Aus den beiden wichtigen Säulen der deutschen maritimen Wirtschaft, dem Schiffbau und der Schifffahrt, mehren sich Rufe nach deutlicherer Unterstützung durch die Politik. So erwartet etwa die IG Metall Küste von der Bundesregierung, dass die angekündigten Aufträge für Forschungs- und Marineschiffe möglichst schnell für Arbeit auf den Werften sorgen und sich dabei die Beschaffungsämter nicht im Vergabedschungel verirren. Die von der IG Metall Küste durchgeführte 32. Schiffbauumfrage bei den Betriebsräten von 42 deutschen Werften habe ergeben, dass mit 14 027 auf den Werften Beschäftigten der bislang niedrigste Wert erreicht sei – ein Rückgang von knapp 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sei Mecklenburg-Vorpommern, wo sich durch die Insolvenz der MV Werften die Zahl der Arbeitnehmer innerhalb eines Jahres halbiert habe. Auch in Hamburg sei die Beschäftigtenzahl um 25 Prozent zurückgegangen.

Diese Abwärtsspirale müsse so schnell wie möglich gestoppt werden, sonst fehle hierzulande die Basis einer funktionierenden Wertschöpfungskette. „Wir brauchen Werften und Zulieferer, die durch den Bau von Frachtschiffen wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern und den Bau von Spezialschiffen einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung und Sicherheit leisten.“

Gaby Bornheim, Präsidentin des Verbands Deutscher Reeder (VDR), erinnerte auf einer Veranstaltung mit Gästen aus der Politik daran, dass Deutschland mit über 1900 Schiffen nach wie vor eine der wichtigsten Schifffahrtsnationen der Welt sei. Politik und Wirtschaft seien angesichts von Klimawandel, Lieferengpässen, Coronapandemie und Ukraine-Krieg herausgefordert, jetzt das Richtige zu tun. Denn nunmehr sei für jeden spürbar geworden, was Versorgungsengpässe bedeuten. „Es geht im Kern um unsere maritime Souveränität angesichts der Krisen und Herausforderungen unserer Zeit. Es geht um einen starken und wettbewerbsfähigen Schifffahrtsstandort Deutschland. Es geht um unsere maritime und wirtschaftliche Unabhängigkeit!“

In Sorge um den maritimen Standort Deutschland

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