Maltesergaleere Osterhausen

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450 Jahre Seeschlacht von Lepanto

Am 7. Oktober 2021 jährte sich zum 450. Mal die Seeschlacht von Lepanto. Lange Zeit als Sieg des Abendlandes über das Morgenland glorifiziert, handelte es sich um ein Seegefecht zwischen den christlichen Mittelmeermächten und dem Osmanischen Reich, das durch die Eroberung Zyperns und Hinrichtung des letzten venezianischen Garnisonskommandanten durch die Türken ausgelöst wurde. Auf Drängen Papst Pius‘ V. versammelte die Heilige Liga unter ihrem Oberbefehlshaber Don Juan de Austria daraufhin eine Flotte von insgesamt 212 Schiffen mit 65 000 Mann, der auf osmanischer Seite unter dem Oberbefehl von Ali Pascha 251 Schiffe und 77.000 Mann gegenüberstanden.

Als am Morgen des 7. Oktober 1571 im Golf von Patras die nur fünf Stunden dauernde Seeschlacht begann, waren außer päpstlichen, spanischen, venezianischen und genuesischen Schiffen auch die Marine des Malteserordens beteiligt. Der Orden, der im selben Jahr erst die Fertigstellung seiner maltesischen Festungsstadt La Valletta gefeiert hatte, stellte drei Galeeren zur Verfügung, welche unter dem Kommando des Großpriors von Messina, Frá Pietro Giustiniani, in eine der verlustreichsten Etappen des Gefechts, den Durchbruch des türkischen Renegaten Uluj Ali Pascha durch die christliche Angriffslinie, verwickelt wurden. Dabei entging eine Ordensgaleere nur knapp der Kaperung, während Giustiniani schwer verwundet wurde und außer seiner Mannschaft auch sein Schiff, die „La Capitana di Malta“, einbüßte. Es war nicht der erste Erfolg Uluj Alis im Kampf gegen den Orden. Bereits im Vorjahr war dem Sohn eines kalabrischen Seemanns nördlich von Gozo ein Coup gegen die Ordensflotte gelungen. In der Seeschlacht von Lepanto befehligte er den linken Flügel der osmanischen Flotte und konnte nicht nur das Flaggschiff der Malteser, sondern auch seinen direkten Gegner, den genuesischen Admiral Giovanni Andrea Doria, ausmanövrieren. Zwar musste Uluj Ali die in Schlepp genommene „La Capitana di Malta“ zurücklassen, dafür gelang es ihm, das Banner des Malteserordens zu erbeuten und mit etwa 30 Galeeren zu entkommen. Für die Ordensritter war die schließlich von den Christen gewonnene Schlacht ein Debakel. Obgleich zahlreiche Malteser als Offiziere auf anderen Schiffen der Liga dienten und der auf dem päpstlichen Flaggschiff eingesetzte Ordenskapitän das Privileg hatte, dem Papst die Nachricht vom christlichen Sieg zu überbringen, waren die Verluste schmerzhaft. Im Verlauf des Gefechts hatte der Orden etwa 40 Mitglieder, darunter die Großpriore von Malta und Deutschland, verloren, zahlreiche Malteser wurden verwundet oder gelangten in türkische Gefangenschaft. Insgesamt kamen auf christlicher Seite 8000 Menschen ums Leben, der auf osmanischer Seite über 30.000 Tote gegenüberstanden.

Der Sieg der christlichen Flotte bei Lepanto war, da der Krieg nicht an Land fortgesetzt wurde, strategisch von untergeordneter Bedeutung. Er besaß aber insofern große Wirkung, als der Nimbus der Unbesiegbarkeit der Türken zerstört war und das Ereignis als Wendepunkt im Kampf zwischen Orient und Okzident betrachtet wurde. Nicht zuletzt die katholische Kirche wusste Lepanto für ihre Zwecke zu nutzen. So stiftete Papst Pius V. zum ersten Jahrestag der Seeschlacht das sogenannte Rosenkranzfest, aus dem später das noch heute gefeierte Fest der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkranz hervorgehen sollte.

Text: Andreas von Klewitz

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