Zwischen Bedrohung und Bluff
Wir hören im Rahmen des Iran-Konflikts derzeit häufig vom Minenkrieg und Minen in der Straße von Hormus. Wir sehen im TV als Hintergrund die symbolischen Kugeln mit fiesen Dornen, die uns an bildhafte Viren erinnern. Diese Waffen sorgen für Furcht und Schrecken, man sieht sie nicht, sie kündigen sich nicht an, sie sind hinterhältig und richten enormen Schaden an. Sie versenken Schiffe, hindern die freie Schifffahrt, sind enorm schwierig zu lokalisieren und noch problematischer zu entfernen. Voller Dramatik gestaltet sich derzeit auch die Berichterstattung über mögliches Räumen der Minen im Hormus und eine europäische Beteiligung daran. Aber wie sehen Minen wirklich aus, wie wirken sie, und welche Gefahr beschwören sie? Wie legt man Minen, wie findet man sie, und wann macht Verminung überhaupt Sinn? Bevor die Mythen noch weiter gerankt werden, hier ein Erklärstück für all diejenigen, die sich eine zügige Wissensmitnahme in Sachen Mine wünschen, also nur die wesentlichen Fakten zum Einordnen, oder Mitreden.
Welche Arten von Seeminen gibt es und welches Wirkprinzip steckt dahinter?

Was wir alle im Kopf haben, sind Ankertauminen. Die sind im Prinzip 200 Jahre alt und werden über ein Ankertau knapp unter der Wasseroberfläche gehalten und durch Berührung ausgelöst. Eines der dornenähnlichen Zündhörner wird dabei gebogen und bricht eine Säurekapsel im Inneren, die den elektrischen Kontakt herstellt und die Zündung der Sprengladung bewirkt. Entscheidend ist die richtige Tiefeneinstellung, da zu tiefe oder zu flache Lage die Trefferwahrscheinlichkeit bzw. Tarnung beeinträchtigt. Nach dem Haager Abkommen sollten sie sich beim Aufschwimmen über eine technische Sicherung entschärfen, also beim Losreißen von der Verankerung oder beim mechanischem Trennen durch ein Minenräumgeschirr; das kann jedoch bei alten Minen durchaus versagen. Dann treiben sie an der Oberfläche und werden in diesem Zustand als Treibminen bezeichnet. Die beabsichtigte Herstellung und Verbringung von Treibminen wird als unwahrscheinlich eingestuft, es gibt sie praktisch nicht – es sind nahezu immer nur losgerissene Ankertauminen.

Grundminen liegen auf dem Meeresboden und wirken als Fernzündungsminen auf vorbeifahrende Schiffe. Sie detonieren nicht durch direkten Kontakt, sondern reagieren auf Veränderungen im Umfeld, etwa des Magnetfeldes, der Geräusche, oder des Wasserdrucks. Die Explosion erzeugt eine Gasblase, die den Schiffsrumpf zunächst anhebt und anschließend fallen lässt, was zum Auseinanderbrechen des Schiffes führen kann. Ob eine einzige Mine einen Tanker versenken kann, ist fraglich. Ebenso wenig wird ein großes Kriegsschiff je nach Wassertiefe und Detonationsnähe mal mehr mal weniger gefährdet. In jedem Fall läuft eine Schockwelle durch das Schiff, die Geräte aus Verankerungen reißen, Maschinen zum Stoppen bringen und Menschen erheblich gefährden kann.
Moderne Grundminen kombinieren mehrere Sensorsysteme, können Verzögerungen und Zählwerke besitzen, und so gezielt bestimmte Schiffsarten ansprechen. Ziel einer Mine ist nicht der Minensucher, sondern das wertvolle, große Transport- oder Kriegsschiff.

