Die zunehmende Bedeutung maritimer Infrastrukturen für Energieversorgung, Kommunikation und Logistik rückt deren Schutz verstärkt in den Fokus von Forschung, Behörden, Betreibern und Industrie. Vor diesem Hintergrund fand am 24. und 25. Juni 2026 in Bremerhaven die Fachveranstaltung MARESEC (European Workshop on Maritime Systems Resilience and Security) statt.
Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) federführend organisierte Veranstaltung brachte rund 130 Fachleute aus Forschung und Industrie zusammen. Begleitend wurden Technologien und Anwendungen aus den Bereichen maritime Lagebilderstellung, Sensorik und autonome Systeme vorgestellt.

Im Mittelpunkt standen Verfahren zur Erfassung, Analyse und Bewertung von Aktivitäten auf und unter der Wasseroberfläche. Hintergrund ist die wachsende Bedeutung von Offshore-Anlagen, Unterseekabeln, Pipelines, Häfen und Schifffahrtswegen als Bestandteile kritischer Infrastrukturen. Deren Schutz setzt ein möglichst umfassendes Lagebild maritimer Räume voraus.
Zur Gewinnung entsprechender Informationen untersucht das DLR unterschiedliche technologische Ansätze. Dazu gehören autonome Unterwasserfahrzeuge zur Erkundung des Meeresbodens, glasfaserbasierte Sensorsysteme zur Detektion von Aktivitäten unter Wasser sowie Verfahren der Myonen-Tomographie – ein bildgebendes Verfahren zur dreidimensionalen Abbildung großvolumiger Objekte mittels Myonen der kosmischen Strahlung, mit denen große und dichte Objekte zerstörungsfrei durchleuchtet werden können. Die Kombination dieser Datenquellen soll dazu beitragen, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und die Bewertung potenzieller Risiken zu verbessern.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf satellitengestützten Verfahren zur Beobachtung maritimer Räume. Für den Betrieb von Offshore-Anlagen und für die Sicherheit der Schifffahrt sind aktuelle Lageinformationen von zentraler Bedeutung. Mit dem System MARISS (Maritime Security Service) werden Daten zu Schiffsverkehr, Wind, Seegang, Meereis und Umweltverschmutzungen automatisiert ausgewertet und nahezu in Echtzeit bereitgestellt. Die daraus erzeugten Lagebilder können Behörden, Betreibern und Einsatzkräften als Grundlage für Planung und Entscheidungsfindung dienen. Ergänzend wurden luftgestützte Sensorsysteme vorgestellt, mit denen Drohnen große Seegebiete hochauflösend erfassen können. Die gewonnenen Daten lassen sich für Einsatz- und Führungsprozesse sowie zur Lagebilderstellung nutzen.
Die auf der MARESEC 2026 präsentierten Forschungsarbeiten verdeutlichen die zunehmende Bedeutung vernetzter Sensorik, automatisierter Datenanalyse und autonomer Systeme für den Schutz maritimer kritischer Infrastrukturen. Die Verknüpfung von Daten aus unterschiedlichen Quellen stärkt auch die technologische Souveränität Europas und gilt als wesentliche Voraussetzung für aussagefähige Lagebilder und für eine verbesserte Resilienz maritimer Systeme.
kdk, aus einer Pressemitteilung des DLR

