Norwegische Zementfabrik Brevik mit CCS-Speicherung. Bild: Heidelberg Materials

Norwegische Zementfabrik Brevik mit CCS-Speicherung. Bild: Heidelberg Materials

CO₂-Speicherung in der Nordsee – Ausbaupläne und Umweltbedenken

Die CO₂-Speicherung in der Nordsee gewinnt politisch an Bedeutung, bleibt aber umstritten. 

Mit dem 2025 beschlossenen Kohlendioxid-Speicherung-und-Transport-Gesetz schuf die Bundesregierung einen rechtlichen Rahmen für die Abscheidung, den Transport und die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid. Anfang 2026 kamen rechtliche Grundlagen für den grenzüberschreitenden CO₂-Transport zur Offshore-Speicherung hinzu. Anfang Oktober unterzeichnete die Bundesregierung zudem Absichtserklärungen über den CO₂-Export nach Dänemark und in die Niederlande.

Die sogenannte Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS) soll insbesondere Industriezweigen - wie der Zementindustrie - helfen, deren Emissionen sich nur schwer vermeiden lassen. Dabei wird Kohlendioxid abgeschieden, komprimiert, transportiert und dauerhaft unterirdisch gespeichert, statt in die Atmosphäre zu gelangen. Für den praktischen Einsatz müssen jedoch Transportwege und Speicherstätten erschlossen und technisch miteinander verbunden werden.

Gegen die geplanten und beim niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) beantragten Erkundungsarbeiten des US-amerikanischen Energiekonzerns ExxonMobil in der zentralen Nordsee wenden sich fünf Umweltverbände, darunter BUND, Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace. Nach ihren Angaben plant das Unternehmen hinter Helgoland Probe-Bohrungen und mehrmonatige seismische Untersuchungen. Die Verbände kritisieren mögliche Folgen für die Meeresumwelt und sehen ungeklärte rechtliche sowie umweltfachliche Fragen. Besorgt sind sie insbesondere wegen möglicher Auswirkungen des Unterwasserlärms auf Schweinswale. Dieser könne die Tiere noch in bis zu zwölf Kilometern Entfernung zur Meidung des Gebiets veranlassen. Da zwei Schutzgebiete nach Verbandsangaben nur rund 8,8 Kilometer entfernt liegen, seien Beeinträchtigungen nicht auszuschließen. Auch Fische und Plankton könnten betroffen sein.

Die Auswirkungen der Erkundungsarbeiten sind von den Risiken einer späteren Speicherung zu unterscheiden. Ein Feldexperiment in der Nordsee untersuchte die Folgen austretenden Kohlendioxids (CO₂) für das Meeresökosystem. Demnach war die Versauerung des Bodenwassers unter den untersuchten Bedingungen begrenzt. Als mögliche Einflussfaktoren gelten die vorhandenen CO₂-Konzentration im Nordseewasser, starke Gezeitenströmungen und der Wasseraustausch mit dem Atlantik. Helmholtz KLIMA verweist auf seiner Helmholtz-weiten Dialog-Plattform für klimarelevante Forschung auf diese Ergebnisse, dass die Offshore-Speicherung von CO₂ unter den jeweiligen Bedingungen (Geologie, mögliche Leckagen und die Empfindlichkeit der betroffenen Ökosysteme) meeresökologisch vertretbar sein kann. Eine generelle Entwarnung für sämtliche Speicherstandorte lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Mit den politischen Vereinbarungen ist der Aufbau einer grenzüberschreitenden CCS-Infrastruktur nicht abgeschlossen. Leitungen und Speicherstätten müssen geplant, genehmigt und erschlossen werden. Hinzu kommen technische Anforderungen, mögliche Umweltverträglichkeitsprüfungen und weitere Genehmigungsverfahren. Mit Einwänden von Umweltverbänden ist angesichts der bestehenden Kritik zu rechnen. Ob und wann sich die geplanten Vorhaben umsetzen lassen, hängt daher nicht allein von den politischen Vereinbarungen, sondern insbesondere von den Ergebnissen der Umweltprüfungen und den rechtlichen Verfahren durch die Instanzen ab. Experten und Regierungsstellen gehen davon aus, dass bis zur tatsächlichen, kommerziellen Verpressung von CO₂ unter dem deutschen Meeresboden – sofern alle Genehmigungen erteilt werden – noch 7 bis 10 Jahre vergehen werden.

kdk, NDR, Helmholtz KLIMA

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