Der australische Eisenerzmagnat Andrew Forrest hat sich der Forderung nach einem Moratorium für den Tiefseebergbau angeschlossen und seine gemeinnützige Gruppe in die wachsende Liste der Organisationen aufgenommen, die sich dieser Praxis widersetzen.

In seiner Rede auf der COP27-Konferenz in Sharm El-Sheikh, Ägypten, wiederholte Forrest die Bedenken vieler Meeresbiologen und Naturschützer, die davon ausgehen, dass der Tiefseebergbau ökologische Schäden und sogar das Aussterben der bodennahen Umwelt verursachen könnte.

Der Tiefseeboden ist eines der am wenigsten verstandenen Ökosysteme auf dem Planeten. Es ist von entscheidender Bedeutung für ökologische Prozesse, die unseren gesamten Ozean betreffen, und dennoch bleibt unser wissenschaftliches Wissen darüber äußerst begrenzt“, sagte Forrest.

Tiefseebergbau: Andrew Forrest, Fortescue Metals, fordert Moratorium

Deep Sea Mining

Die Idee, den Tiefseeboden nach Mineralien zu schürfen, ist nicht neu, aber sie nähert sich derzeit der Kommerzialisierung. Das Schweizer Schifffahrtsunternehmen Allseas führte erst letzten Monat den ersten Test seines Tiefsee-Manganknollen-Sammelsystems durch. Und wenn alles nach Plan läuft, wird es mit dem Abbau der Knollen vom Meeresboden in der Clarion-Clipperton-Zone beginnen, die sich in internationalen Gewässern südöstlich von Hawaii befindet. Das Pachtgebiet beherbergt laut dem Abbau-Unternehmen „The Metals Company“ die weltweit größte unerschlossene Nickellagerstätte, zusätzlich enthalten die Knollen auch Kobalt, Mangan und Kupfer. Zunächst benötigt der Auftragnehmer jedoch eine behördliche Genehmigung. Aber die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority) schreibt dafür jetzt erst die Regeln nieder mit dem Ziel der Festlegung gesetzlicher Fristen bis 2023.

Unbekannte Auswirkungen und andauernde Folgen

Tiefseebergbau: Andrew Forrest, Fortescue Metals, fordert Moratorium

Auf Erzknollen lebende Tiefsee-Annemone. Foto: Craig Smith/University of Hawaii/Abyssline-Project

Die Umwelt auf dem Meeresboden in der Clarion-Clipperton-Zone ist wenig erforscht. Wissenschaftliche Untersuchungen des Gebiets entdecken oft neue Arten – manchmal Dutzende von ihnen auf einen Schlag. Kritiker des Tiefseebergbaus warnen davor, dass die potenziellen Auswirkungen des Abbaus bisher noch unbekannt und wahrscheinlich schädlich für dort angesiedelte Arten sind. Dazu zählen beim Schürfen entstehende sogenannte Sedimentfahnen, die angrenzende Gebiete bedecken, dazu auch Giftstoffe, die durch Bergbauabfälle in der Wassersäule freigesetzt werden, obendrein Zerstörung von Lebensräumen durch die Entfernung der Knollen selbst. Da sich die Knollen auf einer Zeitachse bilden, die in Jahrmillionen gemessen wird, muss die physische Veränderung des Meeresbodens effektiv dauerhaft sein. Einige Arten wie die schwer zu klassifizierenden Seeanemonen zum Beispiel verlassen sich auf die Knoten als Ankerpunkte in einer ansonsten strukturlosen Tiefseeebene.

Gute Beispiele

BMW, Volvo, Samsung und Google haben sich bereits verpflichtet, keine Metalle aus dem Tiefseebergbau zu beziehen. Nun hat sich auch Forrest als Chef von Fortescue Metals auf die Liste der Verweigerer gesetzt. Er verglich die Vorschriften, die sein Bergbauunternehmen an Land erfüllen muss, mit den Vorschriften für den internationalen Meeresboden und schlug vor, letztere zu verschärfen.

Wenn die Regulierungsbehörden nicht genau die gleichen Ökosystem-übergreifenden Studien anwenden können bezüglich Flora, Fauna, Gelände und unbeabsichtigte Folgen, und auch nicht die gleichen oder höheren Standards festlegen können, wie an Land, dann sollte der Meeresboden nicht abgebaut werden“, sagte Forrest.

Videos zur Visualisierung des Tiefsee-Bergbaues

Quelle: Deepwave – die Meeresschutzorganisation, maritime-executive.com

1 Kommentar

  1. Es ist kein Wunder, wenn der australische Eisenerzmagnat A. Forrest sich negativ über den kommenden Tiefseebergbau äußert, denn dieser könnte ein Konkurrent zum großflächigen besonders umweltzerstörenden Bergbau in Australien werden. Im Übrigen ist China der dominierende Lieferant für die wichtigsten Industriemetalle. Insbesondere für Deutschland ist China der größte Lieferant von 45 verschiedenen Mineralien, ohne die weder eine Automobil-, Maschinenbau- und Rüstungsindustrie in Deutschland noch die Energiewende und die Dekarbonisierung der Wirtschaft und Gesellschaft möglich sind. Da trifft es sich gut, dass Deutschland seit 2005 vorsorglich zwei Explorationslizenzen bei der Internationalen UN – Meeresbodenbehörde (ISA) erworben hat – eine im Pazifik für Manganknollen und eine im Indischen Ozean für Sulfide, jeweils mit hochwertigen Funden von Kobalt, Nickel, Kupfer, Mangan und Seltenen Erden. Der zukünftig zu erwartende Tiefseebergbau bringt gerade für die viertgrößte Industrienation Chancen in dreierlei Hinsicht:

    Erstens kann sich Deutschland mit den Schlüsselmetallen vom Meeresboden aus einer zu engen Abhängigkeit lösen, indem diesen Lieferländern signalisiert wird, dass es Alternativen zum Landbergbau – einem der größten Umweltzerstörer weltweit – gibt.

    Zweitens können mit deutscher Technologie ein umweltverträglicher Meeresbergbau realisiert und neue Absatzmärkte und Kooperationen mit ausländischen Partnern gefunden werden, z. B. in deren Ausschließlichen Wirtschaftszonen. Das vom BMWK finanziell geförderte Meeresbergbaugerät der Fa. Bauer Maschinen GmbH aus Bayern hat soeben einen wichtigen Innovationspreis gewonnen.

    Drittens sollten die Berliner Ministerien aktiv die Chance nutzen, die deutschen und europäischen Umweltstandards im neuen Wirtschaftszweig des Tiefseebergbaus international zu verankern, und diesen wichtigen Aspekt nicht anderen überlassen durch Rückzug und die kürzliche Presseerklärung des BMWK und des BMU, dass Deutschland zum Tiefseebergbau eine furchtsame „vorsorgliche Pause“ („preemptive pause“) einlegen möchte.

    Es überrascht immer wieder, dass die Optionen des Meeresbergbaus in deutschen Amtsstuben und Parteibüros nicht erkannt werden – nicht beim BDI, nicht in der Automobilindustrie, nicht in den Medien und nicht in der Gesellschaft

    meint Uwe Jenisch, Kiel

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