Neben diesen beiden Arten gibt es spezielle Abwandlungen und besondere Minen, die für den Einsatz in großen Wassertiefen oder gegen Anlandungen entwickelt wurden. Diese Antiinvasionsminen (für Flüsse und Uferzonen) werden in flachem Wasser eingesetzt und sind Landminen nicht unähnlich. Auch sie haben magnetische oder akustische Sensoren und richten sich gegen Landungsboote und Luftkissenfahrzeuge. Ihre Ladung ist gering, aber wirkungsvoll. Typen sind die deutsche "Seemine Antiinvasion" (SAI) DM 51 oder die von Luftfahrzeugen abgeworfene "Quickstrike" der U.S. NAVY. Antiinvasionsminen können auch von Land ein- und ausgeschaltet oder ferngezündet werden.
Torpedominen, wie zum Beispiel die amerikanische MK-60 "Captor", bestehen aus einer Plattform und einem Torpedo, der bei Annäherung selbstständig auf das Ziel losgeht. Es gibt außerdem Torpedos, die nach dem Einsatz als Grundmine liegenbleiben, etwa die MK-67, die als modifizierter MK-37-Torpedo mit zusätzlichen Zündeinrichtungen von U-Booten abgefeuert wird – sinnvoll für Gewässer, die vom Gegner kontrolliert werden oder zu flach sind. Der Iran verfügt über Minen mit eigenem Antrieb, darunter die EM-52, die als „Steigmine“ an die Oberfläche schießt. Weitere neuere Minen wie die EM-56 kann selbständig die Position verändern, was eine Minenabwehr deutlich erschwert.
Wie legt man sie – und womit?

Grundsätzlich kann jedes Seefahrzeug Minen legen, das kommt auf die Größe an. Ankertauminen und Seegrundminen deutscher Bauart zum Beispiel werden auf Rollgestellen über spezielle Schienen an Oberdeck zur Ablaufbühne geführt und ins Wasser „gelegt“, wie man sagt. Je nach Typ und Sprengladung variiert das Gewicht von 500kg bis rund 1000kg. Minen auf den oft erwähnten iranischen Kleinstkampfbooten (nicht Schnellboote) können daher nur in geringer Stückzahl und als leichte Mine mit geringer Sprengladung verbracht werden. Militärische Minenleger – das können Minensuch- und Schnellboote in ihrer alternativen Rolle sein – haben meist rund 30-40 Minen an Bord. Das Minenlegen erfolgt nach taktischer Bewertung des Seegebietes und der Definition des militärisch zu erreichenden Zustandes. Jedes Minenfeld unterliegt einer vorherigen exakten Planung mit einer Dokumentation, die späteres Räumen punktgenau ermöglicht. Ein planloses Werfen von Minen ist eher als Verzweiflungstat zu werten, besonders vor der eigenen Küste. Achtung: Minen verändern die Geografie, sowohl für den Angreifer als auch für den Verteidiger. Sind Minen erst scharf im Wasser, gibt es unter Kriegsbedingungen kein Zurück mehr. Man muss sich vorher also darüber im Klaren sein, ob man mit der Beschädigung von Öltankern eine Umweltkatastrophe vor der eigenen Küste in Kauf nehmen kann, oder nicht. Ein Gedanke, den man beachten muss, wenn man den Gerüchten um gelegte Minen Glauben schenken will. Psychologisch reicht die simple Behauptung, dass man Minen gelegt habe, um Alle zu verschrecken und die Schifffahrt lahmzulegen. Minen behindern nämlich auch die eigene und freundliche Schifffahrt.
Wie räumt man eigentlich Minen?
