Foto: Das ehemalige MFG-5-Gelände in Kiel-Holtenau soll teilweise wieder von der Bundeswehr genutzt werden. Archivbild/Kiel-Holtenau, adobestock

Foto: Das ehemalige MFG-5-Gelände in Kiel-Holtenau soll teilweise wieder von der Bundeswehr genutzt werden. Archivbild/Kiel-Holtenau, adobestock

MFG 5 Kiel Holtenau - Marine beansprucht ehemaliges Gelände

Die Bundeswehr kehrt voraussichtlich auf das einst aufgegebene Gelände des früheren Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5) in Holtenau zurück. Damit stehen langjährige Ziele der Stadtentwicklung vor einer grundlegenden Neuordnung.

Foto: MFG 5 in Kiel-Holtenau wird für Bw reaktiviert. Bundeswehr
MFG 5 in Kiel-Holtenau wird für Bw reaktiviert. Foto: Bundeswehr

Dort, wo unter dem Projektnamen Holtenau-Ost ein neues Wohn- und Geschäftsviertel am Wasser entstehen sollte, soll in wenigen Jahren das Seebataillon aus Eckernförde stationiert werden. Die Marine bezeichnet die teilweise Reaktivierung als notwendige Antwort auf die veränderte sicherheitspolitische Lage und auf den geplanten Personalaufwuchs der Bundeswehr.

Einzelheiten regelt ein Abkommen, das Stadt und Bundeswehr in den vergangenen Monaten ausgehandelt haben. Am Mittwoch den 15. April setzten Ulf Kämpfer und Jan C. Kaack ihre Unterschriften unter einen sogenannten Letter of Intent. Diese Absichtserklärung besiegelt die Einigung über das rund 90 Hektar große Areal. Eigentlich hatte die Stadt das Gelände im Jahr 2020 für rund 30 Millionen Euro erworben, um dort einen Stadtteil mit rund 2200 Wohnungen zu realisieren. Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Marine benötigt die Flächen nun selbst, um dort das Seebataillon mit rund 1500 Soldaten unterzubringen. Ein Drittel der Flächen verbleibt bei der Stadt, um rund 700 Wohnungen bauen zu können. Das ist ein Kompromiss, denn Kiel wird durch umfangreiche Ausgleichsflächen entschädigt, die den Bau weiterhin ermöglichen sollen.
Die vorgesehenen Flächen sind das Bundeswehrdienstleistungszentrum und die Belvedere-Kaserne in Kiel Wik, eine ungenutzte Fläche in Meimersdorf südlich der Stadt sowie das Areal des Max-Rubner-Instituts. Damit könnte man optimistisch sogar von mehr als den ursprünglich geplanten Wohnungen ausgehen.

Nach den Worten des früheren Kieler Oberbürgermeisters Dr. Ulf Kämpfer (SPD) war Holtenau-Ost das wichtigste Entwicklungsprojekt der Stadt und ein hochattraktiver Wohnstandort am Wasser. Die Anfrage des Bundes jedoch schlicht zurückzuweisen, sei keine realistische Option gewesen. Zum einen mache die Weltlage auch vor der Kommunalpolitik nicht halt, zum anderen hätte der Bund im Extremfall die Rückgabe der Flächen durchsetzen können. Verhandlungen seien daher für beide Seiten der sinnvollste Weg gewesen. Ähnlich äußerte sich auch der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, der Kämpfer bescheinigte: „Sie haben es uns nicht leicht gemacht.“ Es war ein "intensives Tauziehen" wie das Flensburger Tageblatt am 16. April schrieb, sogar den Grund für die Positionen der Einflugschneiden für Hubschrauber wollte der Oberbürgermeister ganz genau wissen.

Foto: Neue/Alte Bw Liegenschaft in Kiel-Holtenau
Neue/Alte Bw Liegenschaft in Kiel-Holtenau. Quelle: Stadt Kiel

Unklar bleibt, ob und in welcher Höhe die Stadt finanziell entlastet wird. Da die Stadt bereits erhebliche Vorleistungen im Rahmen der Stadtentwicklung erbracht hat, fordert man auch eine Entschädigung. Über Zahlen wurde nicht gesprochen. Gleichwohl zeigte sich Kämpfer überzeugt, man habe erreicht, was erreichbar gewesen sei. Den Abschluss der Gespräche noch vor dem Ende seiner Amtszeit bezeichnete er als persönliche Herzensangelegenheit. Nach zwei Amtsperioden trat er nicht erneut an und schied im April aus dem Amt.

Die politischen Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel spricht von einem „Sechser im Lotto“. Die Linke in der Ratsversammlung lehnt das Ergebnis als „Kapitulation gegenüber der Bundeswehr“ ab und kündigt Widerstand an. Die Grünen stellen die Rückkehr der Bundeswehr nicht grundsätzlich infrage, sprechen jedoch von einem „bitteren Beigeschmack“. Aus der CDU kommt der Vorwurf, in Kämpfers zwölfjähriger Amtszeit seien auf dem seit 2020 städtischen Gelände keine Wohnungen entstanden. Bis zum Abschluss der Vereinbarung wartet nun erhebliche Arbeit auf Kämpfers Nachfolger Dr. Samet Yilmaz (Bündnis 90/Die Grünen) und die Ratsversammlung, die im Juni 2026 zustimmen soll.

Kritische Nachfragen gab es bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung. Betroffen sind unter anderem Mitglieder der Wagengruppe „Schlagloch“, die seit 2024 auf dem Gelände leben, sowie Wohnboote der „Schwentineflotte“ im Plüschowhafen, der von der Marine wieder genutzt werden wird. Auch für rund 600 Geflüchtete, die derzeit in den alten Kasernen untergebracht sind, gibt es bislang keine neuen Standorte. Bislang liegt lediglich die Zusage vor, nach Lösungen zu suchen.

Zur Einordnung: Die Marine hatte das Gelände im Jahr 2013 nach dem Umzug des Mrinefliegergeschwaders 5 nach Nordholz bei Cuxhaven endgültig verlassen. Seither wurde über Jahre geplant und auch Geld investiert. Sichtbare Ergebnisse in Form neuer Wohnungen oder ausgewiesener Gewerbeflächen blieben jedoch aus. Zurück bleibt damit auch ein politisches Versprechen, das viele enttäuscht. Für die Bundeswehr hingegen eröffnet sich die seltene Möglichkeit, an geeigneter Stelle wieder auf ein großes Gelände mit benötigter Hafenanbindung zugreifen zu können.

kdk, hsc, taz, NDR, Flenburger Tageblatt

 

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