Russische Streitkräfte haben nach Angaben der ukrainischen Regierung zwei nicht näher beschriebene Such- und Rettungsschiffe (SAR) im ukrainischen Seekorridor im Schwarzen Meer angegriffen.
Dabei wurden mehrere Menschen verletzt. Dies teilte der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Oleksii Kuleba im Juni mit. Nach seinen Angaben befanden sich die Schiffe auf einer humanitären Mission. Eine unabhängige Bestätigung des Vorfalls liegt bislang nicht vor.
Hintergrund
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 versucht Russland, den Seeverkehr in den ukrainischen Hoheitsgewässern einzuschränken und die internationale Schifffahrt im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer zu behindern. Dies wirkt sich auf den internationalen Seehandel und die globalen Lieferketten aus, insbesondere nach dem das Getreideabkommen von 2022 nicht verlängert wurde.

Unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) richtete die Ukraine einen Seekorridor ein, der aus ihren Hoheitsgewässern in die Küstengewässer Rumäniens, Bulgariens und der Türkei führt. Ziel ist es, Handelsschiffen eine sichere Passage zu ermöglichen und die Versorgung über die Seewege aufrechtzuerhalten. Damit sollten Besatzungen geschützt, der Export ukrainischer Agrargüter erleichtert und ein Beitrag zur Stabilisierung der weltweiten Nahrungsmittelversorgung geleistet werden.
Mit der IMO-Entschließung A.1183(33) vom Dezember 2023 wurde die Einrichtung dieses besonderen Seeverkehrskorridors begrüßt. Dadurch konnten Handelsschiffe ukrainische Häfen wie Tschornomorsk, Odessa und Piwdennyj verlassen, in denen sie seit 2022 festgelegen hatten.

Nach ukrainischen Angaben ereignete sich der Angriff innerhalb dieses von der IMO begrüßten Seekorridors. Sollte sich der Vorfall bestätigen, würde dies erhebliche völkerrechtliche Fragen hinsichtlich des Schutzes humanitärer Rettungseinsätze und der Sicherheit der zivilen Schifffahrt und deren Besatzungen aufwerfen.
kdk, gCaptain
