Begonnen hatte die 326-tägige Einsatzfahrt des modernsten amerikanischen Flugzeugträgers „USS Gerald R. Ford“ am 24. Juni 2025 in der Naval Station Norfolk an der Ostküste der USA.
Am 16. Mai 2026 lief das Flaggschiff der US Navy nach der längsten Mission eines Trägers seit dem Vietnam-Krieg wieder in seinen Heimathafen ein. Dazwischen lagen Einsätze im östlichen Mittelmeer, Übungen in der Arktis, Drogen und Diktatoren jagen vor Venezuela, Krieg gegen den Iran, aber auch ein Brand in der Bordwäscherei und andere Unannehmlichkeiten, wie verstopfte Toiletten – und kein Landgang für Monate. 100 000 Tonnen Material und 4 500 Personen müssen jetzt für viele Monate wieder hergestellt werden und nicht oder nur begrenzt einsatzfähig sein.
Den Rekord von 332 Seetagen stellte übrigens die „USS Midway“ in den Jahren 1972/73 auf – die „USS Nimitz“ kam sogar auf 341 Tage, bedingt durch längere Isolationsphasen an Land zwecks Eindämmung von Corona-Infektionen an Bord in 2020/21.
Inzwischen macht auch die „USS Abraham Lincoln" Schlagzeilen: Ihr Einsatz dauert bereits neun Monate ohne ein klar absehbares Ende. Dabei hat der Träger zuletzt über 200 Tage in See und im Einsatz ohne einen regulären Hafenaufenthalt verbracht. Zumindest auch das gilt bereits als Rekord für einen modernen US-Flugzeugträger. Allerdings birgt das auch einige Risiken und Nebenwirkungen, über die wir zu gegebener Zeit berichten werden, wenn die derzeit eher emotionalen Berichte belastbaren Fakten gewichen sind. Wie schon der Präsident zur Einsatzdauer sagte: "Not nearly long enough!" – und auch das legendäre "Help is underway!", denn ein weiterer Träger macht sich bereit, die „USS Abraham Lincoln" auf ihrem Kriegsposten abzulösen. Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen – und so wird man noch ein paar weitere Seetage addieren müssen.
ajs


2 Antworten
Lieber Herr Roesner, den Vergleich zwischen dem Einsatz deutscher Hilfskreuzer im Zweiten Weltkrieg halte ich für sehr gewagt. Ich kenne nicht nur die US Navy von innen, einschließlich eines Jahres auf einem Hubschrauberträger im Einsatz, sondern ich habe auch Bernhard Rogges Buch „Schiff 16“ gelesen.
Die Bedingungen damals und heute sind bei Weitem nicht die gleichen. Das operative Tempo, ist auf einem Träger sehr viel höher als auf einem über lange Zeit in den Weiten des Ozeans ohne Feindkontakt operierenden Hilfskreuzer. Wenn wochenlang täglich Flugbetrieb ist, bei dem eine dreistellige Zahl von Flugzeugen startet und landet, gibt es keine Entspannung. Wer seine Unterkunft direkt unter dem Flugdeck hat, kommt während des Flugbetriebs jedenfalls nicht zu Schlaf.
Wenn technische Ausfälle nicht repariert werden können, fehlt es wahrscheinlich nicht an Kenntnissen, sondern an Ersatzteilen oder es liegen IT-Probleme vor, die die Besatzung nicht allein lösen kann. Das mag sogar für die Toilettenanlage gelten.
Auch was die Führung betrifft, gibt es gravierende Unterschiede. Rogge konnte sich seine Besatzung einschließlich der Offiziere und Unteroffiziere handverlesen aussuchen. Das geht nicht, wenn man zehn Träger mit je über 5000 Besatzungsangehörigen besetzen soll. Da hat man den Durchschnitt der Marine an Bord. Alle Vorgesetzten zu entlassen, die mit der Führung unter diesen schwierigen Bedingungen überfordert sind, ist vor diesem Hintergrund jedenfalls keine Option.
Ich will nichts beschönigen und schließe nicht aus, dass auf dem Träger und in der darüber liegenden Kommandostruktur Führungsfehler gemacht worden sind. Die rechtfertigen jedoch in meinen Augen kein derartig hartes Urteil, oder haben Sie persönlich genauere Kenntnis der Situation?
Zur Fahrtdauer: 2 deutsche Hilfskreuzer hatten im 2. WK über 500 Tage ohne Hafen, und die Crews haben es überstanden.
Technische Ausfälle an Bord müssen mit Bordmitteln repariert werden können, geht das nicht, fehlt es an Ausbildung.
Klosetts, Duschen etc. werden durch die Besatzung beim Reinschiff selbst saubergehalten, klappt das nicht, fehlt es an Dienstaufsicht.
Fühlen sich Crewmitglieder psychisch belastet oder ausgebrannt, fehlt es am Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und an Fürsorge durch die Vorgesetzten. Können diese ihren Job nicht machen, sind sie unfähig und gehören entlassen.