So vielfältig wie die Minenbedrohung ist, so vielfältig sind auch die Methoden des Minenräumens. Minenkriegführung (Mine Warfare) ist perfide – und wer weiß, wie man Minen räumt, weiß auch um die Schwachstellen, die wiederum in die Entwicklung neuer Minentypen einfließen. Das Minenlegen kann nahezu von jeder Plattform aus erfolgen, auch von Luftfahrzeugen und U-Booten, das Räumen jedoch ist erheblich aufwendiger. Minenräumen benötigt also Fachwissen über Minen, es benötigt speziell ausgebildetes Fachpersonal, es benötigt speziell gerüstete Einheiten – und es benötigt Zeit! Die Mine im Wasser kann warten, sogar Jahre. Die Minenabwehrfahrzeuge können aber erst mit ihrem langwierigen Job anfangen, wenn das Umfeld hinlänglich sicher ist. Und da die Schifffahrt aber auch nicht warten kann, ist es im Einsatz wichtiger, sich zunächst auf sogenannte „Räumkanäle“ zu konzentrieren und sichere Durchwegungen frei zu räumen, als komplette Seegebiete abzusuchen.

Die Methoden des Räumens richten sich nach den Erkenntnissen, welche Minen oder welcher Mix verbracht wurde und im Räumgebiet zu erwarten ist. Ankertauminen werden mit einem geschleppten Geschirr mechanisch bzw. mit kleinen Sprengsätzen von ihrer Ankerkette getrennt, schwimmen dann auf und können durch Sprengladungen vernichtet werden. Diese schwimmenden Minen (Treibminen, siehe oben) sind stets gefährlich. Sie durch Beschuss zum Detonieren zu bringen, ist schwierig und mit hohem Munitionsaufwand verbunden (der Autor weiß, wovon er schreibt). Das macht wenig Sinn, zumal dabei der Hohlkörper gebrochen werden kann, ohne die Ladung zu Zünden. Wenn dann die Mine absinkt, ist sie zwar unsichtbar, aber weiterhin hoch gefährlich.
Mechanisches Minenräumen wurde im letzten Weltkrieg sogar von kleinen Zerstörern durchgeführt. Schon lange ist diese alte Methode durch den Einsatz von ferngelenkten Drohnen abgelöst worden. Daher spricht man auch heute von der Minenjagd. Apropos Zerstörer: Eine Nachrichtenmeldung behauptete, dass amerikanische Zerstörer zum Minenräumen durch die Straße von Hormuz gefahren seien. Der Leser möge am Ende des Textes selbst beurteilen, wie wahrscheinlich das sein kann.
Grundminen und Spezialminen kann man vereinfacht dargestellt mit zwei Methoden räumen: Mit dem Simulationsräumen und der Minenjagd. Beim Simulationsräumen werden durch ein geschlepptes Geschirr das Magnetfeld und die akustische Signatur eines Schiffes generiert. Dieses Geschirr besteht im Wesentlichen aus einem gigantischen Stromkabel und geschleppten Geräuscherzeugern. Mit hohen Stromstärken und verschieden einstellbaren Frequenzen kann man den Minen jegliche Art von Schiff vorgaukeln, um ihren Schalter auszulösen – um sie zum "Umsetzen" zu bringen. Da bei dieser Methode die Minen von der Minenräumeinheit überlaufen werden müssen, sind Minensucher so konstruiert, dass sie amagnetisch wirken und leise sind (früher Holz-, heute GFK-Rümpfe, oder amagnetischer Stahl). Seit den achtziger Jahren – lange, bevor man so etwas "Drohnen" nannte – nutzt die Bundesmarine/Deutsche Marine als Alternative unbemannte Kleinfahrzeuge, sog. Fernräumgeräte oder "Seehunde", die mit entsprechender Ausrüstung ein großes Zielschiff simulieren können. Das ist technisch aufwendig und langwierig, es geht heute aber sicherer und schneller: Mit der Minenjagd. Während man sich die vorgenannten Methoden noch irgendwie auf anderen Kriegsschiffen provisorisch vorstellen könnte, ist die technisch komplexe Minenjagd ein Fall für absolute Spezialisten. Minenjäger haben im Bug ein Sonar (hull mounted), welches für das Absuchen des Meeresbodens ausgelegt ist. In einem ausgeklügelten Detektions- und Identifizierungsverfahren – gepaart mit seemännischem Geschick – werden kabelgebundene oder selbstlenkende Drohnen an die Mine heran gesteuert und legen Sprengladungen ab, die das Objekt zerstören. Diese Drohnen können sowohl mit Kameras als auch mit eigenen Sonaren bestückt sein. Ist eine Sprengung der Mine nicht ratsam, sei es in Häfen oder in der Nähe kritischer Infrastruktur, kommen Minentaucher zum Einsatz. Diese hochspezialisierten Kampfmittelbeseitiger entschärfen die Mine unter Wasser. Für deren Einsatz wurden eigens Tauchereinsatzboote – prinzipiell spezialisierte Minensuchboote – konzipiert, die unter anderem mit Druckkammern und umfassendem Tauchgerät ausgerüstet sind.
