An Bord der schwimmenden Einheiten sollen die Soldatinnen und Soldaten wieder mehr selbst reparieren. Unterstützung erhalten Sie durch das Marinearsenal.

In den heutigen Zeiten darf man sich schon fragen, was mit der Überschrift denn wohl gemeint sein soll. Zieht das Marinearsenal etwa Reservisten zur Unterstützung ein? Nutzt es neuerdings eigene Boote, um mobiler zu sein? Um diese Fragen beantworten zu können, ist ein kleines Vorwort nötig.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, hat die Marine federführend beauftragt, sich des Themas Sofortinstandsetzung anzunehmen, um die Einsatzbereitschaft zu steigern. Bis Januar 2021 wurde die Zusammenarbeit mit dem Marinearsenal (MArs) in einem Pilotprojekt am Standort Rostock-Warnemünde verstärkt und aufgrund des nachweislichen Erfolgs mittlerweile verstetigt (siehe dazu auch marineforum 1/2-2022). Im Stützpunkt Hohe Düne können kleinere Instandsetzungsarbeiten durch Mitarbeiter des Marinearsenals wieder verzugslos erledigt werden und müssen nicht mehr administrativ aufwendig an gewerbliche Unternehmen vergeben werden. Zudem wurde im Zuge dessen der enorme Vorteil des Marine MArs Maintenance Channels (M3C, siehe marineforum 6-2021), eines Systems zur Fernunterstützung, in den Fokus gerückt. Der M3C soll künftig auf nahezu jeder Einheit der Flotte Einzug halten.

Das Marinearsenal macht mobil

In einer dritten Säule des Rostocker Piloten war angedacht, Bordpersonal und Mitarbeiter der Systemunterstützungsgruppe in den Werkstätten des Marinearsenals durch gezielte Kurzeinweisungen weiterzubilden. Dadurch erlangt die Marine wieder mehr Eigenständigkeit für Instandsetzungen im Einsatz und das Marinearsenal seinerseits eine Entlastung von Aufträgen aus der Flotte.

Unterstützt durch die Einsatzflottille 2, die ihren massiven Bedarf deutlich gemacht hat, haben Mitarbeiter des Marinearsenas eine gemeinsame Lösung erarbeitet.
Weil „jedes Kind einen Namen braucht“, wurde unter dem Arbeitstitel Professionalisierung Technisches Personal (ProTeP) gemeinsam gestartet. Der Arsenalbetrieb identifizierte mit den Werkstattbereichen Navigation, Radar und Waffen die praktischen Möglichkeiten für gezielte Trainingsmodule, und die Einsatzflottille 2 meldete anhand kurzfristig geschaffener Steckbriefe den genauen Bedarf nach Art, Einweisungstiefe und Dauer an. Gemeinsam wurden zudem vergangene Einsätze mit den dort aufgetretenen Instandsetzungen ausgewertet und in ein Grobkonzept eingebracht. Wenige Wochen später startete bereits das erste Trainingsmodul, und in einem iterativen Prozess wurden die Erfahrungen anhand der modifizierten Steckbriefe umgesetzt.

Erwartungsgemäß stellten sich weitere Fragen, die beantwortet werden mussten. Welchen Bedarf hat die Einsatzflottille 1 mit ihren Booten und Systemunterstützungsgruppen? Wie sind das Marinekommando und das Marineunterstützungskommando einzubinden und was können sie möglicherweise beitragen? Und wie können wir eigentlich die durch die Werkstätten geleistete Einweisungstätigkeit im administrativen System SASPF abbilden?

Um es kurz zu machen: Nahezu alle Fragen konnten in mehreren Gesprächsrunden beantwortet werden. In einer sehr produktiven Dreierkonstellation wurde ProTeP zudem mit einem Konzept unter dem Namen Erweiterte Geräteeinweisung hinterlegt, das sich von dem Aus- und Fortbildungsbereich abgrenzt und dem Arsenalbetrieb dauerhaft ermöglicht, diese Unterstützungsleistung anzubieten.

Sieben Bordkommandos wurden bislang in insgesamt 38 durchgeführten Trainingsmodulen in den Werkstätten des Marinearsenals eingewiesen. Gleichwohl gehört es untrennbar auch zum Konzept, mittel- bis langfristig besonders häufig nachgefragte Steckbriefe thematisch in die Regel- und Modulausbildung an den Schulen der Marine zu integrieren.

