Australien: Raus aus französischem U-Boot-Bauprogramm - rein in AUKUS

Future Australian Submarine; Graphik: Naval Group

Australien: Raus aus französischem U-Boot-Bauprogramm - rein in AUKUS

Irritationen zur Rüstungskooperation mit Frankreich zur Beschaffung von zwölf konventionell angetriebenen U-Booten herrschten in Canberra schon seit geraumer Zeit.

Nun hat Australien entschieden, die Kooperation mit der französischen Naval Group im Rahmen des "Future Submarine Program" einzustellen. Stattdessen einigte man sich auf eine Zusammenarbeit mit London und Washington zum Bau von atomgetriebenen U-Booten.

Am Ende einer zwölfminütigen virtuellen Pressekonferenz zwischen dem US-Präsidenten Joe Biden, dem britischen Premierminister Boris Johnson und Australiens Premierminister Scott Morrison am 15. September 2021 hatte sich die australische Verteidigungslandschaft von Grund auf verändert. Australien schließt sich einer neuen indopazifischen Sicherheitspartnerschaft mit den USA und Großbritannien an. Die trilaterale Sicherheitspartnerschaft trägt den Kurznamen AUKUS. Sie soll nächste Woche in Washington unterzeichnet werden. Biden sagte, bei der Partnerschaft gehe es darum, die amerikanischen Allianzen (‚alliance networks‘) zu aktualisieren, damit sichergestellt sei, dass „den Bedrohungen von heute und morgen besser begegnet“ werde. Er fügte hinzu, „die Zukunft jeder unserer Nationen und sogar der Welt hängt von einem freien und offenen Indopazifik ab, der in den kommenden Jahrzehnten bestehen und gedeihen wird“.

Win-Win-Win für alle

AUKUS fällt in eine Zeit chinesischen Säbelrasselns und Ausdehnung seines Einflusses im asiatisch-pazifischen Raum. Dennoch richtete es sich, so die Washingtoner Lesart, nicht gegen China oder ein anderes Land. „Wir alle erkennen die Notwendigkeit an, langfristig Frieden und Stabilität im Indopazifik zu gewährleisten“, sagte Biden. „Wir müssen in der Lage sein, sowohl das aktuelle strategische Umfeld in der Region als auch dessen Entwicklung anzugehen, denn die Zukunft jeder unserer Nationen und tatsächlich der Welt hängt von einem freien und offenen Indopazifik ab, der über Jahrzehnte Bestand hat und gedeiht.“ voraus“, fügte er hinzu.

Die Länder beabsichtigen im Rahmen des Abkommens ihre verteidigungs- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit in den Bereichen Cybersicherheit, Quantentechnologie und künstlicher Intelligenz zu verstärken.

Australiens Eintrittskarte zum Club der Nationen mit nuklearangetriebenen U-Booten

Die erste Initiative dieser „neuen erweiterten trilateralen Sicherheitspartnerschaft“, „wird die Lieferung einer nuklearbetriebenen U-Boot-Flotte für Australien sein", gab Morrison bekannt. Weiter gab er an, dass innerhalb der nächsten 18 Monate die Grundsätzlichkeiten der neuen U-Boote zwischen den drei Nationen geklärt werden. Er machte deutlich, dass die Boote konventionell bewaffnet seien. Australien strebe keine Atomwaffen an, so Morrison. Er ließ sich weiter dazu ein, dass die U-Boote in Adelaide gebaut werden und rechnete mit ihrer Verfügbarkeit im Jahr 2040.

Der Deal ist für alle Seiten ein bedeutender Sprung. Australien wird die siebte Nation, die über nuklearangetriebene U-Boote verfügt. Mehr noch: für Canberra ist das Abkommen eine weitere Bindung an die USA, mit denen sie bereits über ANZUS und den quatrilateralen Sicherheitsdialog QUAD (zwischen Australien, Indien, Japan und USA) alliiert ist. Der Pazifikpakt ANZUS feierte am 1. September seinen 70. Geburtstag.

