Foto: Russischer U-Jagd-Zerstörer "Severomorsk" der Udaloy-Klasse. Michael Nitz

Foto: Russischer U-Jagd-Zerstörer "Severomorsk" der Udaloy-Klasse. Michael Nitz

Russischer Zerstörer vor Fehmarn – ist das neu?

Der Zerstörer „Severomorsk“ sorgt für Unruhe

Der russische Zerstörer „Severomorsk“ (Udaloy I, 1987, 164 Meter, 7.500 Tonnen) liegt seit dem Wochenende in der Ostsee südöstlich der Insel Fehmarn. Zuvor befand sich dort bereits die Raketenkorvette „Stavropol“ der Buyan M-Klasse (Neubau, 74 Meter, 950 Tonnen).  Die Korvette war offenbar noch in der ersten Maiwoche von dem Werkstattschiff "PM-82" versorgt worden, das der Baltischen Flotte zugeordnet ist.

Werkstattschiff "PM-82" der Baltischen Flotte. Foto: Michael Nitz
Werkstattschiff "PM-82" der Baltischen Flotte. Foto: Michael Nitz

Das 122 Meter lange Schiff der Amur-Klasse lag etwa vier Stunden in internationalen Gewässern zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Langeland zusammen mit der Korvette. Am 02. Mai verlegte das Werkstattschiff durch den Großen Belt Richtung Nordsee. Britischen Medien zufolge soll die "PM-82" am 05. Mai 2026 kurz vor der Straße von Dover gestanden sein, sei dann umgekehrt und ist am 07. Mai 2026 über Skagen wieder zurück in die Ostsee eingetreten. Offene Quellen berichten, dass es während der Anwesenheit der "PM-82" in der Nordsee zu einem Zusammentreffen mit der Fregatte „Admiral Grigorovich“ gekommen sei (Typschiff, 2026, 125 Meter, 4.000 Tonnen). Genau gleicher Ablauf wurde bereits Mitte April im selben Seegebiet beobachtet. Es scheint, dass das Werkstattschiff als Versorgungsplattform für Einheiten dient, die mehrere Wochen ohne Hafenaufenthalt in See stehen.

"Stavropol" - Neubau der Buyan M-Klasse bei Abnahmefahrten im Finnischen Meerbusen. Foto: curiuous/balancer.ru
"Stavropol" - Neubau der Buyan M-Klasse bei Abnahmefahrten im Finnischen Meerbusen. Foto: curiuous/balancer.ru

Die erst neun Monate im Dienst der russischen Marine befindliche Korvette „Stavropol“ hatte über mehrere Wochen wechselnde Positionen im Fehmarn-Belt und in der Mecklenburger Bucht belegt. Dabei wurde sie permanent durch ein Einsatzschiff der Bundespolizei See überwacht – zuletzt führte das Einsatzschiff „Eschwege“ die Begleitung durch. Zeitweise waren auch eine Fregatte der dänischen Marine und eine Minenabwehreinheit der Deutsche Marine in die Überwachungsaufgaben mit eingebunden.

Inzwischen hat auch die NATO reagiert und verlegt offenbar die ständige maritime Einsatzgruppe des Bündnisses SNMG1 Richtung Lübecker Bucht. Der Verband steht derzeit unter Führung der deutschen Fregatte „Sachsen“ (F124-Klasse, 2004, 143 Meter, 5.800 Tonnen).

Russische Aktivitäten sind Symbolik

Die Verstärkung russischer Aktivitäten kann man in zweierlei Weise erklären:

Es könnte einerseits eine Reaktion sein, um die ständige hohe Präsenz der NATO in der Ostsee zu parieren. Aus Marinekreisen verlautete nämlich, dass man die russischen Kräfte in der Ostsee aktiv „beschäftigen“ wolle und ihnen keine Ruhe lasse. Ständig wechselndes Auftreten von NATO-Einheiten – ob nun auf oder über See – zwinge die russische Marine dazu, ebenfalls Flugzeuge starten zu lassen und Schiffe in See zu halten. Das nutze ab und verbrauche Ressourcen, die Russland dann nicht mehr für die Ukraine übrig habe. Man will die Ostsee nicht der Initiative Moskaus überlassen. Sie ist auch kein „NATO-Meer“, sondern ein frei befahrbares Gewässer – für alle Nationen. Und genau das verteidigt die NATO mit ihrer Präsenz im Seegebiet.

