Kurz vor Weihnachten passierte es dann doch: Auf dem zur Reparatur und Modernisierung in Murmansk liegenden russischen Flugzeugträger "Admiral Kuznetsov" brach erneut ein Feuer aus, das aber diesmal zügig und ohne nennenswerte Personenschäden unter Kontrolle gebracht werden konnte. So etwas passiert während Werftliegezeiten und es wäre eigentlich keine Meldung wert, wenn Moskau nicht zu Zeiten schlechter Nachrichten aus der Ukraine zumindest zuhause stolze Flaggschiffe, Neubauten, Stapelläufe und Indienststellungen präsentieren wollte (siehe dazu Berichte an anderer Stelle). Denn der etwas glücklose Verlauf der mittlerweile fünf Jahre währenden Arbeiten am größten Kriegsschiff und einzigen Träger der Russischen Föderation spielt Moskau nicht gerade in die Hände. Man erinnere sich an das gesunkene Schwimmdock PD-50, dem darin befindlichen Träger, dem ersten großen Brand an Bord vor ziemlich genau drei Jahren und endlosen Listen unerledigter und unvollständig ausgeführter Reparaturen.

Baldige Wiederinbetriebnahme?

Die Arbeiten verzögern sich eben, so heißt es, aber 2024 sei das Jahr, in dem der Träger in operativer Frische auferstehen und seinen Flottendienst für weitere zehn bis fünfzehn Jahre wieder aufnehmen soll - dann wird die Grundsubstanz allerdings bereits 40 Jahre alt sein. Es ist kein Geheimnis, dass je länger ein Schiff in der Werft liegt und je älter sein Kiel, umso schwieriger für Besatzung und Logistik die Aufgabe, die immanenten Risiken zu beherrschen und es am Schwimmen zu halten, geschweige denn es zum Fahren zu bringen und im einsatzfähigen Betrieb zu halten. Eine gewisse Skepsis ist da nicht ganz unbegründet.

Russischer Flugzeugträger: Werftliegezeit und Spekulationen
Russischer Flugzeugträger: Werftliegezeit und Spekulationen

Chinesischer "Varyag"-Umbau "Liaoning". Foto: Chinesische Marine PLAN

Alternative Lösung?

Jetzt werden auf dem ultranationalistischen Flügel (Sergey Karginov, Liberal Demokratische Partei) in Moskau sogar Stimmen laut, die eine Option für den Rückkauf der ehemals ukrainischen "Varyag", dem geplanten Schwesterschiff der "Kuznetsov" aus Sowjetzeiten, in das politische Spiel bringen. Der in Mykolajiv gut zur Hälfte fertiggestellte Flugdeck-Kreuzer (so benannt wegen der Ein-/Ausfahrtbeschränkungen im Schwarzen Meer) wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion und langen Verhandlungen letztendlich 1998 für 30 Millionen Dollar an einen chinesischen Staatsbürger verkauft. Der Rumpf wurde nach Dalian in Nordostchina überführt, dort zunächst für drei Jahre als Spielkasino genutzt (politisch unspektakulär und international unverdächtig) und nach zehnjährigem Wiederaufbau als Skijump-Flugzeugträger "Liaoning" dann 2012 bei der PLAN in Dienst gestellt. Zurück in der "Heimat" sollte dann der Träger den Namen "Vladimir Zhirinovsky", des Parteigründers und ausgewiesenen Ukraine-Hassers, tragen und als Flaggschiff der Schwarzmeer-Flotte eingesetzt werden.

Schöne Aussichten, bei denen sogar mancher Chinese sich ein zaghaftes Lächeln nicht verkneifen können wird!

1 Kommentar

  1. Die Alternative kann man getrost vergessen – eher wird der Hulk (soweit noch dazu fähig) nach China geschleppt und dort auf Vordermann gebracht …

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