Das Weiße Haus betrachtet den AUKUS als zusätzliche Bindung Australiens an die USA und an Großbritannien. Darüber hinaus zeigt nach der Meinung von Washingtoner Beobachtern die Biden-Administration ihre Bereitschaft, ihre Zurückhaltung bei der Beteiligung anderer zu fortschrittlicher Militärtechnologie abzulegen. Nukleare Antriebstechnologie haben die USA bisher nur mit Großbritannien (schon im Jahr 1958) geteilt.

Großbritannien kann mit AUKUS seine neue strategische Perspektive ‚Global Britain‘ untermauern. Für die britische Verteidigungsindustrie und ihre Beziehungen zu Australien und den USA ist der Pakt ebenfalls ein wichtiger Schritt.

Bedauern in Paris

In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Jean-Yves Le Drian, Minister für Europa und Auswärtige Angelegenheiten, und Verteidigungsministerin Florence Parly äußerten beide ihr Bedauern über den Abbruch des gemeinsamen Rüstungsprogrammes. In der Pressemitteilung heißt es: „Diese Entscheidung steht im Widerspruch zu Geist und Buchstaben der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Australien, die auf einem politischen Vertrauensverhältnis und der Entwicklung einer hochrangigen industriellen und technologischen Verteidigungsbasis in Australien beruhte.“

Am 11. Februar 2019 hatten Australien und Frankreich in Canberra eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, in dessen Mittelpunkt der Vertrag zum Bau von 12 U-Booten der ‚Attack‘-Klasse stand. Mit dem damaligen Vertragsschluss ging ein langes und zähes Ringen um den Ersatz der sechs Collins-Klasse U-Boote der Royal Australian Navy zu Ende. Naval Group konnte sich bei dem ca. 49,5 Milliarden Euro schweren Geschäft (80 Milliarden AU$) gegen japanische, schwedische, spanische und deutsche Konkurrenz durchsetzen. Australien hatte sich zum damaligen Zeitpunkt einen Know-How-Transfer sowie Arbeitsplatzerhaltung in einer stark gebeutelten Werftenlandschaft versprochen. Fast 200 australische Zulieferer wurden für das Programm mit der Naval Group Australia (in Adelaide ansässig) vorqualifiziert.

Es knirschte schon länger. In Canberra wurden die Kosten-Nutzen-Kalkulation der U-Boote sowie deren mögliche Alternativen (einschließlich Prüfung über den Kauf von der Stange der Barracuda-Klasse mit Nuklear-Antrieb (ebenfalls Naval Group), Bewaffnung und Elektronik aus den USA) mehrfach in Frage gestellt. Nach australischen Medienberichten kam bereits Mitte Januar 2021 der damals veröffentlichte Bericht des Australian National Audit Office (ANAO) über den Stand der Beschaffung der zwölf U-Boote, zu dem Schluss, dass mit erheblichen Abstrichen bei Kosten, Leistungsfähigkeit und Lieferzeit gerechnet werden müsse. Demnach hatte das Programm, damals noch in der Entwurfsphase (design phase), eine Verzögerung von neun Monaten gegenüber den Vorentwurfsschätzungen. Zwei wichtige vertraglich vereinbarte Meilensteine ​​(Überprüfung der Konzeptstudien und der Systemanforderungen) wurden verlängert. Infolgedessen konnte das australische Verteidigungsministerium den Mittelabfluss (in Höhe von 396 Mio. USD für das Design) nicht fristgerecht sicherstellen. Die Gesamtbewertung des Risikos durch das Verteidigungsministerium sei „hoch“. Es wurden, so geht aus dem Bericht der ANAO hervor, Vorkehrungen zur Risikominderung getroffen. Nach der geänderten Planung wurde das erste U-Boot, HMAS ‚Attack‘, 2034 erwartet, drei Jahre später als früher beabsichtigt. Die Collins-Klasse sollte ab 2036 auslaufen.

