Myanmars erste Eigenbau-Fregatte Aung Zeya. Foto: Sasuke

Myanmars erste Eigenbau-Fregatte Aung Zeya. Foto: Sasuke

Fregatte Myanmar: Eine unbekannte Größe

Die Marine der Republik Myanmar, die geographisch zwischen Indien, Bangladesch, Thailand und der Volksrepublik China liegt, befindet sich seit einigen Jahren in einem umfangreichen Flottenerneuerungsprogramm, das von westlichen Medien bisher fast nicht wahrgenommen wurde.

Die Flotte der Marine von Myanmar setzt sich zusammen aus einer bunten Mischung unterschiedlichster Einheiten aus den USA, Dänemark, dem ehemaligen Jugoslawien, Indien und der Volksrepublik China. Zwischen 1998 und 2002 hat CAMC Engineering aus China mit der Modernisierung der bestehenden Anlagen und dem Aufbau eines modernen Werftenkomplexes beim Naval Dockyard Headquarter in Thanlyin (unweit von Yangon) den Grundstein für die heutige Marineschiffbaukapazität in Myanmar gelegt. In den letzten Jahren fand politisch eine größere Annäherung an Indien statt, was sich auch in der stärkeren Zusammenarbeit der Marinen und der Schiffbauindustrien beider Länder manifestierte. Diese Kooperation erreichte am 24. Dezember 2020 ihren bisherigen Höhepunkt, als die indische Marine eines ihrer U-Boote der KILO-Klasse an die Marine von Myanmar transferierte.

Mit der Indienststellung der 77 Meter langen und 1100 Tonnen verdrängenden Korvette UMS ANAWRAHTA (Kennung 771) konnte im Jahr 2001 die erste größere, in Thanlyin endmontierte Marineeinheit in Dienst gestellt werden. Allerdings wurden die verbauten Rumpfsegmente noch in China gefertigt. Neben der 76-Millimeter-Bordkanone von Oto Melara kommen die meisten Waffen- und Bordsysteme wie der Wasserbombenwerfer RBU-1200 oder der Seezielflugkörper C-802 aus Russland und China. 2003 folgte mit der BAYINT NAUNG (772) eine weiteres Schiff der ANAWRAHTA-Klasse, ehe das Korvettenprogramm mit der TABINSHWEHTI (773) im Jahr 2016 abgeschlossen wurde. Die TABINSHWEHTI unterscheidet sich optisch durch Maßnahmen zur Reduzierung des Radarquerschnittes deutlich von ihren älteren Schwesterschiffen.

Korvette Tabinshwehti. Foto: Sasuke

Korvette Tabinshwehti. Foto: Sasuke

Fregatten

Im Jahr 2010 konnte Myanmar mit der 108 Meter langen und 2500 Tonnen verdrängenden UMS AUNG ZEYA (F 11) den ersten Fregatteneigenbau in Dienst stellen, der wie die vorausgegangenen Korvetten mit massiver chinesischer Unterstützung entstand. Die Ausrüstung der von einem Combined-Diesel-and-Diesel-System (CODAD) angetriebenen Fregatte stammt wiederum größtenteils aus Russland, China und Indien. Ehe das eigene Neubauprogramm fortgesetzt wurde, erhielt Myanmar im April 2012 von China zwei ausgemusterte Fregatten des Typs 053 H1 (JIANGHU-II-Klasse) als maritime Schützenhilfe. Mit der KYAN SITTA (F 12) und der SIN PHYU SHIN (F 14) wurden 2014 und 2015 zwei weitere in Myanmar gebaute 108 Meter lange Fregatten in Dienst gestellt, die optisch wie eine verkleinerte Version der zahlreich gebauten chinesischen Fregatte vom Typ 54A wirken. Danach pausierte das einheimische Fregattenbauprogramm für mehrere Jahre.
Anfang 2021 auf Google Earth veröffentlichte Satellitenaufnahmen der Thanlyin Naval Shipyard zeigen mehrere kleinere Einheiten in verschiedenen Baustadien sowie den unfertigen Rumpf eines größeren Schiffes. Entsprechend der Informationen der Internetseite Myanmar Defence Review wird derzeit eine Fregatte mit einer Länge von 135 Metern und einer Verdrängung von 4000 Tonnen gefertigt. Sie soll große Ähnlichkeit mit den indischen Fregatten der SHIVALIK-Klasse haben und mit einem 16 Zellen umfassenden VLS-Senkrechtstartsystem sowie einem Combined-Diesel-or-Gas-Antriebssystem (CODOG) ausgestattet werden.
Im Jahr 2019 hat CAMC Engineering mit der Marine von Myanmar einen Vertrag im Wert von 211 Millionen Dollar geschlossen, der den Bau eines Trockendocks für Schiffe bis zu 40 000 Tonnen umfasst. Geliefert werden soll bis 2025. Momentan wird bei Myanmar Naval Dockyard ein Schiffslift für das Zuwasserlassen von Neubauten verwendet, der nur über eine begrenzte Kapazität verfügt. Wenn das neue Trockendock in Betrieb ist, soll es der Marine von Myanmar möglich sein, noch größere Einheiten zu bauen.

Die 2015 in Dienst gestellte Fregatte King Sin Phyu Shin. Foto: Indische Marine

Die 2015 in Dienst gestellte Fregatte King Sin Phyu Shin. Foto: Indische Marine

Autor: Stefan Ulsamer ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Marinetechnik.

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