Warnung der Marineschifffahrtleitung
Die Lage im Persischen Golf ist nach wie vor hochdynamisch. Die US-Streitkräfte haben im letzten Berichtszeitraum seit einer Woche mehrfach Angriffe auf Ziele an Land und auf Boote, die im Verdacht standen Minen zu verlegen, durchgeführt. Dies geschah gemäß US-Angaben im Rahmen der Selbstverteidigung. Der Iran kündigte daraufhin Vergeltungsmaßnahmen an. Nach Medienangaben wurden laut dem Iran bereits ein US-Luftwaffenstützpunkt angegriffen und in Kuwait wurde die Flugabwehr aktiviert. Der Stand der Verhandlungen ist aufgrund der unterschiedlichen Aussagen aus beiden Lagern derzeit unklar.
Die US-Seeblockade iranischer Häfen und Küstengewässer ist weiterhin aktiv. Diese soll bereits 100 Schiffe davon abgehalten haben aus oder in iranische Häfen zu gelangen. Eine Gefahr durch Minen, fiktiv oder faktisch, im Bereich der Straße von Hormus kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Störungen von AIS und GPS sind immer noch vorhanden, jedoch gegenüber März deutlich reduziert. Die Störungen treten unregelmäßig und lokal auf. In den letzten Tagen traten vermehrt Störungen vor dem saudi-arabischen Hafen Yanbu im Roten Meer und in der Straße von Hormus auf.
Lagedarstellung
Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 34 Handelsschiffe angegriffen und haben teils schwere Schäden erlitten. Seit der letzten Lage vom 21.05.2026 gab es keinen bestätigten Angriff gegen Handelsschiffe. Im Somalibecken und indischen Ozean herrscht derzeit ein südwestlicher Monsun mit einer Wellenhöhe um 2 m. Daher wird davon ausgegangen, dass in diesem Gebiet zurzeit kleine Boote nicht für Angriffe auf Handelsschiffe genutzt werden können. Im Golf von Aden gab es im letzten Berichtszeitraum mehrere verdächtige Annäherungen und es wird derzeit von zwei aktiven Piratengruppen ausgegangen. Tatsächliche Angriffe wurden jedoch nicht gemeldet, die Warnstufe für Bab al-Mandab, Golf von Aden und südliches Rotes Meer ist immer noch als moderat einzustufen. Dennoch gilt für die somalische Küste und das Somalibecken weiterhin ernsthafte Warnungen.
Seit einer Woche gab es keine Angriffe auf Häfen oder maritime Infrastruktur. Gemäß AIS-Daten und nach Rücksprache mit Reedereien sind rund 153 Schiffe mit deutschem Bezug in der Area of Interest (siehe Anlage), davon 45 Schiffe im Persischen Golf. Es wurden bis jetzt drei Schiffe mit deutschem Bezug angegriffen. Die aktuelle Lage für die Schifffahrt im Persischen Golf und den angrenzenden Gewässern ist weiterhin von einer massiven Bedrohung geprägt. Die erneuten Angriffe der USA können zu weiteren Vergeltungsschlägen des Irans führen. Zudem ist unklar, wie die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien voranschreiten und welche Auswirkungen die Angriffe auf diese haben. Auch die Seeblockade der USA bleibt weiterhin bestehen und trägt nicht zu einer Harmonisierung bei.
Weiterhin bleibt das operative Risiko durch technische Störungen hoch. Die massiven GPS-Manipulationen im gesamten Sektor sind im Vergleich mit März zurück gegangen sind, dennoch zeigen aktuelle Information eine erneute Aufnahme von lokalisierten Störungen. Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen, vor allem für Angriffe im Persischen Golf besitzt.
Die Gefährdungslage für Schiffe und Besatzungen ist weiterhin Komplex. Operativ bleibt die Lage durch die verfestigten Blockaden und die Möglichkeit weiterer Angriffe in der Straße von Hormus kritisch. Das Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf und Anschlussregionen ist weiterhin als sehr kritisch einzustufen.
Text: Marineschifffahrtleitung Marinekommando Hamburg