Was kann die Deutsche Marine?

Die Deutsche Marine verfügt über ein gut gerüstetes Minensuchgeschwader (3. MSG) in Kiel, welches nahezu allen gängigen Minenbedrohungen etwas zu entgegnen hat. Es ist das einzig verbliebene Minensuchgeschwader, das noch über zehn Boote der Frankenthal-Klasse in verschiedenen Ausrüstungs- und Entwicklungsstufen verfügt. Dort beherrscht man alle oben genannten Räumverfahren einschließlich des Einsatzes von Minentauchern, gleichwohl wurde inzwischen auf mechanisches Räumen verzichtet. Die Marine nennt es „verbundene Seeminenabwehr“. Da die Minentaucher vor Jahren bereits im Seebataillon gebündelt wurden, müssen sie für Einsätze auf den Minentaucherbooten eingeschifft werden. Die Boote der Frankenthal-Klasse aus amagnetischem Stahl sind die letzte Evolutionsstufe mehrerer Generationen von Minensuchern, deren Aufgabe im Kalten Krieg im Rahmen der Verteidigung des NATO-Territoriums das Freihalten der Ostseezugänge war. Sie sind zwar bereits rund drei Jahrzehnte im Dienst, aber es ist eine stets modernisierte und sehr robuste schiffbauliche Konstruktion. Nach der Wiedervereinigung blieb für die Minenabwehrkräfte der Deutschen Marine die unendliche Aufgabe des Säuberns der Nachkriegs-Ostsee von tausenden Minen und enormen munitionstechnischen Altlasten. Die daraus resultierenden Erfahrungen führten zu einer Expertise in der Marine und in der deutschen Schiffbauindustrie, die in der NATO einzigartig war. Zugleich war die ehemalige Flottille der Minenstreitkräfte die umfangreichste Flottille der Marine – ausgestattet mit modernsten Sonaren und Fernlenksystemen, versehen mit konzeptionell ausgeklügelten Verfahren. In zahlreichen NATO-Manövern zeigt man durchgängig auf Augenhöhe mit anderen „Minensuch-Nationen“ wie Dänemark, Niederlande, Belgien und Frankreich, was man kann – häufig auch in der Führungsrolle. Viele Marinen haben deutsche Konzepte übernommen und für sich adaptiert. Andere Staaten wie Indonesien haben kürzlich neueste Einheiten von deutschen Werften erworben, oder lassen sie, wie z.B. die Türkei, in Lizenz nachbauen.
Es bewährt sich heute, dass man in den letzten Jahrzehnten der Abrüstung zäh an diesen Fähigkeiten festgehalten hat und mit enormem Aufwand einen noch größeren Wissensverlust zu verhindern wusste. Aufgaben, wie Patrouillen im Mittelmeer (UNIFIL), waren dem fachlichen Ausbildungsstand nicht zuträglich. Erst mit der jüngsten Entwicklung in der Ostsee, der Fokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung, erinnert man sich an die Hüter der verborgenen Schätze – oder besser auch Hüterinnen, denn in diesem Geschwader waren die ersten weiblichen Kommandanten zu finden. Diesen Kampfverband führt derzeit übrigens die erste weibliche Kommandeurin.

