Eines der auf der Weltklima-Konferenz behandelten Themen war die zunehmende Vermüllung des Mittelmeeres. Wie soll man das Problem angehen? Hier ein paar Schnipsel zum Thema.

Biodiversität

Das Mittelmeerbecken beherbergt eine große Vielfalt an Flora (etwa 20.000 Pflanzenarten, davon 60% nur dort vorkommend) und Fauna (etwa 17.000 Tierarten, davon allerdings nur 30% endemisch) und wird von Naturschutzgruppen als „Biodiversitäts-Hotspot“ klassifiziert. Sie warnen davor, dass 20% der Arten aufgrund der Belastung durch menschliche Aktivitäten vom Aussterben bedroht sind. Die übermäßige Ausbeutung von Ressourcen, durch Tourismus und Freizeitaktivitäten verursachte Störungen und die unerbittliche Umweltverschmutzung in den Küstengebieten, sowie der Zuzug invasiver gebietsfremder Arten durch Verkehr und Handel, aber auch das Versiegen das Süßwasserzuflusses durch Wasserentnahme und Landwirtschaft (insbesondere am Nil) stellen ein großes Risiko für den Reichtum und die Vielfalt dieses Ökosystems dar.

Weltklima-Konferenz: Schnipsel zum Mittelmeermüll

Weltklima-Konferenz: Schnipsel zum MittelmeermüllMittelMeerMüll

Meeresmüll, insbesondere Plastik, spielt dabei eine wichtige Rolle. Nach UN-Schätzungen landen täglich 730 Tonnen Plastikmüll im Mittelmeer. Insbesondere Einwegkunststoffe machen nahezu 100% des gesamten Treibmülls und mittlerweile mehr als 50% des Meeresbodenmülls aus.

Klimawandel und Meeresmüll sind eng miteinander verbunden“, erklärte ein Umweltchemiker und Ökotoxikologe während einer Konferenz im Mittelmeerpavillon der COP27: Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Stürme führen zu einem erhöhten Eintrag von Müll in die Meeresumwelt – steigende Temperaturen fördern zudem den Abbau von Müll in Mikroplastik. Gerade Kunststoffe „leben“ sehr lange und haben daher im Vergleich zu Treibholz und natürlichen Materialien ein viel größeres Potenzial, Organismen über Meere und Ozeane zu transportieren und die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten zu begünstigen.

Soziale Innovation vor Technik

Das Mittelmeer-Informationsbüro für Umwelt, Kultur und nachhaltige Entwicklung (MIO-ECSDE) zeigte auf, dass soziale Innovationen als „Maßnahmen vor Ort“ eher die Antwort auf das Problem seien, als Abfall vermeidende oder Abfall sammelnde technologische Lösungen, die vor ihrem Einsatz erst getestet und wissenschaftlich bewertet werden müssen – und allgemein ressourcenintensiver (Maschinen/Infrastruktur) sind.

Beispiele sind Unternehmensnetzwerke im Tourismussektor mit dem Ziel, Einwegkunststoffe auslaufen zu lassen, oder im Fischerei- und Aquakultursektor mit Einrichtungen zwecks besseren Entsorgens von Fanggeräten und Netzen.

Die „Plastic Busters Initiative“

Um der Verschmutzung durch Plastik im Mittelmeerraum entgegenzuwirken, arbeitet die Universität Siena/Italien an der „Plastic Busters“ Initiative. Vorrangig sei es, einen „harmonisierten methodischen Ansatz“ zu schaffen, also beim Koordinieren von Erfassung, Vermeidung und Sammlung von Meeresmüll „eine gemeinsame Sprache im Mittelmeerraum zu definieren“.

Das Projekt zielt darauf ab, über Datenerhebung besonders in den Meeresschutzgebieten eine Korrelation von Meeresmüll und Biodiversität aufzuzeigen. Alle im Rahmen des Projekts untersuchten Gebiete wiesen Belastungen auf, die um ein Vielfaches über dem vorgeschlagenen/vereinbarten Grenzwerten liegen.

Alternativen zum Einwegplastik

Bei der Herstellung von Kunststoffen werden Tausende von Chemikalien verwendet. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse listen 13.000 Substanzen auf, die in Kunststoffen verwendet werden. Ein Viertel davon ist besorgniserregend, soll heißen, ihre Toxizität, ihre Schädlichkeit für Mensch und Umwelt ist nicht bekannt. Es fehlt an Transparenz, denn es gibt kaum Informationen über die Zusammensetzung bestimmter Produkte der Herstellungsverfahren. Dieses Manko kann nur durch Entscheidungen auf globaler Ebene beseitigt werden.

Insgesamt bleiben lediglich drei Wege, das Problem des Kunststoffabfalls anzugehen: die Erhöhung des Anteils an recyceltem Kunststoff bei der Herstellung, die Einführung von mehr wiederverwendbaren Produkten in der Konsumkette, und die Reduzierung von Verpackungen in allen Bereichen.

Fazit und Botschaft

Es geht nicht nur um Materialersatz, es geht darum, das System und die Art und Weise zu ändern, wie wir leben und uns verhalten.“

 

Quelle: Euractiv

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