday torpedos“ Poseidon vorbereiten, des „Weltuntergangstorpedos“, wie das Pentagon den russischen Nukleartorpedo bezeichnet.

Anfang November haben Quellen der Vereinigten Staaten das Verlassen des Träger-U-Bootes „Belgorod“ und auch seine spätere Rückkehr in den Heimatstützpunkt ausgemacht. Da keine Testversuche erkennbar gewesen sein sollen, gehen die Stellen davon aus, dass technische Schwierigkeiten aufgetreten sind. Bereits seit Anfang Oktober wurde die Aufnahme derartiger Versuche beobachtet (MFonline berichtete).

Russische Marine: Test des Weltuntergangstorpedos?

Poseidon - russischer Nukleartorpedo? Grafik: Verteidigungsministerium Moskau

Russische Marine: Test des Weltuntergangstorpedos?

Unterwasser-Waffensysteme

Ein direkter Zusammenhang der Versuche mit den apokalyptischen Drohungen des russischen Staatspräsidenten, wie während der „Sonderoperation“ in der Ukraine mehrfach geäußert, ist derzeit nicht zwingend notwendig. Die „Belgorod“ wurde erst im Juli 2022 der Marine übergeben, somit könnten ‚normale‘ Übernahmetests und Waffenerprobungen auf der aktuellen Tagesordnung stehen. Insbesondere Unterwasserwaffen-Systeme unterliegen einer erhöhten technischen Komplexität. Bei deren Erprobungen geht es nicht nur um die Funktion der Waffe, sondern vor allem um die Datenübertragungswege, die Steuerung der Plattform bis hin zu den Notverfahren. Dabei auftretende Probleme – gerade bei neu einzuführenden Waffensystemen – können ganz ‚normaler‘ Natur sein. Man kann aber davon ausgehen, dass die Seeversuche unter direkter Beobachtung Moskaus stehen, und eventuelle Zusammenhänge mit westlichen Sanktionen gegen Hochtechnologie-Bauteile dort entsprechend auf den Magen schlagen. Denn die Zeit drängt, weil in der Arktis die winterliche Eisbildung einsetzt und den Bewegungsmöglichkeiten Grenzen setzen wird. Nicht so sehr den Unterwasseraktivitäten an sich, als den Beobachtungs- und Unterstützungsfahrzeugen. Von einer Fortsetzung der russischen Erprobungsaktivitäten ist jedoch auszugehen.

Träger-U-Boot "Belgorod"

Die „Belgorod“ ist nicht nur ein riesiges nukleargetriebenes U-Boot, sie ist auch der Träger für den von Staatspräsident Vladimir Putin in seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März 2018 angekündigten Supertorpedo Poseidon. Mit seiner „interkontinentalen“ Reichweite von fast 10.000 km bei einer Höchstgeschwindigkeit von rund 100 km/h (54 Knoten) soll der nuklear angetriebene Torpedo in der Lage sein, seine Waffenladung über sehr große Entfernungen ins Ziel zu bringen. Basierend auf früher bekannt gewordenen technischen Zeichnungen und der Auswertung einiger vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichter Testbilder, misst Poseidon etwa 24 m Länge und 1,6 m Durchmesser, davon ein Gefechtskopf von etwa 4 m Länge. Die Angaben zur Sprengkraft reichen von 2 bis zu 100 Megatonnen. Die „Belgorod“ soll sechs solcher Poseidon an Bord mitführen können.

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