Bedauerlicherweise lagen die deutschen Prioritäten der letzten Jahre nicht auf Minenjagdbooten. Minenabwehr ist eher ein seemännisch anspruchsvolles Handwerk, denn operativ-taktische Kunst, daran ändert auch die Flugabwehr-Bewaffnung wenig. Man schaute mehr auf prestigeträchtige Kampfeinheiten wie Fregatten für den weltweiten Einsatz. Das Ergebnis ist nach mehreren konzeptionell komplizierten und verworfenen Nachfolge-Ansätzen und mehrfach verschobener Neubeschaffung erschütternd, aber nicht hoffnungslos: Die alten Einheiten werden mühevoll modernisiert und lebenserhaltend gewartet, bis ein Nachfolgesystem fertig entwickelt ist. Basierend auf den Plänen der Marine hat eine deutsche Werft bereits ein System „in der Schublade“, das die Weiterentwicklung unbemannter Systeme stark berücksichtigt. Für einen Einsatz im Persischen Golf nützt das allerdings noch nicht.
Was kann die Marine im Iran Konflikt leisten?
Der Slogan der Kieler „Mineure“ lautet: „Wir machen die Seewege sicher!“ Gerade in der aktuellen Lage zeigt der Verband seinen grundsätzlichen Wert in der Ostsee. Und was man in der Ostsee kann, gilt auch für den Persischen Golf: Man könnte also – wenn man ein paar Bedingungen beachtet. Aber es wird kein „Spaziergang“ werden – es wird einen enormen Aufwand kosten. Zunächst muss durch Aufklärung und Informationen der Geheimdienste bekannt sein, welche Minenbedrohungen vorliegen, um das ohnehin riskante Vorgehen als machbar einschätzen zu können. Und im Seegebiet sollte eine Waffenruhe herrschen, denn unter Bedrohung durch Flugkörper und bewaffnete Speedboote kann man verantwortungsbewusst für Leib und Leben keine Minen räumen. Die größte Herausforderung ist jedoch das Verlegen dorthin: In jeglicher Hinsicht ein enormer Kraftakt – logistisch, operativ und zeitlich. In den Jahren 1990/91 hatte die Marine im Nachgang zum Golfkrieg bereits mit der „Operation Südflanke“ bewiesen, dass sie dieser Aufgabe anerkanntermaßen gewachsen ist. Aber damals gab es noch ein halbes Dutzend voll einsatzfähige Minensuchgeschwader. Zudem war die Wehrpflicht noch nicht ausgesetzt, was die personelle Situation entspannter gestaltete, als heute. Die Erfahrungen aus diesem Einsatz sind hoffentlich gut dokumentiert! Klar ist: Die nachwirkenden logistischen „Schäden“ eines derartigen Einsatzes aufzuarbeiten dauert mehrere Jahre. Auch die Anerkennung des Geleisteten blieb – den Umständen dieser Jahre geschuldet – gering. Das kann und muss man heute professioneller gestalten können.
Politischer Wille?

Letztendlich muss es vorrangig eine politische Grundsatzentscheidung sein, wichtige Einheiten aus der Ostsee abzuziehen und mit ihnen im Golf deutsche Interessen zu vertreten. Dabei geht es nicht darum, der mächtigen US-Navy zu helfen, deren limitierte Minenabwehrfähigkeit sich selten mit den Leistungen der europäischen Verbündeten hat messen können – trotz des neuen Minenabwehrmoduls (Mine Countermeasures Mission Package) der LCS-Trimarane der amerikanischen Independence-Klasse. Es geht eher darum, den befreundeten Staaten am Golf zu helfen, die die Hauptlast des Krieges zu tragen haben. Davon hätte Deutschland nachhaltig etwas. Das muss Berlin entscheiden – nicht Rostock.
hsc, ajs


7 Antworten
Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr informativen Artikel und Meinungsaustausch im Kommentarbereich (da insbesondere die ergänzenden Fakten (!!) ) von Axel Stephenson. Als Schnellbootfahrer hat man zwar schon Mal (Übungs-) Minen gelegt. Aber das Minenräumen ist eben schon ein sehr besonderes und schwieriges „Handwerk“.
