End of an Era – der Lynx fliegt davon: Erneut verabschiedet das Marinefliegergeschwader 5 einen alten Gefährten.

Nicht so lange im Dienst wie der gute alte Sea King, aber nach rund 45 Jahren in der Marine werden die Bordhubschrauber vom Typ Mk88A SEA LYNX gegen Ende 2026 außer Dienst gestellt. Sie wurden in den 1980er Jahren für die Fregatten der Bremen-Klasse in den Dienst der damaligen Bundesmarine gestellt. Es waren die ersten Bordhubschrauber der Marine und befähigten sie zu einer luftgestützten U-Jagd. Im Sommer 1981 wurden die ersten Bordhubschrauber offiziell in Dienst gestellt. Weit über die geplante Nutzung hinaus diente der Sea Lynx auf allen Schiffen der Marine, die einen „Helo“ aufnehmen und beherbergen können. Zur Feier des Dienstjubiläums und zur würdigen Verabschiedung des Waffensystems hat das MFG 5 eine Veranstaltung namens „End of an Era – 45 Jahre Mk88A SEA LYNX" durchgeführt. Gemeinsam mit aktiven und ehemaligen Besatzungen, Technikern, anderen Teilen der Marine, staatlichen Behörden, Kooperationspartnern, Familien und weiteren Gästen feierten die Nordholzer das Ereignis auf dem Gelände des MFG 5.
Erinnerung an ein legendäres Waffensystem
Der Kommodore des MFG, Kapitän zur See Thorsten Werning, hielt eine Rede zur Erinnerung an ein legendäres Waffensystem und seine prägenden Fähigkeiten, die die damalige Bundesmarine in eine neue Ära katapultierten. Er erinnerte auch an die drei Totalverluste und die drei Todesopfer. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Kommodore flog der sonderlackierte Sea Lynx ein, gegenüber positionierte sich der einfliegende NH-90 MRFH Sea Tiger. Die Besatzungen übergaben symbolisch den „Staffelstab“ und der Kommodore meldete dem Kommandeur des Marinefliegerkommandos, Kapitän zur See Broder Nielsen, den vollzogenen Wachwechsel. Dieser meldete den „Wachwechsel“ an den stellvertretenden Inspekteur und Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Axel Deertz.

Im Anschluss an diesen offiziellen Teil wechselte man in den „Casual-Modus“ und feierte Abschied vom Lynx, aber besonders das Wiedersehen mit alten Freunden, Kameraden und Weggefährten.
Überraschung durch die Einsatzflottille 2
Eine besondere Freude machte der Kommandeur der Einsatzflottille 2 Flottillenadmiral Sven Beck, der nach den Kommandoübergaben am gleichen Tag in Wilhelmshaven nach Nordholz geeilt war. Er übergab mit einer Abordnung seines Verbandes, bestehend aus Helo-Controllern, Wacht- und Radarmeistern, Wandtafeln zur Ehrung und Erinnerung an gemeinsame Zeiten mit dem legendären Lynx. Der Bordhubschrauber MK88A wird noch bis Ende des Jahres Aufträge bewältigen, aber dann nicht verschrottet. Die Bundeswehr plant, wie vordem beim Sea King auch, die noch fliegenden Maschinen an die Ukraine zu übergeben. Ab Januar 2027 wird dann endgültig der „Sea Tiger“ die U-Boot-Jagd übernehmen.
Weitere Details zum "Lynx"
Der Westland Sea Lynx Mk. 88 (bzw. Mk. 88A) ist seit 1981 im Dienst der Marineflieger – stationiert im niedersächsischen Nordholz. Er war für die U-Boot-Jagd (mittels Tauchsonar und Torpedos wie Mk46 oder MU90) sowie für Seeraumüberwachung, Seenotrettung und Transport konzipiert. Er wurde gleichzeitig mit den Fregatten der F122 "Bremen"-Klasse eingeführt und war der Start in eine neue operative Ära der deutschen Seestreitkräfte.

Die Besatzung besteht aus drei Personen (Pilot, Co-Pilot, Operator) und er kann noch drei bis fünf Passagiere mitnehmen. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 175 Knoten (ca. 320 km/h) galt er als der schnellste U-Jagd Hubschrauber der Welt. Die Marine beschaffte zunächst 19 Maschinen des Typs Mk. 88, die später zur Version Mk. 88A (Super Lynx) modernisiert wurden. Später wurden auch Bordkanonen eingerüstet. Insgesamt waren 22 Maschinen in Nordholz im Einsatz. Drei Maschinen gingen verloren. Beim ersten Absturz 1993 während eines SAR-Einsatzes starben nahe Heide in Schleswig-Holstein zwei Menschen. 1999 stürzte eine Maschine vor Sardinien ins Mittelmeer, dabei starb der französische Austauschoffizier. 1994 musste eine Maschine notwassern und versank, die Besatzung konnte sich retten. In den fast 45 Jahren ist die Einsatz-Bilanz des Hubschraubers außergewöhnlich. In den letzten Jahren nahmen die Einsatzverpflichtungen der Deutschen Marine erheblich zu, der Sea Lynx bewährte sich ein ums andere Mal. Nur in den Jahren 2014 und 2019 wurden die Hubschrauber wegen Materialfehlern vorsorglich "gegroundet", um Unfälle auszuschließen. Wie beliebt der Lynx ist, zeigt die Anzahl der Nationen, die den Westland Hubschrauber: Neben der Deutschen und der Royal Navy sind 14 weitere Nationen mit dem Fluggerät ausgestattet gewesen oder fliegen ihn noch. In Großbritannien fliegt man die Weiterentwicklung, den ursprünglichen "Future Lynx", inzwischen "AW 159 Wildcat" genannt.
Text/Fotos: hsc




4 Antworten
Guten Tag, ein sehr interessanter Beitrag für mich als ehemaligen langjährigen PUO, u.a. der fahrenden Marine. Die Marineflieger waren immer etwas besonderes für uns. Daher finde ich es schade, dass man in diesem langen, guten Beitrag die technischen Gründe für das traurige, 3malige Versagen dieser Klasse Lynx nicht erwähnt. Persönlich fände ich das interessant, vor allem in Bezug auf die Frage, konnte man das Problem lösen und wie?
Guten Tag,
eine Ära geht zu Ende. Es war eine schöne Zeit und ich habe viele schöne Erinnerungen als ehemaliger Techniker an diesem Typ Hubschrauber behalten. Ja, der erste Verlust eines Kameraden im Jahre 1993 war sehr schlimm, zumal man mit diesem Kameraden kurz davor noch eine schöne Seefahrt abgeschlossen hatte. Jeder Verlust ist einer zuviel. Ich wünsche dem Nachfolgenden Hubschrauber und den Technikern eine Unfallfreie Zeit und Gutes Gelingen.
Guten Tag,
Zum Bericht der End of era Sea Lynx….
Der Absturz der Maschine bei Heide ereignete sich am 03.12.1993.
Als ehemaliger Angehöriger des MFG3 verlor ich an diesem Tag einen sehr geschätzten Kameraden.
Hier ist dem Verfasser wohl einer falschen Information aufgegessen.
Moin Herr Eilers,
danke für den Hinweis. Der Fehler ist mir selbst unterlaufen, obwohl es mir korrekt übermittelt wurde. Fehler passieren, aber gut daß es aufmerksame Leser gibt! Schönes Wochenende!