Deutsche U-Boote besitzen einen strategischen, Foto: Bw/1. Ubootgeschwader

Deutsche U-Boote besitzen einen strategischen, Foto: Bw/1. Ubootgeschwader

U-Boote: Erntezeit für die Marine

In den letzten Jahren haben die deutschen U-Boote aktiv zur Verbesserung der Verfahren der U-Jagd beigetragen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden auch den zukünftigen Fregatten 126 zugutekommen.

Im letzten Jahr befand sich das 1.Ubootgeschwader mit zwei U-Booten gleichzeitig in zwei verschiedenen Einsätzen. Für etwas mehr als 70 Tage waren darüber hinaus ein Flottendienstboot und die U-Boot Unterstützungseinheit MAIN mit einem Führungsstab ebenfalls im Einsatz. In beiden sehr unterschiedlichen Einsätzen konnten unsere Waffensysteme als Einzelfahrer, vor allem aber im Verbund voll überzeugen. Die erstmals in den Jahren 2020 und 2021 erfolgte gleichzeitige Einbindung eines U-Boots und eines Flottendienstboots in einen Sensoraufklärungsverbund haben die Schlagkraft der eingebundenen Waffensysteme exponentiell vergrößert. Gleichzeitig wurden entscheidende Wirkungspotenziale in der U-Jagd (Anti-Submarine Warfare, ASW) aufgezeigt, erprobt und nachgewiesen.

Die deutschen U-Boote haben in den letzten Jahren ihren strategischen Wert eindrucksvoll nachgewiesen. Ihr strategischer Wert für die Bündnis- und Landesverteidigung und damit für die Sicherheitsvorsorge Deutschlands werden von der Bundesregierung anerkannt. Damit besitzen sie höchste Relevanz für die Sicherheitspolitik.

Die Ernte, die das 1. Ubootgeschwader mit den Ergebnissen des deutschen Sensor-Aufklärungsverbunds (DEU SAV) in den beiden letzten Jahren eingefahren hat, war vor allem deswegen möglich, weil seit über zehn Jahren alle Kommandeure konsequent ihre stets knappen Ressourcen in die Weiterentwicklung investiert haben. Genauso wichtig war die Unterstützung durch das Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR), die Luftwaffe mit dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 Immelmann, die WTD 71 und durch diverse Dienststellen der Marine.

Wenn wir auf die Betriebszeit der U-Boote der Klasse 212A zurückblicken, können wir heute sagen, dass die ersten Jahre mit ihrer Inbetriebnahme ab 2005 vor allem vom Erfahrungsaufbau geprägt war. Der breite operative Einsatz der Boote unter Ausnutzung aller Fähigkeiten des Waffensystems begann erst wirksam mit dem Westlant-Deployment im Jahr 2013, wobei die damaligen Protagonisten auf den Schultern ihrer Vorgänger standen. Ehrlicherweise muss man festhalten, dass die U-Bootfahrer dieses Deployment nicht wollten, da es mit zweimal 40 Tagen Transit erhebliche Einsatzzeiträume blockierte. Als jedoch klar wurde, dass die Marine an dieser militärpolitischen Maßnahme festhalten würde, war es der damalige Kommandeur, Fregattenkapitän Sascha Rackwitz, der entschied, alle verfügbaren Ressourcen des Geschwaders in dieses Deployment und in die Nutzung zur Weiterentwicklung von Verfahren der Unterwasserortung und Kommunikation und deren Auswertung zu nutzen – mit Erfolg. Schon hier übertrafen die gewonnenen Erkenntnisse alle Erwartungen. Seitdem haben die nachfolgenden Kommandeure jede Gelegenheit genutzt, nicht nur operative Deployments, sondern auch die Fahrten im Bereich der Regeneration und die Torpedoschießabschnitte mit der Weiterentwicklung zu verbinden. Der Nachfolger von Rackwitz, Jens Grimm, schiffte sich als Commander Task Group (CTG) auf einer italienischen U-Jagd-Plattform ein und führte von dort aus das federführend im 1. Ubootgeschwader konzipierte Manöver Smart Hunt, das der Weiterentwicklung bi- und multistatischer Verfahren diente.

Mit Fregattenkapitän Lars Johst setzte auch der nächste Geschwaderkommandeur die Serie durch einen konsequenten Ansatz der Kräfte in der Auswertung seines Geschwaders in der Eastlant-Serie und den Manövern Dynamic Mongoose fort. Immer waren neben deutschen U-Booten auch deutsche Sonar- und Operationsoffiziere auf beteiligten Überwasserplattformen dabei und erprobten neue Bojen, Verfahren und Schleppsonare. Allen Übungen folgte eine aufwendige Auswertung in Eckernförde. Unter der Ägide von Fregattenkapitän Timo Cordes als Kommandeur erfolgte schließlich ein weiterer neuer Ansatz: die Zusammenführung von neuen Technologien und erprobten Verfahren mit U-Booten und den Kräften der seegestützten Aufklärung in einem Sensoraufklärungsverbund – mit durchschlagendem Erfolg.

Heute können wir festhalten, dass die aktuell modernsten in den deutschen Streitkräften verfügbaren Unterwasserortungsverfahren und -technologien sowie das Wissen darüber im 1.Ubootgeschwader in Eckernförde zu Hause sind.
Was folgt nun? Unser Ziel in den nächsten Jahren muss es sein, dieses Wissen strukturell in der gesamten Marine auszurollen und zu verfestigen. Das schließt nicht nur die Einsatzgeschwader in Nordholz und Wilhelmshaven ein, es geht auch darum, das Verständnis und das Wissen modernster Unterwasserortungsverfahren und die Möglichkeiten der Anwendung in den Schulen unserer Marine zu verankern. Wichtig erscheint dabei vor allem ein Ausbruch aus traditionellen Denkmustern.

Oftmals bleibt der Eindruck im Raum stehen, dass die Deutsche Marine erst zu moderner U-Jagd befähigt sein wird, wenn die künftige Fregatte 126 mit ihrem Schleppsonar abgenommen ist. Doch bereits heute sind die Möglichketen deutlich größer als viele ahnen. Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Bojen und ihrem breitem Einsatzspektrum kann die Marine aus fast jeder Einheit eine Plattform machen, die einen Beitrag zur ASW leisten kann. Natürlich muss es hier um einen Ansatz der Kräfte gehen und natürlich muss es unser Ziel sein, die Fregatte 126 mit ihrem Schleppsonar, den Sea Tiger in der ASW-Rolle und den Seefernaufklärer P-8A Poseidon so schnell wie möglich einzuführen. Sie werden den Wirkverbund erst vollends komplettieren. Die Marine ist aber bereits heute zu schlagkräftiger U-Jagd und wichtigen Beiträgen im NATO-Bündnis in der Lage. Das wurde eindrucksvoll an nichtkooperativen U-Booten in der Ostsee nachgewiesen. Bereits heute öffnet sich das Kapitel, in dem durch die breitestmögliche, konsequente Anwendung des bereits zur Verfügung stehenden Materials und das hierbei generierte Wissen wichtige Grundlagen erarbeitet werden, die später den Fregatten der Klasse 126 zugutekommen werden.

Fregattenkapitän Frédéric Strauch ist Kommandeur 1. Ubootgeschwader.

Frédéric Strauch

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