Ob andere Medien von dieser Schatzkiste voller Informationen Kenntnis nehmen und die Fakten weiterverbreiten? Leider wohl eher nicht. Denn Halbwissen verkauft sich besser.
Vielen Dank für diese übersichtliche Zusammenfassung, die auch (oder gerade) für „Nicht-Mineure“ eine bessere Einordnung der aktuellen Diskussion erlaubt. Hoffentlich findet der Artikel eine breite Leserschaft, um die heute zahlreichen Veröffentlichungen oder Meinungen zur Thematik besser einordnen zu können.
BZ! Jetzt wäre noch interessant, wie die Tiefenverhältnisse in der Str.v.Hormuz sind, d.h. wo muss man mit Minen der diversen Typen rechnen und wo eher nicht. Die ganze Strasse kann wohl nicht komplett zu sein.
Mfg Matthias Roesner
Zu den Tiefenverhältnissen in der Straße von Hormus liefern zwei Quellen allgemein lesbare Angaben.
1. Wikipedia unter „Straße von Hormus“ mit einer Karte (samt Seegrenzen und Trennungsgebieten) und einem Tiefenprofil als Querschnitt von Süd (Oman) nach Nord (Iran):
https://de.wikipedia.org/wiki/Straße_von_Hormus#/media/Datei:Ct002935.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Straße_von_Hormus#/media/Datei:Querschnitt_durch_die_Straße_von_Hormus.svg
2. i-Boating unter fishing-app.gpsnauticalcharts.com mit hochauflösendem Kartenmaterial „Gulf of Oman to Shatt al Arab“:
https://fishing-app.gpsnauticalcharts.com/i-boating-fishing-web-app/fishing-marine-charts-navigation.html?title=Strait+of+Hormuz+boating+app#9.22/26.5055/56.7751
Viel Spass beim Kartenlesen!
Die tiefere Seite der Straße von Hormus ist eindeutig die südliche Hälfte, dort, wo auch die vereinbarten Schifffahrtswege verlaufen. Richtig tief ist es zwischen den omanischen Festlandsfelsen und der nördlich vorgelagerten Insel „Little Quoin“. Wenn der Iran also behauptet, die Straße von Hormus sei vermint, dann müssen folglich iranische Unterwasserwaffen auf omanischem Territorium platziert worden sein. Kein Wort dazu vom Oman – kann das sein?
Der vom Iran für „befreundeten Schiffsverkehr“ frei gegebene Korridor nördlich um die Insel Larak herum führt ausschließlich durch iranische Hoheitsgewässer – quasi in Sicht- und Reichweite der Küstenwachstellungen entlang der Insel Qeshm. Diesen Verkehr können die USA nicht direkt vor Ort, sondern nur außerhalb der Meerenge blockieren – auch eine Herausforderung.
Die Lage bleibt dynamisch.
Axel Stephenson
Redaktion marineforum
Ergänzung:
Die Arleigh-Burke-Klasse kann Module einbauen und mitnehmen, somit kann auch eine MCM Komponente mitnehmen und Minenjagd machen.
Eine Bekämpfung kann auch aus einem CH 53 mit Seefuchs C erfolgen.
Somit sind die oben genannten Zeilen sehr arrogant „Apropos Zerstörer: Eine Nachrichtenmeldung behauptete, dass amerikanische Zerstörer zum Minenräumen durch die Straße von Hormuz gefahren seien. Der Leser möge am Ende des Textes selbst beurteilen, wie wahrscheinlich das sein kann…“
Edit: es heißt nicht „Dornen“ sondern Stoßhörner.