Betroffene Naval Group – auch Atlas Elektronik

Die französische Naval Group trat als Vertragspartner des australischen Verteidigungsministeriums in Vorleistungen. Im Oktober 2019 gab das Pariser Unternehmen den Start der Naval Group Pacific, verantwortlich für die kommerzielle Entwicklung und F & E-Aktivitäten in Australien und Neuseeland, mit Sitz in Sydney bekannt. Naval Group Pacific vermeldete im Dezember 2019 mit der Unterzeichnung von neun verschiedene Memoranda of Understanding (MoUs) mit australischen Unternehmen erste Erfolge. Dabei geht es um CANTO®, ein System von Gegenmaßnahmen gegen Torpedos für die U-Boote und die Überwasserschiffe der Royal Australian Navy.

Naval Group kommentierte die australische Entscheidung: „Dies ist eine große Enttäuschung für die Naval Group, die Australien ein regional überlegenes konventionelles U-Boot mit außergewöhnlichen Leistungen anbot. Die Naval Group bot Australien eine U-Boot-Fähigkeit an, wobei sie konkurrenzlose Zusagen in Bezug auf Technologietransfer, Arbeitsplätze und lokale Beteiligung machte. Fünf Jahre lang haben die Teams der Naval Group, sowohl in Frankreich als auch in Australien, sowie unsere Partner ihr Bestes gegeben und die Naval Group hat alle ihre Verpflichtungen erfüllt.“

Die zu thyssenkrupp Marine Systems gehörende Atlas Elektronik, Entwickler und Hersteller von Sonarsystemen für U-Boote, Minenjagd-Boote und Kampfschiffe sowie von Torpedos und autonomen Systemen, wurde von Lockheed Martin Australia (LMA) mit dem Entwurf der Bug-Sonar-Basis für die zukünftigen U-Boote der Attack-Klasse beauftragt. Das berichteten australische Medien im Frühjahr 2021. Atlas Elektronik wollte mit seiner in Sydney ansässigen australischen Tochtergesellschaft Sonartech Atlas als Subunternehmer für die Entwurfsphase zusammenarbeiten.

Koninzidenzen

Die amerikanisch-australisch-britische Initiative fällt auf fast den gleichen Zeitpunkt, zu dem auch die EU ihre Indo-Pazifik-Strategie veröffentlicht. Der US-Präsident wird in den kommenden Tagen Gastgeber des ersten persönliches Treffens mit den Staats- bzw. Regierungschefs der Quad-Gruppe sein. Er sieht die neue Partnerschaft als Teil „einer größeren Konstellation“ in der Region und stellte stärkere bilaterale Beziehungen zu den langjährigen Verbündeten Japan, Südkorea, Thailand und den Philippinen sowie stärkere Engagements mit neuen Partnern wie Indien und Vietnam in Aussicht.

Ohne auf Details einzugehen, soll der amerikanische Präsident während eines Telefonats mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der letzten Woche den beabsichtigten Pakt angesprochen haben. Nach Verlautbarungen aus Washington stand im Mittelpunkt dieser Konsultation Pekings (mangelndes) Engagement in bilateralen und globalen Fragen wie dem Klimawandel und der Covid-19-Pandemie.

2 Kommentare

  1. Die Vernunft hat gesiegt. Es war doch absoluter Blödsinn französische U-Boote, die für atomaren Antrieb designed waren, nach Adelaide (Australien) zu schaffen und dort auf Diesel Antrieb umzubauen. Ganz abgesehen vom politischen Standpunkt war doch dieser technische Schritt ein Schritt in die Vergangenheit. Das war zwar Australiens Fehler, diesen Vertrag überhaupt ausgehandelt zu haben, aber wenigstens hat die jetzige Regierung diesen Fehler wieder wettgemacht.

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  2. Dies ist nicht unbedingt eine Win-Win-Win Situation. Was ist mit Japan, Süd-Korea und Indien?
    Wieso reden wir wieder nur über den militärischen Hammer?
    Die Zukunft mit Asien liegt in unseren Handelsbeziehungen und deren Schutz. Da liegt die Chance für Europa.

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