Das allein beantwortet aber immer noch nicht die Frage, inwiefern das Marinearsenal denn nun mobil macht. Dazu zwei Beispiele: In vergangenen Einsätzen der Einsatzgruppenversorger traten – wenn auch nur gelegentlich – immer die gleichen Defekte an dem für die sichere Landung der Bordhubschrauber schiffseitig benötigten Hubschrauberleitradar Variant auf. Mussten bisher zwei Techniker des Marinearsenals zum Austausch von Komponenten ins Einsatzgebiet fliegen, war das Bordkommando nach der Erweiterten Geräteeinweisung nunmehr in der Lage, die Instandsetzung eigenverantwortlich und ohne fremde Hilfe durchzuführen. Im Idealfall führt man das Austauschteil sogar schon an Bord mit.

Ein weiteres Beispiel für einen in der gesamten Flotte identifizierten Instandsetzungsschwerpunkt ist der Tausch des sogenannten Digital Selective Calling Controllers (DSC-Controller). Dieser „digitale Selektivruf“ ist ein wichtiges Element im globalen Notrufsystem und damit eine entscheidende Komponente zur sicheren Teilnahme am Seeverkehr. Der Austausch und die anschließende Erstinbetriebnahme des DSC-Controllers an Bord ist letztlich keine große Herausforderung, wenn man diese Arbeit erst einmal in Form einer Erweiterten Geräteeinweisung gelernt hat. In weit entfernten Seegebieten nicht auf die Anreise eines Technikers warten zu müssen, kann für den Einsatz den entscheidenden Zeitvorteil ausmachen. Falls trotz vorheriger Einweisung doch noch Fragen aufkommen, ist in der Regel ein Tipp des mittlerweile persönlich bekannten Technikers über die Videoverbindung des M3C hinreichend.

Beide Situationen verdeutlichen den enormen Vorteil dieser Kooperation. Zwar investiert der Arsenalbetrieb in die Arbeitszeit für die Einweisung der Bordkommandos, erfährt dafür aber eine Entlastung hinsichtlich der entfallenden Reisezeiten ins Einsatzgebiet. Somit steht mehr Zeit für die planmäßigen Instandsetzungen in den Werkstätten und in den Heimatstützpunkten zur Verfügung, was wiederum der Einsatzbereitschaft der Marine zugutekommt. Die Marine erfährt eine (Re-)Professionalisierung des technischen Personals bei gleichzeitiger Reduzierung der Ausfallzeiten im Einsatzgebiet. Selbst wenn die Instandsetzung durch das Bordpersonal einmal nicht gelingt, trägt es erheblich dazu bei, das Schadensbild einzugrenzen, abgesehen vom gestiegenen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Techniker an Bord. Auf diese Weise kann das Marinearsenal im Anschluss daran wesentlich gezielter Personal und Material nachführen.

Weitere Ausbaustufen könnten folgen. Warum sollte ein Artilleriebootsmann, dessen Schiff in die Werft geht, nicht einige Monate in der Waffenwerkstatt hospitieren, um dort „seinen“ Turm selbst mit instand zu setzen und seine Kenntnisse auch bezüglich des Marineleichtgeschützes aufzufrischen? Ist es gar sinnvoll, ausgewählte Ausbildungsmodule der Marinetechnikschule Parow mit deren Ausbildern abschnittweise vor Ort in den Werkstätten in Wilhelmshaven durchzuführen?
Ein prägnantes Beispiel dafür gibt es sogar schon: Die Instandsetzer-/Operateurausbildung der Marine für SHF-Satcom wird bereits seit vielen Jahren in Kooperation mit der Marinetechnikschule Parow und der Marineoperationsschule Bremerhaven im Satelliten Test- und Trainingscenter des Marinearsenals erfolgreich durchgeführt.
Mit Blick auf die Kernelemente des Leitbilds des Marinearsenals ist festzuhalten: Das Marinearsenal macht mobil – gemeinsam, transparent und zuverlässig!

Kapitän zur See Karsten Knecht ist Teil der Leitung des Marinearsenals. Leitender Technischer Regierungsdirektor Andreas Vogt ist Bereichsleiter Werkstätten im Marinearsenal.

Karsten Knecht und Andreas Vogt

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