Die Technik, die in der Deutschen Marine heute zum Einsatz kommt, ist total veraltet. Man starrt stundenlang auf Monitore und hofft was zu finden (das Wasser spielt die größte Rolle). Wenn die Sonarbedingungen nicht gegeben sind, dann kann man auch keine Minenjagd durchführen.
Die Boote selbst sind schon alle über 30 Jahre alt und sollen noch bis 2040 am leben gehalten werden. Hier hat man schon viel zu lange eine Neubeschaffung verschlafen. Stattdessen quälen sich die Besatzungen damit ab, ständig mit mühevoller Arbeit, die Boote am laufen zu halten, das kostet Zeit, Nerven und Unmengen an Geld.
Zum Punkt Grundmine: „Ob eine einzige Mine einen Tanker versenken kann, ist fraglich.“
Geht es darum oder wofür wurden Minen entwickelt? Eine Grundmine könnte bei jedem Tanker einen riesigen Schaden anrichten, woraufhin das Schiff mehrere Monate ausfallen würde oder gar verschrottet oder abgewrackt werden müsste, die Kosten kann sich jetzt jeder selber ausmalen und die Abschreckung wäre immens. Zivile Schiffe haben nicht die Manpower, um solche großen Löcher im Rumpf zu stopfen, geschweige Material.
Zum Punkt Was kann die Marine im Iran Konflikt leisten: „Und was man in der Ostsee kann, gilt auch für den Persischen Golf: Man könnte also…“ Die Ostsee mit dem Persischen Golf gleichzusetzen, da gehe ich auf gar keinen fall mit. Das hat was mit der Technik der Boote zu tun, aber was weiß ich schon…
Danke für den etwas eckigen Kommentar, dem eine richtigstellende Antwort der Redaktion nicht verwehrt bleiben soll.
1. „Dornen“ oder “Stoßhörner“ – bleiben wir lieber beim offiziellen ZÜNDHORN.
2. Könnte – hätte – Ankerkette! Arrogant oder provokant – es geht hier um die Plausibilität des Nachrichteninhalts: Ein Arleigh Burke-Zerstörer kann Vieles, was den Überwasser- und Luftraum angeht (See-/Luftziele) – er kann Einiges, was den Unterwasserbereich abdeckt (U-Jagd) – wozu er allerdings nur sehr bedingt geeignet ist, das sind das Absuchen des Meeresgrundes nach verlegten/verankerten Minen und das gezielte Räumen dieser Waffen. Es sei denn, er löst sie selber aus – dann ist diese Mine zumindest „geräumt“ – der Zerstörer allerdings auch gravierend beschädigt. Und dann ist er nicht mehr zu dem fähig, wozu er eigentlich konzipiert war, nämlich das Sichern eines Flugzeugträgerverbandes im freien Seeraum.
Bei der gewählten Formulierung geht es der Redaktion marineforum lediglich um den Hinweis an die Leserschaft, dass man nicht allen Meldungen auch bekannter Medien-Portale und -Redaktionen unbedingt Glauben schenken darf. Dort sucht man spektakulär formulierte Überschriften ohne tiefere Detailkenntnisse, denn nur in den seltensten Fällen verfügen diese Redaktionen tatsächlich über Marineexpertise.
3. Einheiten der US-Navy haben schon verschiedentlich Minentreffer erlitten, ohne dass sie versenkt wurden.
1988 traf die Fregatte USS Samuel B. Roberts (FFG 58, Oliver Hazard Perry-Klasse) auf eine iranische Mine (M-08) mitten im Persischen Golf, als sie während des iranisch-irakischen Krieges Öltanker des Irak eskortierte und in ein frisch gelegtes Minenfeld lief. Dabei wurden der Kiel der Fregatte gebrochen und ihre beiden Gasturbinen aus den Verankerungen gerissen. Nach fünf Stunden Brand- und Leckabwehr – während der die Fregatte bis auf wenige Minuten jedoch durchgehend kampffähig blieb – konnte sie wieder geringste Fahrt aufnehmen. Nach einem Notdocken in Dubai und der einjährigen Reparatur in den USA fuhr die USS Samuel B. Roberts noch weitere 30 Jahre zur See – dabei mehrfach im Einsatz auch im Persischen Golf.
