Foto: aktuelle Verkehrsführung und Seeblockaden, Bundeswehr

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Straße von Hormus und Iran-Konflikt – Update

Die Lage im Persischen Golf und in der Straße von Hormus (SoH) bleibt hochdynamisch. Die Seeblockade iranischer Häfen und Küstengewässer der USA ist weiter aktiv. Am 06.05.2026 wurde ein weiteres iranisches Schiff von den Amerikanern im Rahmen der Seeblockade manövrierunfähig geschossen. Die Region bleibt somit hoch volatil.

Seit dem 17.04.2026 gilt auch eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Jedoch wird diese wiederholt von beiden Seiten gebrochen. Die USA haben ein „Maritime Freedom Construct“ für die Koordinierung der sicheren Durchfahrt durch die Straße von Hormus verkündet. Darunter fallen neben diplomatischen Bemühungen auch die Operation „Project Freedom“. Diese Eskortoperation wurde nach weniger als 36 Stunden wieder ausgesetzt. Zwei Schiffe seien jedoch bereits durch die SoH eskortiert wurden, dabei mussten die amerikanischen Kriegsschiffe mehrere Angriffe vom Iran mit Flugkörpern, Drohnen und Schnellbooten abwehren.

Das Minenjagdboot „Fulda“ verlegt für einen möglichen Einsatz in der SoH in das Mittelmeer. Zusätzlich wechselt der Tender „Mosel“ aus der Unterstützungsmission „Ägäis“ in den NATO-Minenabwehrverband SNMCMG2, um ebenfalls für einen möglichen Einsatz zur Verfügung zu stehen. Deutschland will sich einem Einsatz mit anderen multinationalen Partnern anschließen, um die Freiheit der Seefahrt in der Straße von Hormus wieder herzustellen. Dies ist nur möglich, wenn die Kampfhandlungen effektiv eingestellt sind, ein Mandat des Bundestages besteht und der Einsatz in einen völkerrechtlichen Rahmen eingebunden ist.

Des Weiteren hat der Iran eine neue Initiative für die Durchfahrt durch die SoH vorgestellt. Die „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA) würde Emails an entsprechende Schiffe und Reedereien versenden, um die Regeln für eine mögliche Durchfahrt darzulegen. Wie diese aussehen, ist zurzeit noch nicht bekannt. Eine Gefahr durch Minen – imaginär oder faktisch – im Bereich der Straße von Hormus kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Störungen von AIS und GPS sind immer noch vorhanden, jedoch gegenüber März deutlich reduziert. Die Störungen treten unregelmäßig und lokalisiert auf.

Lage:

Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 33 Handelsschiffe angegriffen und haben teils schwere Schäden erlitten. Seit der letzten Lage vom 30.04.2026 wurde 4 Schiffe angegriffen. Daraufhin folgte am 04.05.2026 ein neues Durchfahrtsverbot für einen vom Iran bisher noch nicht genauer begrenzten Bereich, in dem sich Schiffe nur mit vorher erteilter Erlaubnis aufhalten dürfen.

Ein Schiff wurde am 02.05.2026 vor der jemenitischen Küste entführt und in somalische Küstengewässer verbracht. Somit sind weiterhin drei Handelsschiffe und eine Dhow in der Kontrolle somalische Piraten. Die größte Gefahr für die übrige Seeschifffahrt gehe von dieser Dhow aus, da sie als Mutterschiff für weitere Angriffe genutzt werden könnte. Die Warnstufe für die somalische Küste und das Somalibecken ist weiterhin auf: SEVERE

Häfen:

Am 04.05.2026 kam es durch einen iranischen Angriff zu einem Brand im Hafen von Fudschaira/VAE. Die Terminals in Dschabal Ali, Hamriya, Schardscha, Khalifa, Abu Dhabi und Ruwais sind funktionsfähig.

Kuwaitische Häfen sind voll einsatzbereit; offizielle Meldungen über Betriebsunterbrechungen liegen nicht vor. Die Küstenwache hat jedoch die Erteilung von Einreisegenehmigungen für aus irakischen Häfen kommende ausländische Schiffe bis auf weiteres ausgesetzt. Für die Häfen Shuaiba und Shuwaikh gilt die Sicherheitsstufe ISPS Level 2. Der Luftraum wurde am 26.04.2026 wieder teilweise geöffnet.

Alle omanischen Häfen sind voll betriebsbereit, wobei Schiffe vor dem Einlaufen offiziell bestätigen müssen, dass keine gefährlichen Güter geladen sind; andernfalls sind eine detaillierte Deklaration und die Genehmigung des Ministeriums abzuwarten. Für den Hafen Mina Al Fahal ist aufgrund anhaltender GPS-Störungen ein voll funktionsfähiges Dopplerlog zwingend vorgeschrieben; Schiffe ohne dieses System erhalten keine Genehmigung zum Festmachen. In den Terminals Qalhat LNG und im Hafen von Salala gilt ISPS-Level 2, in Mina Al Fahal gilt jetzt wie in allen weiteren Häfen Level 1. Der Luftraum bleibt offen, auch wenn einzelne internationale Flugverbindungen eingestellt urden.

Alle Häfen Saudi-Arabiens sind bei voller Kapazität ohne Einschränkungen oder Warnungen in Betrieb. Emirates fliegt zurzeit noch nicht wieder Dammam an, jedoch bedienen andere Fluggesellschaften (z.B. FlyDubai, Qatar Airways) diesen Flughafen.

Der Schiffsverkehr in Bahrain wurde wieder aufgenommen, der Betrieb bleibt jedoch aufgrund der aktuellen Lage eingeschränkt; insbesondere die BAPCO-Aktivitäten sind weiterhin ausgesetzt.

Das Transportministerium von Qatar hat mitgeteilt, dass es ab 02.05.2026 um Mitternacht keine Einschränkungen mehr für den Seeverkehr gibt. Dennoch sollen Schiffe sicher gehen, dass alle Sicherheitseinrichtungen vollständig sind und funktionieren.

Gemäß AIS-Daten und nach Rücksprache mit Reedereien sind etwa 117 Schiffe mit deutschem Bezug in der Area, davon 47 Schiffe im Persischen Golf. Es wurden bis jetzt 3 Schiffe mit deutschem Bezug angegriffen. Die aktuelle Lage für die Schifffahrt im Persischen Golf und den angrenzenden Gewässern ist weiterhin von einer massiven Bedrohung geprägt. Aktuell gibt es keine offizielle Waffenruhe. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran laufen zurzeit, dennoch ist eine zeitnahe Einigung nicht garantiert. Die Seeblockade der US-Navy ist weiter aktiv. Der Iran hat diese Woche erst den Durchfahrtsverbotsbereich (durch die Roten Linien) vergrößert. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen, vor allem für Angriffe im Persischen Golf besitzt. Zudem hat die IRGC in der letzten Woche ihre Möglichkeiten und ihren Willen für Angriffe deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Gefahr für Schiffe bleibt bestehen.

Fazit

Die Gefährdungslage für Schiffe und Besatzungen ist weiterhin komplex. Operativ bleibt die Lage durch die verfestigten Blockaden und die Angriffe in der Straße von Hormus kritisch. Das Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf und Anschlussregionen ist weiterhin in der Gesamtbetrachtung einzustufen, als: CRITICAL!

Quelle / Text / Illustration: GERMAN NAVY SHIPPING CENTRE, Dezernat Marineschifffahrtleitung

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