Russischer U-Jagd-Zerstörer "Severomorsk" der Udaloy-Klasse. Foto: Michael Nitz
Russischer U-Jagd-Zerstörer "Severomorsk" der Udaloy-Klasse. Foto: Michael Nitz

Zweitens könnte ein verstärkter russischer Einsatz – und das ist die näher liegende Vermutung – eine Reaktion auf Maßnahmen westlicher Staaten gegen die sogenannte russische Schattenflotte sein. Da Tanker und Frachter mit Verbindungen zu Russland in der Ostsee wegen mutmaßlich sanktionierter Ladung immer wieder kontrolliert oder festgesetzt wurden, zuletzt im April in Schweden, wird das für Russland zunehmend kritisch. Die Bundespolizei geht immer härter vor – theoretisch könnte fast jedes Schiff mit dubioser Flagge gestoppt und kontrolliert werden. Das wäre nahezu jeder dritte Tanker. Nur ist dann die Positionierung eines Zerstörers eine abschreckende Maßnahme? Eher nicht! Die operativen Einsatzmöglichkeiten eines russischen Kriegsschiffes unter internationaler Beobachtung gegen eine behördliche Maßnahme westlicher Staaten sind zum einen sehr begrenzt, zum anderen politisch mit hohem Risiko für Russland verbunden. Außerdem: Würde Russland offiziell zugeben, diesen Warenverkehr militärisch schützen zu wollen, hätte man somit auch offiziell bestätigt, dass die marode Ölflotte unter russischer Hoheit agiert.

Es ist eher davon auszugehen, dass hier symbolisch für Unruhe gesorgt werden soll. Ein Frachtschiff mit guter Flagge, nicht unter Sanktionen fallend, ordentlich versichert und technisch einwandfrei, hat nämlich nichts zu befürchten und benötigt keinen Zerstörer als Schutz. Schon gar nicht verliert so ein Schiff den internationalen Seerechtsanspruch, Meerengen wie die dänischen und deutschen Belte unbehelligt zu durchfahren.

Ist der alte Fehmarn Vorposten zurück?

Wachboot "Komet" der NVA-VM auf Station vor Fehmarn. Foto: wikimedia/cobatfor
NVA-VM auf Station vor Fehmarn. Foto: wikimedia/cobatfor

Bis Ende 1989 positionierten die Seestreitkräfte des Warschauer Paktes direkt vor deutschen und dänischen Küsten Vorposten. Spitzname der damaligen Bundesmarine: “See-UvD“. Vor Fehmarn in Sichtweite des Leuchtturms Staberhuk lag ständig ein russisches Aufklärungsschiff oder ein Vorpostenboot der Nationalen Volksarmee, in den letzten Jahren die modifizierten Minenräumer "Komet" und "Meteor" der Kondor-Klasse. Diese Wachschiffe meldeten jeden ein- und ausgehenden Schiffsverkehr durch den Fehmarn-Belt. Weitere Vorpostenboote wurden auch von der polnischen Marine vor Bornholm und im Seegebiet Kriegersflak (südlich Ausgang Kleiner Belt) eingesetzt. Das war Normalität, haben wir das vergessen? Und nun ist der Vorposten leider zurück: Erst mit Korvetten, nun mit einem inzwischen auch vierzig Jahre alten Zerstörer der Udaloy-Klasse. Der noch aus Zeiten der Sowjetunion stammende schwere Zerstörer ist auf U-Boot-Abwehr spezialisiert und wird noch mit jeweils vier Einheiten in der Nord- und Pazifikflotte gefahren. Die Besatzung beträgt 220 bis 300 Soldaten. Bereits Anfang Januar begleitete das Schiff zwei sanktionierte Frachter vor der portugiesischen Küste. Der Sonderbeauftragte des russischen Außenministeriums, Artem Bulatov, hatte den Einsatz von Kriegsschiffen zum Geleit der "Schattenflotte" vor Wochen angedeutet.

Text: Schlüter/Nitz

Anzeigen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.

de_DEGerman