Der amphibische Angriffsträger USS Tripoli (LPH-10, Iwo Jima-Klasse) lief 1991 im nördlichen Persischen Golf auf eine irakische Ankertaumine, die ein 5×7 Meter Loch in den Steuerbord-Bug riss, das Schiff aber nicht daran hinderte, nach 20 Stunden Schadensabwehr seinen Aufgaben als Führungseinheit der hubschraubergestützen amerikanischen Minenabwehr im Persischen Golf nachzukommen.
Nur wenige Stunden nach dem Minentreffer auf der USS Tripoli traf es die USS Princeton, einen AEGIS-Kreuzer der Ticonderoga-Klasse, der während Operation Desert Storm südlich des Flussdeltas vom Shatt al Arab patrouillierte: Eine Grundmine zündete unter dem Backbord-Ruder, eine weitere zündete (möglicherweise durch die Druckwelle) vor dem Steuerbord-Bug. Trotz erheblicher Schäden fiel das Waffeneinsatzsystem lediglich für eine Viertelstunde aus. Ein kanadischer Zerstörer unterstützte den Kreuzer über 30 Stunden, ein Minensucher geleitete ihn anschließend aus dem Minenfeld. Nach achtwöchigen Reparaturen in Häfen von Bahrain und Dubai konnte die USS Princeton auf eigenem Kiel in die USA zurückkehren – sie ist heute noch im aktiven Dienst.
Soviel zu den Auswirkungen einiger Minentreffer der letzten Jahrzehnte auf Kriegsschiffe.
4. Dass Sie mit den Besatzungen unserer Minenjagdboote der Frankenthal-Klassen ob des Alters ihrer Plattformen mitleiden, das ehrt Sie. Die Dinge schlecht zu reden, trägt angesichts eines begrenzten Wehretats jedoch nicht zur Lösung bei. Zwar werden immer wieder neue Minenabwehr-Systeme getestet und eingesetzt, um ausreichend mit der Entwicklung von Technologie und Bedrohung Schritt halten zu können, aber das macht die Boote an sich nicht jünger. Da hilft es auch nicht, wenn man feststellen kann, dass es anderen Marinen nicht wesentlich besser geht. Das Blatt hat sich in den letzten Jahren allerdings gewendet: Derzeit laufen bei unseren europäischen Nachbarn einige Neubauprojekte und Konversionen von zivilen Unterstützungsplattformen zu Minenabwehr-Mutterschiffen – und selbst in Deutschland wurden neueste Minenjagdboote gebaut, leider auf indonesische Rechnung, wohin sie auch geliefert wurden. Mit der Sperrung der Straße von Hormus wird die Bedeutung der Minenabwehr auch der deutschen Bevölkerung wieder bewußt – und das lässt erwarten, dass von rüstungsplanerischer und finanzpolitischer Seite einige Prioritäten neu gewichtet werden (ministeriell ausgedrückt)!
5. Der Persische Golf ist nicht die Ostsee, das ist richtig. Deutsche Minensucher waren jedoch bereits im Rahmen der Operation Südflanke nach dem 2. Golfkrieg vom August 1990 bis September 1991 im nördlichen Persischen Golf im Einsatz, um zusammen mit anderen Minenstreitkräften die vom Irak verlegten Minen zu räumen. Warum sind diese Boote denn überhaupt dorthin gerufen worden? Weil sie es konnten. Und auch wenn es jetzt erneut zu einem Einsatz deutscher Minenjagdboote im Persischen Golf kommen sollte – wie heißt ein deutsches Sprichwort, wenn man vor einer echten, aber machbaren Herausforderung steht? „Die schaffen das!“
Axel Stephenson
Redaktion marineforum